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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2010-01-01 · No. 85 (2010) · p. Seite 27

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2010
Issue
No. 85 (2010)
Date
2010-01-01
Page
Seite 27 (sequence 27)
Language
German
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27 aggsmsmKaxsxaxsxKaxsxKaxsxKaxsxKaxsxKaxsxKaxsxKaxs^^ allgemeineuropäischer Bedeutung war, unwiederbringlich vernichtet. Die Geschichte und die Geschichten der Juden bleiben dennoch in den Friedhöfen ablesbar. Angeregt durch den Namen Lasker auf einem der wenigen aufrecht stehenden Grabsteine in Cosel, ging Janneke auf Spurensuche einer Familie, nämlich der von Alfons und Edith Lasker. Sie rekonstruierte ihre Geschichte unter Zuhilfenahme von Dokumenten aus dem Archiv in Wroclaw (ehern. Breslau), von Materialien aus dem jüdischen Museum in Berlin, einer Biografie der jüngsten Tochter der Familie, Anita und eines Briefaustausches mit ihr. Die Laskers waren eine gutbürgerliche Familie. Der Vater, Alfons, war Rechtsanwalt und Notar am Oberlandesgericht. Die Mutter, Edith, war eine ausgezeichnete Geigerin. Die drei Töchter genossen eine gute musikalische Erziehung. Diese sollte das Leben der zwei jüngeren Mädchen retten. Anita, heute Lasker-Wallfisch, überlebte die Hölle von Auschwitz, weil sie Cello spielte und zu dem Mädchenorchester des Lagers gehörte. Ihre Eltern wurden dagegen gleich nach ihrer Ankunft im Lager umgebracht. In einem Interview mit dem Spiegel, sagte Anita. „Wir waren eine typisch deutsch-jüdische, komplett assimilierte Familie (....), überzeugte Deutsche.... Die Deutschen haben aus uns Juden gemacht"! Es war auch die Musik, die ihr nach dem Krieg half weiter zu leben. Sie ist Mitgründerin des Englisch Chamber Orchestra und lebt in London. Erst vierzig Jahre nach dem Krieg, fand sie die Kraft, ihre Geschichte für ihre Kinder und Enkelkinder aufzuschreiben: „Ihr sollt die Wahrheit erben". Elisabeth hatte zwei Ausgangspunkte in Cosel für ihre Arbeit über Karla Wolf, geborene Grabowski: das Denkmal der im ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten, auf dem man den Namen Karl Grabowski lesen kann und ein anonymes Gräberfeld. Sie erzählte die Überlebensgeschichte der Tochter einer christlichen Mutter und eines jüdischen Vaters - Bruder des oben erwähnten gefallenen Soldaten - im Nazideutschland: Die leidvolle Geschichte eines so genannten „Mischlingskindes", das nicht wusste, wohin es eigentlich gehört. Sie berichtete von seinen Privilegien, die keine waren und vom Schmerz „Zurückbleiben" zu müssen, obwohl es dazu gehören wollte. Die Geschichte der Karla Wolf veranschaulicht anhand dieses Schicksals, wie absurd die „Rassengesetze zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" waren. Wer Jude war, bestimmten die Nazis.... Die damals 15 jährige Karla beobachtete bei ihrer Arbeit auf dem Friedhofsgelände, wie eine Gruppe von jüdischen Zwangsarbeitern, die an Hunger, Krankheit oder Misshandlung gestorben waren, dort beerdigt wurden. Nie hat sie verstehen können, wieso sich die Nazis die Mühe gemacht hatten, diesen Leichen eine jüdische Bestattung zu gewähren. Auch dieses gehörte zu den unerklärlichen, absurden Taten dieser Mörder! Heute ist eine Liste mit Namen und Daten der bislang anonymen Zwangsarbeiter aufgetaucht. Eine Tafel mit diesen Namen soll demnächst auf dem jüdischen Friedhof Wroclaw errichtet werden. Für die dafür aufgebrachten Spenden möchten wir uns an dieser Stelle sehr herzlich bedanken. Kevin recherchierte über das jüdische Schulwesen während der Weimarer Republik bis zum Schulverbot durch die Nazis. Er beschrieb die Entstehung der Privatschulen, deren Finanzen, deren zunehmenden Schwierigkeiten und schilderte, wie diese Schulen nach und nach verboten wurden. Besonderes Interesse zeigte er an der 1998 neu entstandenen Schule im Gebäude der ehemaligen jüdischen Schule am Rhediger Platz. Er besuchte sie, sprach mit dem Schulleiter, fragte nach der Zahl der jüdischen Kinder unter den 120 Schülern. Er bekam aber keine Auskunft, denn „man fragt nach der Religion nicht". Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es zwischen der heutigen sehr kleinen jüdischen Gemeinde in Wroclaw und der jüdischen Gemeinde von einst keine persönliche Verbindung gibt, keine geschichtliche Kontinuität. Die Juden von heute kommen aus den ostjüdischen Kulturräumen Polens, aus der Ukraine und aus Russland. Sie sind nicht in der Lage, sich mit dieser von deutscher Kultur geprägten bürgerlichen Vergangenheit zu identifizieren. Auf unserer zweiten Reise nach Polen haben wir uns eine Woche lang vor allem praktisch betätigt. Wir haben eine Ecke des Friedhofs Cosel um das Grab von Hermann u. Lisette Czollak herum, die ganz bedeckt war mit Erde, Efeu, Brennnesseln und Bäumen, frei gelegt, die Grabsteine in der Nähe sauber gekratzt, die Wege wieder begehbar gemacht.. Diese Arbeit, obgleich sie unter schweren Bedingungen - Hitze, Mücken, körperliche Anstrengung - stattfand, hat uns alle voll befriedigt. Wir wünschen uns, dass viele andere Jungendliche diesem Beispiel folgen! Was hat dieses Projekt den Jugendlichen gebracht? Marita schreibt: Ich habe einige für mich neue und interessante Aspekte zur Geschichte des Judentums entdecken und kennen lernen können, die auch für mein Verständnis der jüdischen Glaubenswelt von Bedeutung sind. Janneke fügt hinzu: Durch diese Arbeit habe ich einerseits einen besseren Gesamtüberblick über das Judentum bekommen, andererseits habe ich mich dadurch mit einem Einzelschicksal inhaltlich verbinden können, was im Verlauf für das Verständnis der Thematik immer wesentlicher wurde. Wichtig ist es, dass dieses Kapitel der jüngsten Deutschen Geschichte nicht vergessen wird. Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass so etwas Schreckliches und Menschenunwürdiges nie wieder passiert. Nicht in Deutschland, nicht in Europa, nirgendwo auf der Welt. Jeder sollte dazu einen Beitrag leisten. Ich hoffe, mit dieser Arbeit ein erneutes Bewusstsein geschaffen zu haben. Riva Siedner (Betreuerin) Marita Windhoff, Kevin Stuber-Rousselle Hilleke Hüttenmeister («) Janneke Kiviet, Elisabeth Salzmann (Schüler)

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