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Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2011-01-01 · No. 86 (2011) · p. Seite 5

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2011
Issue
No. 86 (2011)
Date
2011-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 gen, die seit 1986 mit großem Erfolg von Mordechai Hauschner herausgegeben werden. Insgesamt ist bis heute ein Kompendium entstanden, das unter Beteiligung vieler einen ungleich größeren Beitrag zum Wissen über die schlesischen Juden (und mittelbar auch über Israel) zusammengetragen hat, als dies Forschungsarbeiten je leisten könnten. Dank des persönlichen Zugangs der Überlebenden haben die Texte und die Gesamtheit der Mitteilungen etwas geschaffen, wofür der Historiker Saul Friedländer den Begriff der integrierten Geschichte geprägt hat - eine Verbindung ganz unterschiedlicher Perspektiven, das Zusammendenken der individuellen Sichtweise des Einzelnen mit den großen Entwicklungslinien der Geschichte bis hin zur Vernichtung der schlesischen Gemeinden in der Shoah. Die Idee der Digitalisierung Wie sehr die Mitteilungen von Interessierten, Angehörigen und Angerührten gelesen wurden, also keineswegs im Regal verstaubten, zeigt sich auch daran, dass kaum eine Bibliothek zumal im deutschsprachigen Raum die Mitteilungen systematisch sammelte. Angesichts dessen, dass die Zahl der Verbandsmitglieder in den 1970er Jahren auf allen Kontinenten einigeTausend betrug und es daneben Ortsgruppen ehemaliger jüdischer Breslauer bzw. Schlesier nicht nur in Israel, sondern auch in Großbritannien, den USA, Südamerika und Südafrika gab, ist dies überraschend. Die allgemein sehr geringe Verfügbarkeit der Mitteilungen entsprach bald in keiner Weise mehr dem wachsenden Interesse an ihnen außerhalb des Verbandes. Damit jedoch befanden sich die Mitteilungen in sehr guter Gesellschaft. Die Zäsur der nationalsozialistischen Judenvernichtung hatte dazu geführt, dass jüdische Literatur und insbesondere Zeitungen und Zeitschriften aus der Zeit vor 1938 so gut wie kaum mehr zu finden war. Diesem Zustand abzuhelfen und das reiche Erbe jüdischer Publizistik der Forschung und allen am Judentum Interessierten wieder verfügbar zu machen, war vor Jahren das Ziel des ehrgeizigen Projektes http://www.compactmemory.de www.compactmemory.de. Binnen weniger Jahre wurden knapp 120 Periodika zwischen 1806 und 1938 mit insgesamt über 700.000 Seiten digitalisiert und können von jedem Punkt der Welt im Internet abgerufen werden: Die zionistische Jüdische Rundschau ist hier mit allen Jahrgängen ebenso vertreten wie die orthodoxe Zeitschrift Jeschurun oder die CV-Zeitung. Zu keinem Zeitpunkt war es so leicht möglich, auf eine eindrucksvolle Vielzahl jüdischer Zeitungen und Zeitschriften bequem zurückzugreifen, vorbei sind für die dort verzeichneten Titel die jedem Bibliotheksbesucher sattsam bekannten Sorgen, dass genau die eine gesuchte Ausgabe im Bestand der Bibliothek fehlen könnte. Compact Memory war in gewissem Sinne das Vorbild, als der Geschäftsführer des Verbandes, Dr. Benjamin Sklarz, in einem Rundschreiben an die Mitglieder zu Pessach 2009 anregte, ob die Mitteilungen nicht womöglich gescannt und digitalisiert werden könnten, um sie für die Nachwelt zu erhalten bzw. erst zu erschließen. Zwar erwies sich ein erster Versuch in Israel als nicht finanzierbar, aber es gelang recht bald, in Kooperation mit dem Schlesischen Museum zu Görlitz, namentlich mit Dr. Maximilian Eiden, und dem Verfasser dieses Artikels das Sächsische Innenministerium dafür zu gewinnen, die Kosten für