Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2010
- Issue
- No. 85 (2010)
- Date
- 2010-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 aggsmsmaxsxKKaxsxKaxsxKaxsxKaxsxKaxsxKaxsxKS^^ Rückkehr in die Heimat - Deutsche Juden in Breslau und Niederschlesien nach dem Zweiten Weltkrieg von Katharina Friedla Im Jahr 1944 war Breslau als eines der größten Zentren deutscher Juden mit jahrhundertealter kultureller, wirtschaftlicher und europäischer Bedeutung vernichtet. Wenngleich es heute wieder eine jüdische Gemeinde in Breslau gibt, weist dennoch so gut wie nichts in der Stadt auf das einst bedeutende Zentrum jüdischen Lebens hin. Im Bewusstsein der heutigen Bewohner Breslaus erinnern nur drei Orte an den jüdischen Anteil der Stadtgeschichte: die Synagoge ,Zum Weißen Storch', der Friedhof in der Lohestraße und der noch immer genutzte Friedhof in der Flughafenstraße. Umso erstaunter ist eine junge polnische Generation, die in den letzten Jahren, bei der Spurensuche nach dem deutschen Breslau, auch den vergangenen Reichtum des jüdischen Breslau entdeckt. Auch das polnisch-jüdische Breslau ist so gut wie unbekannt. Nur eine sehr kleine Gruppe von alten Juden erinnert sich noch an die ersten Nachkriegsjahre und schwärmt von der ,Präsenz' jüdischen Lebens in der Stadt. Auf jene, sehr kurze, Zeitspanne soll im Folgenden das Augenmerk gelegt werden, als verbliebene beziehungsweise heimgekehrte deutsche Breslauer und niederschlesische Juden sowie zugewanderte polnische Juden, meist Holocaust-Überlebende, in der Stadt, die nun zu Polen gehörte, zusammenlebten; nämlich die Jahre 1945 und 1946. Das Kriegsende 1945 brachte einen weit reichenden Umbruch, es kam zu einem vollständigen Bevölkerungsaustausch und einem Bruch jeglicher kultureller Kontinuität, infolgedessen sich die Situation der überlebenden Breslauer Juden dramatisch änderte. Die Juden, die sich nach dem Untergang des ,Dritten Reiches' in Niederschlesien befanden, waren nur zu einem verschwindend geringen Teil Mitglieder der dortigen jüdischen Gemeinde, sondern vielmehr Überlebende aus dem Konzentrationslager Groß-Rosen und dessen zahlreichen Außenlagern. Als die polnische Regierung dem, im Juni 1945 gegründeten, Jüdischen Woiwodschaftskomitee in Niederschlesien eine gewisse jüdische Kulturautonomie sowie Unterstützung für einen offiziellen jüdischen Siedlungsschwerpunkt in Niederschlesien in Aussicht stellte, stieg die Zahl der Juden dort rasch an und erreichte im Sommer 1946 mit rund 90 000 Personen ihren Höhepunkt - zumeist Überlebende einer über drei Millionen zählenden jüdischen Bevölkerung Polens vor dem Krieg. Nicht zuletzt gehörte hierzu auch die relativ große Zahl der polnischen Juden, die den Krieg in der Sowjetunion überlebt hatten. Insgesamt haben sich nach 1945 mehr als fünfzig Prozent der überlebenden polnischen Juden in Niederschlesien angesiedelt. Vor allem in den Städten Reichenbach und Breslau entstanden kurzzeitig größere jüdische Gemeinden, die zu den wichtigsten jüdischen Zentren Polens nach dem Zweiten Weltkrieg wurden. In Breslau entstanden jüdische Handwerksgenossenschaften, politische Parteien und Schulen. Das jüdische Leben entwickelte sich mit Unterstützung des Staates und ausländischer Organisationen, wie des amerikanischen Hilfskomitees JOINT oder der UNRRA, sehr schnell. Außerdem garantierte die Regierung der jüdischen Minderheit zunächst einen sozialen Ausgleich für das Erlittene und die Rückgabe jüdischen Sakralvermögens. Aber die Blüte jüdischen Lebens in den ehemaligen deutschen Ost- und jetzigen polnischen Westgebieten währte nur kurz: Für viele Juden waren die früheren deutschen Städte an der Oder von vornherein lediglich eine Zwischenstation auf dem Weg in die Emigration nach Israel und in die USA. Die Attraktivität der polnischen Westgebiete ließ für viele Juden auch deswegen nach, weil die polnische Regierung ihre Politik der jüdischen Autonomie Ende der Vierziger Jahre revidierte. Nunmehr stellte Warschau die Juden faktisch vor die Alternative, das Land mit staatlicher Förderung zu verlassen oder sich mit der Assimilation an die polnische Mehrheitsbevölkerung abzufinden. Nur wenige Gemeindemitglieder waren überlebende Breslauer Juden. Laut Volkszählung des jüdischen Bevölkerungsanteils in Deutschland hatten im Mai 1939 in Breslau über 11 000 Juden gelebt. Lediglich eine verschwindend geringe Anzahl von ihnen überlebte die nationalsozialistische Vernichtungspolitik. Die letzten Breslauer Juden stammten zumeist aus ,Mischehen' und waren als sogenannte ,Mischlinge' untergetaucht. Wie viele deutsch-jüdische Schlesier den Krieg überlebten, lässt sich keiner Statistik entnehmen. Die polnischen Historiker gehen für Mai 1945 von 135 Personen deutsch-jüdischer Herkunft aus, die sich an verschiedenen Orten Niederschlesiens aufhielten. Belege hierfür finden sich im Archiv des Jüdischen Historischen Instituts in Warschau, wo es jedoch noch weitere Listen gibt, die von den Historikern möglicherweise nicht berücksichtigt wurden. Für die Jahre 1945/46 kommt man so auf etwa 1 000 deutsche Juden allein in Breslau. Eine ähnliche Zahl ergibt sich auch aus Dokumenten im Archiv des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen, von ihnen lebten im Sommer 1946 über 600 in Breslau. Noch im Sommer 1947 meldete das Woiwodschaftsamt Breslau eine Gesamtzahl von 128 deutschen