Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2011
- Issue
- No. 86 (2011)
- Date
- 2011-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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In diese Hoffnung mischt sich freilich seit einigen Jahren auch die Befürchtung, dass die Mitteilungen ihr Erscheinen in absehbarer Zeit einstellen werden, und in der Tat ist im Verband ehemaliger Breslauer wegen der nunmehr geringen Zahl an Mitgliedern leider kein Generationswechsel in Sicht, der die eindrucksvolle Arbeit der vergangenen Jahrzehnte weiterführen könnte. Dies stimmt sicherlich wehmütig, gar traurig, aber vielleicht ergeben sich in der modernen, kurzlebigeren Welt auch neue Chancen, von denen die Mitteilungen in gewisser Weise profitieren könnten, um genau den Zweck auch weiterhin zu erfüllen, den sie immer schon besaßen: das Wissen um das jüdische Leben in Breslau zu dokumentieren, ihm zugleich in persönlichen Erinnerungen ein individuelles Gesicht zu geben und die Erinnerung an eine durch die Shoah unwiederbringlich zerstörte Epoche wach zu halten. Es klingt ein wenig paradox, aber dem kleiner werdenden Kreis von Verbandsmitgliedern steht - freilich nicht so sehr in Israel - eine wachsende Zahl von Interessierten gegenüber, die mehr erfahren wollen über Breslau, Schlesien und seine jüdische Geschichte. Kein Grund also, die Aktivitäten des Verbandes und ebenso seiner Mitteilungen schon jetzt für ein bald zur Vergangenheit gehörendes Thema zu halten - auch wenn es natürlich um Vergangenes geht. Zweifellos gibt es noch oder schon wieder Vieles zu entdecken, denn Interesse setzt immer auch Anteilnahme und Leidenschaft - im Sinne des englischen compassion - voraus, an den Menschen und ihren Lebenswelten bis zur fast vollständigen Zerstörung auch des schlesischen Judentums in der Shoah. Und so entdeckt man in den heute zu Polen gehörenden Gebieten jüdische Geschichte neu: War in der historischen Wahrnehmung Polens die deutsche Vorgeschichte der westlichen Territorien einschließlich Schlesiens in der Regel ausgeblendet, so wird diese nun mehr und mehr in das historische Bewusstsein integriert - nicht zuletzt auch die Geschichte der pommerschen, Posener und schlesischen Juden. Trotz des offenkundigen Interesses vieler Menschen am Thema ist jedoch der Kenntnis- und Forschungsstand zur Geschichte des schlesischen Judentums nach wie vor alles andere als zufriedenstellend. Immerhin liegt seit 2007 mit der auch autobiographisch geprägten Studie von Abraham Ascher Community under Siege eine vorzügliche Darstellung vor, die mittlerweile sogar ins Polnische übersetzt worden ist (eine deutsche Ausgabe scheiterte bislang leider an finanziellen Fragen). Anfang November 2011 wird in Berlin eine große Konferenz zum Thema »Das war mal unsere Heimat. Jüdische Geschichte im preußischen Osten« stattfinden, die sich auch ausführlich mit Schlesien befassen wird. Schließlich bereitet das Leo-Baeck-Institut gegenwärtig einen umfänglichen Sammelband zur Geschichte der Juden in Schlesien von den Anfängen bis in die Gegenwart vor, der voraussichtlich 2012 erscheinen wird und an dem zahlreiche Fachhistoriker aus Deutschland, Polen und den USA beteiligt sind. Die Mitteilungen als geschichtliche Quelle Als die Mitteilungen seit Anfang der 1960er Jahre regelmäßig zweimal im Jahr zu Pessach und Rosch Ha-Schana zu erscheinen begannen, verfolgte der Verbandsgründer Dr. Wilhelm (Se'ev) Freyhan (1883-1965) zunächst weniger ein dokumentarisches als vielmehr ein soziales Ziel, nämlich die Vereinigung der schlesischen Olim in Israel, zur gegenseitigen Unterstützung und Selbsthilfe, aber auch zur Pflege der gemeinsamen Erinnerung - durchaus kein Schwelgen in rosaroten Bildern, sondern in den ersten Jahren mit umfangreichen Suchlisten Verschollener, von denen die meisten zuvor in der Shoah ermordet worden waren. Freyhan selbst schrieb in einer der ersten Ausgaben: Die Gründung des Verbandes »war dem Bemühen einzelner ehemaliger Breslauer zu verdanken, welche in sich die Verpflichtung fühlten, in irgend einer geeigneten Form das Andenken an die alte Heimatgemeinde zu ehren. Sie glaubten, dies nicht würdiger tun [...] zu können, als durch die Fortsetzung der sozialen Tätigkeit, durch welche sich gerade die Gemeinde Breslau besonders ausgezeichnet hat.« Die >Mischung<, hinter der immer auch die religiöse Triebkraft der Verbandsmitglieder erkennbar blieb, erwies sich als ansprechend und erfolgreich, denn unter Freyhan und seinen Nachfolgern entwickelten sich die Mitteilungen zu einem veritablen, oftmals weit über 30-40 Seiten umfassenden Wissenskompendium über das untergegangene schlesische Judentum, zunehmend auch ergänzt durch aktuelle Reiseberichte in das nunmehr polnische Wroclaw. Über die Jahre und Jahrzehnte hinweg entstand in Israel - das geographisch in etwa der Größe der Provinz Schlesien entspricht - auf diese Weise eine Sammlung persönlicherErinnerungenzahlreicherAutorinnen und Autoren, die wie in einer Art Puzzle jeder schlesischen Landgemeinde Aufmerksamkeit widmeten, jeder Synagoge, den historischen Persönlichkeiten unter den schlesischen Juden, Rabbinern, aber auch Unternehmern und Mäzenen bis hin zur Konditorei Jauernick um die Ecke und zur Leihbücherei Wittner in der Sandstraße, um nur zwei von zahllosen Beispielen zu nennen, an die sich die„Ehemaligen" aus Kindheitstagen erinnern konnten. Hervorzuheben ist nichtzuletzt auch der kaum zu überschätzende Beitrag des Verbandes und seiner Mitteilungen für die Versöhnung. Mit sinkenden Mitgliedszahlen in Israel wuchs die Zahl die nichtjüdischen Freunde und Unterstützer, nicht zuletzt auch in Deutschland, und es entsprach dies auch immer dem offenen und aufgeschlossenen Dialog der Mitteilun-