die Digitalisierung zu übernehmen. Mit der Kölner Germania Judaica, der mit Abstand größten Bibliothek für die Geschichte des deutschen Judentums, sowie dem Herder-Institut in Marburg konnten zwei Bibliotheken gewonnen werden, die ihre Bestände der Mitteilungen für die Digitalisierung zur Verfügung stellten. Erstellt wurden die Scans von der Firma, die seinerzeit auch für Compact Memory die Digitalisierungen erstellt hatte, und zwar als Volltext, was eine bequeme und sekundenschnelle Recherche nach Stichwörtern in allen Ausgaben der Mitteilungen ermöglicht. Das bisherige Ergebnis kann auf der vorläufigen Homepage http://smgr-dev.visual-library.de/ http://smgr-dev.visual-library.de/ studiert werden. Heimat und Gedenken im World Wide Web - Ideen für die Zukunft Es waren der Verband und seine Mitteilungen, die in Israel das Andenken an die schlesischen Juden bewahrt haben, als man sich anderswo - insbesondere in Deutschland - nicht dafür interessierte. Es ist vielleicht ein angemessenes Symbol, dass die Digitalisierung und damit die Erhaltung dieser Arbeit nun in Deutschland erfolgen konnte. Cum grano salis wird man sich in Deutschland (und anderen europäischen Ländern, deren jüdische Bürger in der Shoah ermordet wurden) erst seit vergleichsweise wenigen Jahren bewusst, wie immens der Verlust jüdischer Kultur zwischen 1933 und 1945 tatsächlich war und wie sehr dieser Verlust bis heute nachwirkt. Auch wenn der endgültige Standort der digitalisierten Mitteilungen im Internet in den kommenden Monaten erst noch gefunden werden muss, es bleibt die Frage, ob damit bereits alle Möglichkeiten des Erhalts und der Weiterverbreitung der Mitteilungen ausgeschöpft sind, anders gefragt: Wie wird es danach weitergehen? Wenn auch der anstehende Generationswechsel nicht ohne Folgen für die Erinnerung an Breslau, Schlesien und sein vielfältiges jüdisches Leben bleiben wird, so eröffnet das digitaleZeitalterdochauch Möglichkeiten,die weit über das reine Konservieren des Bestehenden hinausgehen. Die Frage nach der Zukunft der Mitteilungen als Quelle für alle jüdischen und nichtjüdischen Interessierten erschöpft sich jedoch nicht darin, dass man die Mitteilungen den veränderten Lektüregewohnheiten anpasst, sie gleichsam >animiert<. Vielmehr haben sich seit dem ersten Heft der Mitteilungen das Denken und Gedenken in Bezug auf Heimat und Herkunft wesentlich verändert. Das bisher Erreichte lädt ein, sich Gedanken über die Möglichkeiten zu machen, die das Internet bzw. das digitale Zeitalter mittlerweile bietet. Se'ev Freyhan gründete die Mitteilungen bewusst in der Tradition einer jüdischen Presse in Schlesien, und so wäre zu überlegen, ob nicht in Ergänzung zu den Mitteilungen und zu Compact Memory die Digitalisierung weiterer jüdischer Zeitungen mit Bezug zu Schlesien sinnvoll wäre: Das Jüdische Volksblatt (1894-1913), die Jüdische Volkszeitung (1914-1926), die Jüdische Zeitung für Ostdeutschland (1926-1937) und natürlich das Breslauer Jüdische Gemeindeblatt, das zwischen 1924 und 1938 erschien. Einen nicht minder wichtigen Punkt bildet das Anliegen, die Mitteilungen nicht einfach nur passiv zugänglich zu machen, sondern sich auch für ihre Nutzung in der geschichtsdidaktischen Arbeit zu nutzen, etwa in Form von beispielsweise deutsch-polnischen Workshops oder studentischen Seminaren, die sich mit der genannten Spurensuche jüdischen Lebens im heutigen Wrocfaw befassten. Hinzu kommt, dass Wrodaw/Breslau 2016 europäische (Fortsetzung auf S.20) 8888888m88S0XSXKKaXSXKaXSXKaXSXKKaXSXKaXSXKaX^^

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