Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2011
- Issue
- No. 86 (2011)
- Date
- 2011-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Restaurierung der Synagoge in Reichenbach / Eulengebirge Die Reichenbacher Synagoge ist eines der wenigen jüdischen Gotteshäuser Schlesiens, das die Nazizeit und den Zweiten Weltkrieg mit seinen Folgen überstanden hat. Sie soll vor dem Verfall bewahrt werden. Anfang des 19. Jahrhunderts ließen sich in Reichenbach wieder Juden nieder, die sich zu einer Kultusgemeinde zusammenfanden, einen eigenen Friedhofsgrund erwarben und 1875 eine Synagoge errichteten. Bereits 1933 hatte die Gemeinde keinen Prediger mehr und begann, sich unter dem Eindruck des Nationalsozialismus aufzulösen. Nachdem das Synagogengebäude in den Besitz der Stadt gelangt war, wurde es vor 1938 versteigert und als nun «nichtjüdisches Eigentum» während der sogenannten Kristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 nicht verwüstet. Anfang 1939 zog die Hitlerjugend in die Synagoge ein, die dann bis 1945 als Quartier des Reichenbacher Bannerführers diente. Direkt nach Kriegsende ließen sich viele Juden in Reichenbach nieder, das zunächst Rychbach, dann ab 1946 Dzierzoniow genannt wurde. Die Synagoge wurde wieder genutzt, doch ging die Zahl der Gemeindemitglieder durch Auswanderung zurück, so daß sie 1980 geschlossen wurde. Die Reichenbacher Synagoge ist also eines der wenigen jüdischen Gotteshäuser Schlesiens, das die Nazizeit und den Zweiten Weltkrieg mit seinen Folgen überstanden hat. Diese Angaben kann man in einer Broschüre der Stiftung Beitenu Chaj- 2004/ Unser Haus lebt-2004 entnehmen, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Reichenbacher Synagoge vor dem völligen Verfall zu bewahren, sie stilvoll und historisch getreu zu restaurieren und danach als Gotteshaus, Museum und Bildungszentrum zu nutzen. Die wichtigsten Sicherungsmaßnahmen sind bereits ausgeführt, ein erster Gottesdienst wurde gehalten und auch Ausstellungen bereits gezeigt, doch benötigt man weiterhin Spenden. Informationen unter http://www.synagoguefund.com, www.synagoguefund.com oder über mailto:wjohnkoch@shaw.ca, wjohnkoch@shaw.ca. (Schlesischer Kulturspiegel 45,2010) Das Schicksal der Synagoge von Reichenbach (Dzieroniöw) in Schlesien 1875 - 2008 von W. John Koch Aus den Quellenangaben am Schluss dieses nüchternen Berichtes (http://www.synagoguefund.com, www.synagoguefund.com) ergibt sich eine dramatische Geschichte des jüdischen Reichenbachs, von Rettung unter Zerstörung zum sonderbaren aber kurzen Aufblühen nach dem Krieg und zur heutigen Renaissance. Herr W. John Koch hat uns gütigst erlaubt, Ihnen diese Geschichte, die er erforscht hat, mittels Auszügen aus zwei seiner Berichte in seinen Worten zu erzählen (Schrägschrift), und wir danken ihm herzlichst. Wer ist W. John Koch? Etwa 25 km östlich von Reichenbach liegt die Bergbaustadt Waldenburg/Walbrzych, wo ich im Jahr 1925 geboren wurde. 1936 zogen wir nach Breslau um. 1943 wurde ich Soldat und geriet nach Fronteinsatz in Russland in amerikanische und später in französische Gefangenschaft. 1946 entflohen, studierte ich nach 1947 in Würzburg. Im Frühjahr 1954 wanderte ich nach Edmonton im Westen Kanadas aus, wo ich noch heute lebe. Wie die Synagogue zu Reichenbach den November 1938 überlebte 1999 fuhren meine Frau und ich nach Reichenbach. Ich war tief berührt vom Anblick der Synagoge, einer von nur dreien in Schlesien, die weder von den Nazis in der Kristallnacht verbrannt oder zerstört, noch in den Hitlerjahren bis zur Unkenntnis verändert worden waren. Das Gebäude war jedoch nicht zugänglich. Diezweite Entdeckung an diesem Tag war der ebenfalls verschlossene, aber offenbar unberührte jüdische Friedhof der Stadt. Eine Tafel an der Synagoge war der Schlüssel zu der Frage, warum dieses Bauwerk die Nazijahre und die Kristallnacht überstanden hatte. Es war der Name Konrad Springer und die Aussage in polnischer Sprache: „Diese geschichtsträchtige Synagoge wurde 1875 erbaut und diente bis zum Jahr 1937 der jüdischen Gemeinde. Sie wurde von der Nazi- Verwaltung der Stadt an den Gärtner Springer verkauft, der die Synagoge im Jahr 1945 dem Verband der Polnischen Juden von Rychbach kostenfrei übergab. Die mosaische Konfession nutzte die Synagoge bis in die 1980er Jahre. Danach stand die Synagoge leer und ungenutzt und dem fortschreitenden Verfall überlassen. Um diesem Einhalt zu bieten, beschlossen die Jüdische Gemeinde und der Verein der Freunde von Dzierzoniow, das Gebäude in ein Museum des Dzierzoniöwer Lan-