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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2010-01-01 · No. 85 (2010) · p. Seite 20

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2010
Issue
No. 85 (2010)
Date
2010-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 aggsmsmaxsxKKaxsxKaxsxKaxsxKaxsxKaxsxKaxsxKS^^ Rückkehr in die Heimat „Wir haben ein paar Wochen in Breslau gelebt, aber wir wussten schon, dass es auf Dauer so nicht bleiben kann. Es war für mich klar, dass das polnisches Gebiet bleibt, und es war natürlich vieles ungewiss. [...] Wir sagten, was soll es? Was sollen wir in Breslau mit einer Zukunft, die sicher nicht gut für uns ist, weil die Polen auch nicht unbedingt Judenfreunde waren. Und so sind wir dann nach Erfurt gekommen [...]." Albert Hadda sowie andere Breslauer Juden nahmen Kontakt nach Erfurt auf. In dieser Stadt waren etwa 15 Holocaustüberlebende zurückgekehrt und hatten eine Gemeinde und ein Jüdisches Komitee gegründet. Bei so wenigen Jüdischen Bürgern war die Erfurter Gemeinde auf Zuwachs aus anderen Orten oder Ländern angewiesen. Die deutschen Juden hatten keine andere Alternative, da die Grenzen zu den Westzonen damals noch versperrt waren, und sie bekamen eine Bewilligung der Stadt Erfurt, dass sich zunächst ungefähr 150 Personen ansiedeln durften. Im September 1945 verließen erste Busse mit 150 deutschen Juden Breslau. Im Laufe der Zeit folgten weitere Transporte. Sie wurden vor der Ausreise einer scharfen und beschämenden Kontrolle durch die Polen unterzogen: „And so before we quite got out of the Jewish community area, the Poles came in and frisked us. We had to get undressed and they wanted to know, they wanted to see what we had. We didn't have anything, except what we had accumulated, you know maybe in the few months." Dank des Zuzugs aus Breslau wuchs die Jüdische Gemeinde in Erfurt und zählte im Frühjahr 1946 etwa 400 Personen; einige verließen die Stadt jedoch bereits im Frühling 1946 wieder, als es die Möglichkeit gab, in die amerikanische Besatzungszone zu gelangen. Nach 1945 entstand in Erfurt ein erstes jüdisches Gemeindezentrum in gemieteten Räumen Am Anger 30/32. Seit April 1946 bemühten sich die jüdischen Breslauer um die Rückübertragung des Synagogengrundstückes, die schließlich im März 1947 erfolgte. 1951 konnte mit dem Bau der neuen Synagoge, an der Stelle der zerstörten Synagoge am heutigen Juri-Gagarin-Ring, begonnen werden (die Grundsteinlegung erfolgte am 9. August 1951). Am 31. August 1952 wurde die neue Synagoge mit Gemeindezentrum durch Landesrabbiner Dr. Martin Riesengruber feierlich eingeweiht. Dieser Bau blieb bis 1989 der einzige Synagogenneubau auf dem Gebiet der DDR. Heutzutage besteht die Erfurter Gemeinde überwiegend aus zugewanderten russischen Juden und zählt 337 Personen. Die meisten deutschen Breslauer Juden haben ihre Heimatstadt verlassen; 1947/48 lebte dort noch ein Dutzend Familien. Doch auch sie verließen die nunmehrige Volksrepublik wie viele andere polnische Juden während der folgenden Emigrationswellen. In diesem Zusammenhang sei auch die hitzige Debatte um das sogenannte Vertriebenenzentrum in Berlin erwähnt. Es waren die deutschen Juden, die als erste ihrer Heimat beraubt, vertrieben und ermordet wurden. Nicht zuletzt ist zu fragen, in welcher Form sich die Vertriebenenorganisationen in Deutschland mit diesem Teil ihres kulturellen Erbes beschäftigt haben, das ja zugleich auch ein gesamtdeutsches und europäisches ist. Sowohl dieVernichtung jüdischen Lebens während der NS-Zeit als auch die Politik der Volksrepublik Polen, die nur in der ersten Periode der Nachkriegszeit das Judentum unterstützte, haben also dazu beigetragen, dass der Wiederaufbau eines blühenden jüdischen Lebens nicht gelingen konnte. Heute zählt die jüdische Gemeinde Breslau nur noch etwa 290 Mitglieder- und stellt damit bereits die zweitgrößte Polens dar. In der kollektiven Erinnerung, aber auch in den wissenschaftlichen Diskursen in Polen und in Deutschland sind diese Ereignisse bisher nur wenig rezipiert worden. Doktorat honoris causa an Chananja Czollack Es ist uns eine Freude mitzuteilen, dass dem Herrn Chananja Czollack, Gründer der Hilfsorganisation Ezer Mitzion, am 11ten Mai 2010 von der Universität Bar-Ilan, Ramat Gan, der Ehrendoktortitel zuerkannt wurde, in Anerkennung seiner aussergewöhnlichen Leistungen auf dem Gebiet der freiwilligen Hilfe. Schon in 2008, bei der Feier des 60 Jahre Bestehens des Staates Israel, wurde er, als Urheber und Leiter von Ezer Mitzion, und Fr. Bracha Zisser, Leiterin von zwei neueren Zweigen dieser Organisation, mit dem Israelpreis geehrt. Wir haben damals (Mitteilungen Nr. 83, 2008) unseren Lesern mit Stolz die Breslauer Herkunft von Chananja Czollack, sein Elternheim und sein Werk vorgestellt. Wir erinnern an seine Breslauer Grosseltern, den Kaufmann Herbert (Chananja) Czollack und Amalie (Malli, geb. Koppenheim), und ihre vier Töchter, die beim berüchtigten Transport vom 25ten November 1941 in Kowno umgekommen sind. Hier wollen wir ihm und seinem hervorragendem Unternehmen wiederholt neue Leistungen an Menschenliebe wünschen. Wir bedauern, und betrauern zusammen mit ihm, mit seinem Vater Herrn Esra Czollack und seinen Geschwistern, das Ableben, am 5ten Ellul 5769 (August 2009), seiner Mutter, Fr. Ajala Czollack (geb. Meyer), welche die Wohltat als Lebensweg verkörpert hat.

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