Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2011
- Issue
- No. 86 (2011)
- Date
- 2011-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 des zu gestalten." Zugang zum jüdischen Friedhof fand ich durch Mojzesz Jakubowicz, den letzten in Reichenbach verbliebenen Juden (eine kleine Anzahl von Juden lebte in den umliegenden Ortschaften ). Jakubowicz hatte es sich zur Aufgabe gemacht, den zahlreichen vormaligen jüdischen Bewohnern und deren Nachkommen, die zu Besuch nach Reichenbach zurückkehrten, als Führer zu helfen. Jakubowicz war mit dem Deutschen Konrad Springer befreundet, der den jüdischen Friedhof als Totengräber, Gärtner und inoffizieller Bewacher betreut hatte und mit seiner Familie bis 1957 im Torhaus des jüdischen Friedhofs lebte. Wie Konrad Springer zum Besitzer der Synagoge wurde, ist bis heute in allen Einzelheiten nicht völlig geklärt. Der erste Gedanke, der mir kam, war „wie konnte ein einfacher Gärtner mit einer großen Familie und einem bescheidenen Einkommen es schaffen, zum Besitzer der Synagoge und des Friedhofs zu werden?" Nach Unterredungen mit Reiner Springer, Enkelsohn von Konrad Springer, anderen Familienmitgliedern und einer Anzahl, von Reichenbachern, die nach Kriegsende für die Rote Armee arbeiteten und bis in die fünfziger Jahre in Reichenbach verblieben waren, kam ich zu den folgenden Schlüssen: Irgendwann im Jahr 1937 kam Konrad Springer zu einer vertraulichen Vereinbarung mit mehreren noch wohlhabenden Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, die Konrad Springer mit den notwendigen Geld mittein versorgten, um die Synagoge und den jüdischen Friedhof als seinen Besitz zu erwerben. Das Ganze geschah, nach Angaben von Horst Dzierzon, Sohn des damaligen Bürgermeisters, mit dem stillschweigenden Einverständnis des Bürgermeisters Kurt Dzierzon und einiger Mitglieder des Stadtrates. Eine öffentliche Versteigerung der zwei jüdischen Grundstücke wurde anberaumt. Das Erstaunliche geschah, dass bei der Versteigerung niemand anderes bot oder sonst irgendwie versuchte, diese wertvollen Grundstücke an sich zu reißen. Auf jeden Fall steht es fest, dass Synagoge und Friedhof Konrad Springer als anscheinend einzigem Bieter zugeschlagen wurden und er deren Besitzer wurde. So waren durch Konrad Springers Mut und Tatkraft in der Kristallnacht am 9. November 1938 die Synagoge und der jüdische Friedhof nicht mehr in jüdischem Besitz und blieben daher unversehrt. Das Jüdische Reichenbach nach dem Krieg Mit der Hilfe von Mojzesz Jakubowicz konnte ich auch Licht in die Nachkriegsgeschichte von Reichenbach bringen. Demnach strömten sofort nach Kriegsende Tausende von der Roten Armee befreite Juden aus den zahlreichen Außenlagern des Konzentrationslagers Groß Rosen im Kreis Reichenbach, zu denen auch die unterirdischen Großbaustellen im Eulengebirge gehörten in die Stadt, die nun für die nächsten zwei Jahre den Namen Rychbach tragen sollte. Mit Duldung der kommunistischen Regierung in Warschau, die für eine Weile sogar an eine erste jüdisch-sozialistische Stadt dachte, wurde Rychbach zu einer überwiegend jüdischen Stadt von 10,000 bis 15,000 Einwohnern mit einem blühenden kulturellen Leben. Die ansässigen deutschen Einwohner wurden nach dem Potsdamer Übereinkommen bald ausgesiedelt außer einer größeren Anzahl, die für die Rote Armee in der Hilbertmühle arbeiteten, die fast die gesamte sowjetische Armee mit Mehl zum Brotbacken versorgte. Sie verließen Reichenbach um 1957. Ihnen folgten in den 1960er Jahren wegen der antisemitischen Maßnahmen der Warschauer Regierung bis auf eine winzige Anzahl alle Juden der Stadt. Wie kam die Renaissance vom Jüdischen Reichenbach zustande? Darüber in dem Aufsatz: Jakob Egit und die jüdische Gemeinde von Reichenbach/ Dzierzoniöw nach 1945 von W. John Koch Wer oder was bewog so viele Tausende von jüdischen Überlebenden aus den Konzentrationslagern nach Reichenbach, nun Rychbach genannt, zu kommen und dort innerhalb kürzester Zeit eine blühende jüdische Gemeinde aufzubauen? Dank eines Hinweises eines Nachkommen der bekannten Familie Cohn haben wir endlich eine definitive Antwort auf die obige Frage gefunden. Die unter den ehemaligen und jetzigen Bewohnern von Reichenbach / Dzierzoniöw allgemein verbreitete Vermutung, dass die Überlebenden aus den Außenlagern des KZ Groß Rosen, die in den Fabriken um Reichenbach, Langenbielau und Peterswaldau, sowie im Eulengebirge /Göry Sowie, in Hitlers Großprojekt Riese Zwangsarbeit leisten mussten, spontan nach dem nahen Reichenbach strömten, weil es unzerstört war, stimmt nicht. Wie wir nun wissen, war dies keine spontane Massenwanderung von aus den obigen Konzentrationslagern von der Roten Armee befreiten Juden. Die Überlebenden folgten dem Ruf von Jakob Egit, einem jüdischen Sowjetsoldaten, der 1908 in Boryslaw geboren war. Sofort nach dem Waffenstillstand am 8. Mai 1945 begann Jakob Egit mit der Verwirklichung seines Projekts, ein Yishuw, eine jüdische Ansiedlung nach dem Modell des künftigen Staates Israel, in Niederschlesien mit der Stadt Reichenbach, nun Rychbach und zwei Jahre später Dzierzoniöw, als Zentrum zu schaffen. Was Egit motivierte war der Entschluß, „zur Vergeltung und zur Gerechtigkeit eine Ansiedlung von jüdischen Menschen auf dem bisher deutschen Boden Niederschlesiens zu schaffen". Zunächst realisierte sich unter der energischen Führung von Jakob Egit, der großzügigen Unterstüzung der Roten Armee und der wohlwollenden Duldung der Regierung in Warschau der Aufbau dieses jüdischen Gemeindewesens schnell. Es entwickelten sich jüdische landwirtschaftliche Kooperative, Schulen, Krankenhäuser, Waisenhäuser, Rehabilitationszentren, Theater, Zeitungen und ein Verlagshaus. Als es aber klar wurde, dass Jakob Egit auf ein semi-autonomes jüdisches Staatswesen mit Jiddisch als seiner Verkehrssprache (Fortsetzung auf 5.15) 8888888m88S0XSXKKaXSXKaXSXKaXSXKKaXSXKaXSXKaX^^