Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2010
- Issue
- No. 85 (2010)
- Date
- 2010-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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11 aus Cosel Sicherung Als ich am Mittwoch Morgen, dem 5ten Mai d.J. am Friedhof ankam, waren dieTore offen - Frau Erika Buhr. mit ihrer Gruppe Dresdner (Aktion Sühnezeichen) waren schon an der Arbeit. Einige von ihnen kannte ich von meinem ersten Besuch vor zwei Jahren, als sie die Grabsteine meiner Grosseltern Hermann u. Lisette Czollak so stolz wieder aufgestellt hatten (siehe Mitteilung Nr. 83). Erst ging ich an das zentrale Kriegsdenkmal für die Gefallen des ersten Weltkrieges. Es wurde, scheinbar ganz kurz vor dem, mit Hakenkreuzen usw. geschändet. Die Kriegsgräber selber (wie z.B, von meinem Onkel Ismar Sklarz) waren unversehrt. Späterhin besuchte ich das oben erwähnte Czollak'sche Grab, (ich konnte es auch dieses Mal im Dschungel allein nicht finden!). Beide Steine lagen umgekippt, gewaltsam mit den Sockeln aus dem Boden gerissen! Man zeigte mir anderswo eine zerbrochene Tafel, die erst vor kurzem repariert wurde. Die guten Leute aus Dresden betrachten dies alles sehr stoisch - so ist das Leben, und man muss weiter machen und verbessern! Aber mir war es peinlich - sie kommen, um wiedergutzumachen, und das ist ihr Dank. (Inzwischen soll die Lücke in der Westmauer endlich geschlossen worden sein.) Dieser Zustand macht wieder deutlich, dass die Sicherung des Friedhofgeländes die erste, und unumgehbare Aufgabe ist, für die an erster Stelle Gelder aufzubringen sind. Wir haben das von vorneherein erklärt (z.B. Mitt. 83), so wie in einem Aufruf, dem ich schon voriges Jahr an den Bürgermeister von Wroclaw, Stadtpräsidenten Dutkiewicz, geschickt hatte. Auch in meiner kurzen Unterhaltung mit Herrn Kozukh, der voriges Jahr mit ziemlicher Zuversicht von der Renovierung des Friedhofs sprach (s. Mitteilungen 84), ergab sich offenbar Enttäuschung. Die junge Fr. Frackowiak, jetzt auch Mutter neben ihrem beruflichen Posten, kämpft weiter um den Friedhof. Bitte notieren Sie die Internetseite des Friedhofs, welche sie leitet. http://www.friedhofcosel.info/wpisy.php auch auf Englisch. Sie können Ihre Unterstützung dort anschreiben. Sie versucht auch einen Fond zu gründen. Bestattungen von Zwangsarbeitern Die Korrespondenz Ludnowskv (hier «L») Wir berichteten voriges Jahr (s. Mitt. 84) über die aufgefundenen Namen jüdischer Zwangsarbeiter (106) und anderer NS-Gewaltsopfer (5, eines anonym) dessen Bestattung der Herr Ludnowsky s.A. in seinen Briefen von Juni 1943 bis Dez. 1944 berichtete, zusammen mit 21 Breslauer Einwohnern, deren Namen wir veröffentlichten (Mitt. 84). Das genaue Zeugnis von Karla Grabowski- Wolff war damals der Ausgangspunkt unserer Forschung. Die Fulda Listen (hier «F») Im März 2010, erhielt ich in Jad Vaschem eine Akte von Listen (OuSArchiv Document Id 11417 299-309), jede mit der selben Überschrift: (alle Zitate in Kursivschrift): Namensliste verstorbener zwangsverschleppter Juden, die auf dem Friedhof Breslau (Wroclaw), Flughafenstrasse 54. beigesetzt wurden: aus dem Zwangsarbeitslager: die Namen der Lager, je nach Liste, sind: Masselwitz: Neukirch: Hundsfeld: (in einer Liste): Klettendorf, Markstädt; Guentherbrücke; Dvrenfurth. Das erste Blatt (301) der Akte ist ein Brief aus: Jüdische Kultusgemeinde Fulda, 23 Mai 1949 Cum C.K. in Minchen abt. Suchdienst Er lautet: (auf Jiddisch, mit polnischer Schreibweise!): Mir szikn AJch iber etleche listen fun farsztorbene Jidn fun Breslau. Di bajgelegte listn hot baj undz ibergelozn a Breslauer Jid far zajn alija. Bebirchat Hamdina Wer diese Listen zusammengestellt hat, und wann er sie in Fulda hinterlassen hat, ist uns bis jetzt unbekannt. Die Bestatteten Für jedes Lager, werden die Namen der Bestatteten angegeben, dem Todestag nach geordnet, u. zw. zwischen dem 5 April 1942 und dem 30 September 1944. Fast ohne Ausnahme, befinden sich die Bestattungen und Daten von Ludnowsky (L) auch in der Fulda Liste (F), mit kleinen orthographischen Varianten. Drei Personen fehlen in (F), weil sie von Ludnowsky erst nach dem Abschluss der Fulda Liste beerdigt wurden. Nur ein Name aus (L) fehlt in (F). Daniel Rimini, an den sich Karla so besonders erinnert hat, steht in der Fulda Liste! Er starb im Lager Neukirch und wurde am 27 Januar 1943 in Cosel begraben, vor dem Anfang der Berichten von Ludnowsky. Insgesamt geben diese zwei Quellen ("F" u. "L") die Namen von 274 jüdischen Lageropfern, die 1942 bis ende 1944 in Cosel bestattet wurden, und von 21 Breslauer Einwohnern. Feld 26 Karla erinnerte sich an Feld 24 und wir fanden auch einen Beweis dafür (s. Mitt 84). Der Aufseher Herr Marek meinte, dass die Reihen der Gräber auf diesem Feld zu eng aneinander waren (evtl. Kindergräber) und verwies uns auf Feld 26. Am Freitag 7ten Mai habe ich die Fulda Listen mit dem entsprechenden Coseler Beerdigungsregister, das im Gemeindebüro aufbewart wird, vorsichtig verglichen. Bis zum Abschluss dieses Registerbandes (9 Sept. 1942) befinden sich darin auch die Fulda Namen, zusammen mit den Gemeindemitgliedern verzeichnet, und für alle wird Feld 26 angegeben. Sogar eine Frau Isabella March, die auf einem Transport aus Hamburg krank wurde und auf dem Bahnhof in Breslau verschieden ist, steht im Register (Feld 26, Anfrage von Prof. Konieczny). Fehlende Register Leider fehlen in der Breslauer Gemeinde die darauffolgenden Beerdigungregister bis 1945. (Vergl. Artikel von R. Müller in diesen Mitteilungen). D.h. man kann heute garnicht mehr ausfindig machen, wer nach dem 9ten September 1942 bis 1945 in Cosel beerdigt wurde und wo! Inzwischen habe ich eine Kopie unserer zwei Listen, F u. L, im Gemeindebüro hinterlegt, als vorläufigen, dürftigen Teilersatz für die fehlenden Register. Wir haben aber jeden Grund anzunehmen, dass auch die anderen Zwangsarbeiter, d.h., nach dem 9ten September 1942, in Cosel beigesetzt wurden. Da ihre Gräber jetzt unerkennbar sind, sollte das Andenken aller dieser jüdischen Opfer und Bürger auf würdige Weise geehrt werden. Benjamin Sklarz 040