Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2010
- Issue
- No. 85 (2010)
- Date
- 2010-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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9 aggsmsmKaxsxaxsxKaxsxKaxsxKaxsxKaxsxKaxsxKaxsxKaxs^^ wuerde das Schiff nicht nach Deutschland zurueckbringen. Eine kleine Erleichterung das zu wissen wenn man sich auch nicht sicher war es glauben zu koennen. Inzwischen fing nun ernstlich der Vertreter des Joint Distribution Kommittees, Europa, Trevor Roper, an sich zu bemuehen die Refugees in den freien Laendern Europas unterzubringen. Endlich gelang es ihm Belgien zu ueberzeugen ein Viertel der Leute, ungefaehr 225 Menschen, dort unterzubringen. Danach war es einfacher Frankreich, England und Holland zu ueberzeugen auch je ein Viertel der Passagiere aufzunehmen. Fuenfzehn Tage nachdem die «St. Louis» Havana verlassen hatte kam sie in Antwerpen an und die Pässgeiere verliessen dort das Schiff. Diejenigen die nach Frankreich und England fuhren, wurden umgeschifft und auf einem kleineren Dampfer an ihr Ziel gebracht. Die Leute die in Belgien blieben und diejenigen die fuer Holland bestimmt waren fuhren per Eisenbahn von Antwerpen in ihre neue Heimat. Meine Mutter, Schwester und ich wurden nach Frankreich geschickt. Wir kamen am naechsten Tag in Bourgogne an und meine Mutter und Schwester nahmen von dort einen Zug nach Laval in der Provinz Mayenne, ziemlich Zentral in der Mitte Frankreichs gelegen. Da ich ueber 10 Jahre alt war wurde ich, mit vielen andern Kindern, in ein Kinderheim in der Naehe von Paris geschickt. Am ersten September ueberfielen die Nazis Polen und somit brach der zweite Weltkrieg aus. Frankreich und England erklaerten Deutschland Krieg an und ungefaehr 6 Wochen spaeter ueberflogen deutsche Flugzeuge schon die Gegend von Paris wo ich im Kinderheim wohnte. Das Heim war in einem sehr schoenen, geraeumigen Hau das von Wiesen und Waeldern umgeben war. Ich hatte Heimweh als viele Kinder, deren Eltern in eine andere Stadt, Le Mans, gebracht worden waren, zu Besuch kamen. Meine Mutter konnte mich aus Laval wegen schlechter Bahnverbindung nicht besuchen. Zu Rosh Hashana und Yom Kippur war ich auch tiefst betruebt denn der Direktor lies mich nicht mit in die Synagoge gehen; er meinte es waere zu weit und deshalb zu anstrengend. Ende Oktober fingen die deutschen Luftangriffeernstlich an und wir Kinder verbrachten fast jede Nacht im Keller der als ein Schutz Obdach eingerichtet war. Als wir, nachdem die Sirenen das «all clear» signaliert hatten, wieder nach oben gingen war die Treppe immer voll von Teddybaeren, Puppen, Buechern und anderen Dingen an die wir Kinder uns klammerten. Nach einiger Zeit dachte man daran das Heim aufzuloesen und die Kinder zu ihren Eltern zu schicken. Dies passierte mir im November. Eine nette Dame holte mich auf Anweisung meiner Mutter ab und setzte mich in einen Zug in Paris nach Laval. Laval kam mir vor als wenn ich ploetzlich ins Mittelalter, ungefaehr 300 Jahre zurueckgesetzt waere. Kaum ein Auto zu sehen, meistens Pferdewagen, Pflaster Strassen. Fast kein Haus hatte laufendes Wasser, und die Toiletten waren auf dem Hof. Andererseits Essen gabs in Huelle und Fuelle, und am Markttag staunte ich ueber die Berge von Butter, Kaese, Fleisch und natuerlich viel roter und weisser Wein. Eines Tages kam eine feine Droschke vor dem Gasthaus wo wir wohnten vorgefahren. Der Kutscher sprang herunter und fragte nach Madame Fisher, nach meiner Mutter. Wie sie erschien sagte er dass sein Herr uns einladen wollte ihn zu besuchen. Es wurde vereinbart dass er uns naechste Woche abholen wuerde. Der Tag kam, wir fuhren in der Kutsche ungefaehr eine halbe Stunde und kamen zu einem herrlichen Landgut. Gleich vorne waren viele Aepfelbaeume voll mit knallroten Fruechten. Bevor wir ins Haus gingen nahm ich schnell einen Apfel und biss hinein. Spuckte alles schnellstens wieder aus denn es war wahnsinnig bitter. Der Kutscher lachte und erzaehlte, dass das Ziederaepfel waeren die eben bitter besonders gern benutzt werden. Der Gastherr begruesste uns hoeflich und wir wurden eingeladen uns an einen riesigen Tisch zu setzen wo Tee und Gebaeck serviert wurden. Dann erzaehlte der Herr das er uns eingeladen haette weil der Priester seiner Kirche seit Jahren immer erzaehlt dass Juden Hoerner auf der Stirn haetten und er sei noch nie einem Juden begegnet. Deshalb, als er gehoert hatte dass Juden in Laval eingetroffen waren wollte er sich ueberzeugen ob das stimmte was der Priester gesagt hatte. Dieses Erlebniss gehoert auch zu meinem Eindruck ueber Laval. Schliesslich war es fast 1940 und Frankreich war nicht in Afrika oder in einem anderen unerreichbaren Winkel der Welt! Anfang Dezember konnte mein Vater in Havana neue Visa fuer uns bekommen und somit fing die zweite Reise nach Kuba an. Waehrend wir in Laval wohnten kamen auf einmal neue Fluechtlinge, diesmal nicht von Deutschland oder Osteuropa, sondern von Spanien. Der Buergerkrieg war zu Ende, Franco hatte gesiegt und die Besiegten, unter anderem Offiziere und Akademiker, waren ueber die franzoesiche Grenze geflohen und einige waren in Laval gelandet. Ich befreundete mich mit einem Offizier der mir beibrachte Billiard zu spielen. Ich erwaehne das an dieser Stelle weil unser Schiff das uns nach Amerika brachte voll war mit spanischen Immigranten. Das Schiff, die «De- Grasse» , fuhr von LeHavre ab. Wir kamen nach LeHavre im Zug, und als wir gerade den Bahnsteig verliessen war ein Fliegerangriff und die Lokomotive unseres Zuges wurde getroffen. Es gab einen riesigen Knall von dem entwischten Dampf und wir wurden auf den Boden geschleudert aber nicht schwer verletzt. Wir verbrachten den Abend in einem Hotel und bestiegen die «DeGrasse» am naechsten Morgen. Das Schiff kreuzte den Kanal von Frankreich nach England und wir hielten in Southampton fuer fast zwei Wochen an bis sich ein Konvoy von ungefaehr 200 Schiffen gesammelt hatte die unter Begleitung von englischen Kriegsschiffen den Atlantischen Ozean ueberquerten nach New York. In New York wurden wir, meine Mutter, Schwester und ich, nach EMis Island gebracht da wir weiter fuhren, nach Kuba und nicht in der USA blieben. Ein Mann der fuer eine juedische Immigrations Organisation, HIAS, arbeitete bot meiner Mutter an dass er es ihr ermoeglichen koennte in den Staaten zu bleiben. Aber meine Mutter lehnte das ab denn unserVater war in Kuba. Vier Tage spaeter nahmen wir ein kleineres Touristenboot nach Kuba, und kamen ein paar Tage spaeter in Havana an. Die Freude des Wiedersehens kann ich noch heute (Fortsetzung auf 5.10)