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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2011-01-01 · No. 86 (2011) · p. Seite 12

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2011
Issue
No. 86 (2011)
Date
2011-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Nachkriegszeit: was Fritz walla aus Salach als Elfjähriger in Breslau erlebt hat Unglaubliches hat der Salacher Fritz Walla erlebt: Als Elfjähriger verbrachte er, ganz auf sich alleine gestellt, die letzten Kriegsmonate in Breslau. Nachdem Russen die Stadt besetzt hatten, gelang es ihm, sich zur Mutter bei Leipzig durchzuschlagen. Breslau / Salach - Fritz Walla aus Salach, nun 72 Jahre alt, hat erst 1999 seine dramatischen Erlebnisse als Elfjähriger in der schlesischen Großstadt Breslau aufnotiert. In einer Auflage von gerade mal 20 Exemplaren wurden seine einfach, aber eindringlich formulierten Kriegserlebnisse gedruckt - als Walla 2004 seine 40-jährige SPD-Mitgliedschaft feierte. Schlesien im Früjahr 1945, der Zweite Weltkrieg geht dem Ende zu: Der elfjährige Schüler Fritz Walla, der auf Land verschickt worden war, fährt und wandert den weiten Weg zurück zu seiner Heimatstadt Breslau, wo ja seine Mutter und die Geschwister warten - denkt er: «Voller Freude bin ich nach Hause gerannt. Unterwegs habe ich schon viele Leute gesehen, die alle in Richtung Bahnhof marschiert sind. Mir kamen die schlimmsten Gedanken, ich bin immer schneller gerannt. Als ich dann an meinem Haus war, pochte meine Herz bis an den Hals. Da kam mir ein Mieter, Herr Stricker, entgegen und sagte: «Fritze, deine Leute sind gestern abgereist.» Ich heulte wie ein Schloßhund. Dann hat er mich mitgenommen in seine Wohnung und machte mir etwas zu essen. Nachts bin ich aufgewacht, die Sirenen heulten, Herr Stricker kam und sagte: «Fritz, komm schnell, wir müssen in den Keller, es kommt ein Luftangriff.» Ich wußte erst gar nicht, wo ich bin. Im Haus war kein Strom mehr. Herr Stricker hatte eineTaschenlampe in der Hand. Ich guckte zum Fenster raus, da sah ich den Himmel hell erleuchtet. Die Flugzeuge hatten Christbäume abgeworfen, um besser sehen zu können, wo ihre Ziele waren. Es war ein Schauspiel sondergleichen. So was hatte ich noch nie gesehen. Als wir in den Luftschutzkeller kamen, waren nicht mehr viele Leute da. Ein paar alte Männer und Frauen waren verzweifelt, was nun jetzt kommen wird. Es wurde ganz offen über Hitler und andere Banditen geschimpft. Mir war das alles sehr peinlich und ich hatte Angst, daß ein Spitzel unter den Leuten saß. Nach drei Stunden war der Spuk vorbei. Dann kamen Soldaten, um zu gucken, ob alles in Ordnung war. Dabei erzählten sie, daß Breslau eingeschlossen ist und keiner mehr raus kann. Das war ein Schock für die Leute, es begann ein Heulen und Geschrei. Unsere Wohnung war abgeschlossen; da mußte ich mir einen Dietrich machen, damit ich reinkam. Herr Stricker half mir dabei und es klappte. Dann bin ich in den Keller gegangen, habe Holz und Kohle geholt, dann machte ich mir eine warme Stube. Ich wußte, meine Mutter hatte Eingemachtes. Da ich nun alleine war, erlaubte ich mir, eine Glas aufzumachen. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, ein Glas Fleisch allein zu essen. Danach bin ich in die Stadt gegangen, keine Straßenbahn fuhr, kaum Menschen, es war schon unheimlich. Gegenüber von meinem Haus war das Bethanien-Krankenhaus, das wurde Lazarett. Ich beobachtete, wie von einem Lkw Brot abgeladen wurde und bin gleich hingelaufen. Tatsächlich konnte ich Brot kriegen, so viel ich wollte. In Trümmerhäusern Essen für mich habe ich überall bekommen, ich machte mir überhaupt keine Sorgen. Bloß manchmal, wenn ich an die Meinen dachte, bekam ich Heimweh. Fast jede Nacht war Fliegeralarm. Es waren schon viele Häuser zerstört, so bin ich in den Trümmern herumgewandert. Dabei habe ich Sachen gefunden, die bestimmt wertvoll waren. So hatte ich viele schöne Bilder gesammelt, Leute waren ja keine da und durch die Witterung wären sie ohnehin kaputt gegangen. Auch Bücher hatte ich. Wie ich dann nach Hause ging, mußte ich durch eine Straße gehen, die von den Bomben getroffen worden war. Da hörte ich aus einem Haus Schreie von Leuten, die im Luftschutzkeller waren. Ich bin dem Schreien nachgegangen. Im Keller hörte ich «Hilfe, Hilfe»; die Luftschutztür war verklemmt, sodass die Leute nicht rauskamen. So bin ich schnell wieder auf die Straße gerannt, um Hilfe zu holen. Ich fand Volkssturmmänner, die ich in den Keller lotste. Es dauerte eine ganze Zeit, bis die Tür aufging - zwölf Personen konnten wieder frische Luft atmen. Danke hat keiner gesagt. Ich bin dann nach Hause gegangen. Da ich ja den ganzen Tag nichts gegessen hatte, bin ich ins Lazarett gegenüber. Da ich mich ja schon auskannte, bin ich zur Küchennonne gegangen, die war immer da und habe bei ihr ein schönes Abendessen gekriegt. Die war auch immer besorgt um mich. Ich erzählte ihr mein Abenteuer, da mußte ich mit ihr beten. Ich bin doch evangelisch und kannte die katholische Zeremonie nicht. Dann kamen noch andere Nonnen dazu und lobten den Herrn. Mir war das alles sehr peinlich. Mich wollten die Nonnen dabehalten, damit mir nichts passiert. Heute denke ich, dass der liebe Gott, nachdem von den Leuten im Keller keiner danke sagte, durch die Nonnen danke sagte. Denn meine Kleider und Schuhe waren zerfetzt und zerrissen, bei den Nonnen wurde ich neu eingekleidet. Ich fühlte mich richtig wohl. Der Krieg in Breslau wurde schon alltäglich, Kanonendonner, Soldaten, brennende Häuser. Wir fragten uns, wann wird endlich Frieden? Das Lazarett war bis zum Dachstuhl voll mit verletzten Soldaten, das Geschrei höre ich heute noch. Medikamente gingen zur Neige, es war sehr schlimm. Zu Essen war noch genug da. Ich wundere mich heute noch, daß so viel da war (...) Die Russen kommen Tatsächlich, im Mai war der Krieg zu Ende und die Russen kamen. Arthur kam in meine Wohnung. Seine Uniform hat er weggeworfen und Zivil angezogen, jetzt hatte ich Schwierigkeiten mit meinen Hausbewohnern, weil ich Ar-

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