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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2010-01-01 · No. 85 (2010) · p. Seite 12

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2010
Issue
No. 85 (2010)
Date
2010-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 aggsmsmaxsxKKaxsxKaxsxKaxsxKaxsxKaxsxKaxsxKS^^ Willy Cohn - lebensgeschichte von Dr. Tamar Cohn Gazit Dr. Tamar Cohn Gazit, Enkelin des jüdischen Historikers und Zeitzeugens Willy Cohn, hat, auf Grund seiner jetzt berühmten Tagebücher ihre Doktorarbeit verfasst: Life under Nazi Rule. The Jewish Community of Breslau 1933-1941. Based on Documents and the Diaries of Dr. Willy Cohn (Tel Aviv, 2009). Ihr Vater Abraham, Willy Cohns zweiter Sohn (Giw'at Brenner, gest. 2008), hatte ihr die Tagebücher aus dem Deutschen übersetzt. Sie bringt uns hier eine kurze Lebensgeschichte ihres Grossvaters. «Eine bedeutsame Epoche des Judentums in Deutschland neigt sich ihrem Ende zu. Jüdische Menschen gehen seit sieben Jahren in alle Teile der Welt, und vieles, was eben noch Gegenwart war, ist nun schon Vergangenheit. Manches von dem, was gewesen ist, werden Akten, die sich in den Archiven erhalten, späteren Jahrhunderten übermitteln. [...] Das, was der Verfasser dieser Erinnerungen anstrebt, ist nicht anders, als das was einstmals auch Glückei von Hameln anstrebte <sich in einer schweren Zeit das von der Seele zu schreiben, was wert ist, festgehalten zu werdem.» So begann Willy Cohn seine Erinnerungen die er bis Erev Rosh Ha'Shana, der Abend vor dem jüdischen Neujahr, 1941, geführt hat, zwei Monate bevor er nach Kaunas verbannt wurde. Seine Lebensgeschichte ist wahrscheinlich die einer ganzen Generation von Juden, die glaubten, daß es möglich wäre, ein ganzes Leben als treuer deutscher Staatsbürger zu verbringen und gleichzeitig ihre jüdische Identität zu bewahren, aber nur wenigen von ihnen gelang es, ihren Lebenslauf schriftlich zu dokumentieren. Willy Cohn, ist 1888 in Breslau geboren. Sein Vater kam nach Breslau aus Samter in Posen 1857. Mit 14 fing er an der Firma Posamenten der Geschwister Trautner zu arbeiten an. Als sie sich zur Ruhe setzten, kaufte er die Firma, die Kleidung und Spitzenstoffe herstellte auf. 1902 zog die Firma in ein fünfstöckiges Gebäude mit Werkstatt und Laden, am Ring 49. Cohns Mutter war die Tochter von Julius Hainauer, der Herausgeber von Musikbüchern und Freund von Abraham Geiger, dessen Reformgebetsbuch er herausgegeben hat. Die Familie war durchaus assimiliert. Cohn erzählt in seinen Memoiren, daß er jeden Freitag Abend mit seinem Vater in die Neue Synagoge ging, wo letzterer Vorsteher war. Das Haus war eine Mischung aus deutscher und allgemeiner Kultur, wo aber auch die jüdische Tradition praktiziert wurde. Cohns Vater starb, als Willy 14 war. Seitdem bemühte sich der Rabbiner, Prof. Benno Badt, ihn zu den Feiertagen einzuladen, um seine Bindung zum Judentum zu bewahren und zu stärken. Cohn studierte Geschichte an den Universitäten Heidelberg und Breslau. Die Themen seiner Dissertation «Die Geschichte der normanisch-sizilianischen Flotte unter der Regierung Roger I und Roger II (1060- 1154)», sowie andere Themen, erforschte er auch weiterhin. Seine starke Bindung zum Judentum bewies er in seiner Reaktion auf die Bedingung, die ihm gestellt wurde, als er sich für den Posten eines Dozenten an der Universität bewarb. Die Bedingung war, daß er sich taufen ließe und seinen Namen änderte, was er jedoch ablehnte. Somit endete seine akademische Laufbahn. Er nahm daraufhin den Posten eines Lehrers an einem Gymnasium an, schrieb weiter und veröffentlichte seine Recherchen in der Hoffnung doch noch als ordentlicher Dozent an der Universität akzeptiert zu werden, aber alle weiteren Versuche scheiterten. Als er seinen Pflichtdienst für Akademiker in der Armee - 1912 - 1913 beendet hatte, hätte er niemals geglaubt, daß er so bald wieder eingezogen werden würde. Im Sommer 1914 heiratete er Ella Proskauer und kurz danach brach der Krieg aus. Er diente vier Jahre bei der Artillerie an der Westfront in Frankreich. Diese Jahre haben ihn sehr geprägt. Sie haben seine Bindung zur deutschen Heimat verstärkt, aber ihn auch vom liberalen Judentum entfernt, besonders vom Central Verein (CV). Er näherte sich damals mehr der jüdischen Orthodoxie und dem Zionismus an, und paradoxalerweise auch dem Sozialismus. 1915 wurde sein erster Sohn Wolfgang Louis geboren, und 1919 sein zweiter Sohn Ernst Abraham. Nach dem Krieg begann er am Johannesgymnasium, einer einzigartigen Schule der drei Religionen, zu unterrichten, die 1872 eröffnet wurde. Ein Drittel der Schüler und der Lehrer dort waren evangelisch, ein Drittel katholisch und ein Drittel jüdisch. Es herrschte dort eine ganz besondere Atmosphäre der Toleranz. Cohn führte seine akademischen Forschungen fort und veröffentlichte sie. Im Rahmen seiner Tätigkeit in der SPD hielt er Reden vor Arbeitern und schrieb Bücher über Persönlichkeiten wie Marx, Lassalle, Bebel und andere. Er hielt auch Vorträge an der städtischen Volkshochschule und an der Freien Jüdischen Volkshochschule. Außerdem hielt er auch Vorträge über jüdische und anderen Themen in Vereinen der benachbarten Gemeinden. In den Ferien hielt er Vorträge in entfernten Gemeinden Deutschlands - und zwar sowohl über jüdische Themen als auch über allgemeine historische. Viele seiner Artikeln erschienen in Fachzeitschriften und jüdischen Zeitschriften. Er war fest in den allgemeinen deutschen und jüdischen Kulturen verankert. Am 30 Januar 1933 schrieb Cohn in seinem Tagebuch: «...Die Nachricht, daß Hitler Reichskanzler ist, bedeutet jedenfalls trübe Zeiten, besonders für uns Juden!». Seit diesem Zeitpunkt war ihm sein Tagebuch um so wichtiger, um das Zeitgeschehen zu doku-

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