Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2010
- Issue
- No. 85 (2010)
- Date
- 2010-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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So sollte ihre Behandlung eigenen Kriterien folgen: Zuerkennung eines Sonderstatus als Opfer der NS-Politik zum Schutz vor Strafmaßnahmen, insbesondere Internierung und Einziehung zur Zwangsarbeit, wie sie gegen die übrige deutsche Bevölkerung praktiziert wurden; Verschonung von Zwangsenteignung und Aussiedlung; schließlich, wenn die Aussiedlung dennoch mit dem oder gegen den Willen der Betroffenen erfolgte, Gewährung privilegierter Bedingungen während der Transporte. Auf Grundlage von Dokumenten kann allerdings festgestellt werden, dass die Behörden in allen diesen Fragen von Fall zu Fall unterschiedlich, ja willkürlich, verfuhren. Die vorhandenen Hinweise sprechen dafür, dass die polnischen Dienststellen mit den deutschen Juden ähnlich umgegangen sind wie mit den deutschen politischen Gegnern des NS-Regimes: Sie behandelten sie wie den Rest der deutschen Bevölkerung. Stellenweise gab es jedoch ein gewisses Bewusstsein dafür, dass es sich hierbei um eine sensible Frage handelte, die nicht zuletzt wegen der Aufmerksamkeit der westlichen Öffentlichkeit von politischer Bedeutung war. Zur selben Zeit unternahm das Jüdische Woiwodschaftskomitee Niederschlesien Versuche, die rechtliche Gleichstellung der deutschen Juden mit polnischen Staatsangehörigen zu erwirken. Bei einigen lokalen jüdischen Komitees, wie in Breslau und Hirschberg, waren deutsche Juden als Initiatoren und Mitglieder tätig, und führten die Komitees, bis sie im Frühjahr 1946 durch polnische Juden ersetzt wurden. Diese Situation führte anfänglich zu vielen Konflikten mit dem Jüdischen Woiwodschaftskomitee Niederschlesien, das zu dieser Zeit seinen Sitz in Reichenbach hatte. Das Hauptproblem war die Anerkennung einer jüdischen Nationalität' der registrierten deutschen Juden. Anhand der vorliegenden Dokumente lässt sich feststellen, dass die größte Schwierigkeit für die polnischen Behörden, aber auch für die polnischen Juden, die Frage der so genannten ,Mischlinge' darstellte. Diese Angelegenheit wurde in den örtlichen Jüdischen Komitees in Niederschlesien unterschiedlich behandelt. Der Vorsitzende des Jüdischen Woiwodschaftskomitees, Jakub Egit, beispielsweise machte sich bei den Behörden in Warschau für die deutschen Juden stark - egal, ob sie aus Mischehen stammten oder konvertiert waren. In Bescheinigungen, die zu einem Anspruch auf Hilfe und Unterstützung berechtigten, wurde festgestellt: „Aufgrund der uns vorgelegten Dokumente (Personalausweis, Kennkarte, Geburtsurkunde) bescheinigen wir, dass der Genosse [...] Jude ist und als solcher vom nationalsozialistischen Regime verfolgt wurde." Karla Wolff, die im September 1945 aus Breslau emigrierte, beschrieb die Atmosphäre als sehr unfreundlich und die Situation als schwierig: „Es war praktisch unmöglich gewesen, den Beamten zu erklären, dass man keine Deutsche ist. Man hat doch nur Deutsch gesprochen [...]». Kenneth Arkwright, der in mehrere Konzentrationslager in Schlesien verschleppt worden war und nach Kriegsende ebenfalls in seine Heimatstadt zurückkehrte, berichtete: „Nach der Rückkehr der deutschen Juden nach Breslau, wurde im Sommer 1945 ein Jüdisches Komitee in der Stadt gegründet. Dieses Komitee gab seinen Mitgliedern Ausweise, um sie von den Exzessen der polnischen Miliz und der sowjetischen Armee zu beschützen. Jedoch ohne Erfolg. Frau Cohn wurde von einem russischen Soldaten erschossen weil sie sich nicht vergewaltigen lassen wollte und ich bin beinahe auf dem Schlossplatz erschossen worden, als ich von der Aufführung der polnischen Oper Halka [im September 1945, im Breslauer Stadttheater] nach Hause ging. Wir deutschen Juden hatten zwei Nachteile in Breslau zu dieser Zeit: Für die Polen waren wir beides, Deutsche und Juden." Allerdings gab es zwei Personen, die sich noch im Mai 1945 mit den Polen in Verbindung gesetzt hatten und die Lage der deutschen Juden erklärten. Beide hatten die NS- Zeit im Versteck überlebt: Albert Hadda, der in den ersten Monaten nach der Befreiung als Vorsitzender des Jüdischen Komitees in Breslau amtierte, und Dr. Kohn. So wurde den deutschen Juden ein Teil der Räume der früheren jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellt, sie erhielten Ausweise mit dem Zusatz „Opfer des Nationalsozialismus" und bekamen Lebensmittelrationen von der sowjetischen Armee. Es wurden regelmäßig Gottesdienste am Schabbat gehalten und ein Kibbuz gegründet, in dem vor allem junge deutsche Breslauer Juden wohnten, die in die Stadt zurückgekehrt waren und ihre Familie nicht mehr vorgefunden hatten. Aus Zeitzeugengesprächen und Dokumenten geht hervor, dass die Koexistenz der deutschen und polnischen Juden nicht ohne Spannungen verlief. Die meisten von ihnen wohnten konzentriert um die Wallstraße, also um die Storch-Synagoge und die dazugehörenden Gemeinderäumlichkeiten. Die Synagoge war jedoch außer Betrieb, und man benutzte private Wohnungen als Bethäuser. Beide Gruppen beteten und begingen die Feiertage getrennt voneinander. Für die meisten der Breslauer Juden war der Verbleib in der zerstörten Stadt, in Chaos und Unsicherheit, und vor allem in Anbetracht der negativ eingestellten polnischen Behörden unvorstellbar. Klaus Trostorff, der im Konzentrationslager Buchenwald befreit wurde und dann nach Niederschlesien zurückkehrte, schilderte die Vorgänge in Breslau nach dem Krieg so: (Fortsetzung auf S.20)