Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2010
- Issue
- No. 85 (2010)
- Date
- 2010-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Irrfahrt auf der SS «St. Louis» Morgens am 10. November 1938 wurde mein Vater in Breslau von der Gestapo abgeholt und nach Buchenwald abtransportiert. Sein bester Freund, Leopold Rosenbaum, den meine Mutter sofort anrief und warnte, versteckte sich und entwischte dieser Episode. Kurze Zeit danach gelang es ihm meinem Vater ein Visum nach Panama zu verschaffen. Bewaffnet mit diesem Visum und meines Vaters Eisernem Kreuz vom ersten Weltkrieg, entliessen die Nazis meinen Vater am 6. Januar, 1939 mit dem Befehl er müsse innerhalb zwei Wochen Deutschland verlassen. Mein Vater fuhr am 19. Januar nach New York wo er sich, auf anraten von Freunden, ein Visum fuer Kuba erstand da das Klima in Panama schwer ertragbar waere. So landete er in Havana Anfang Februar 1939. Meine Mutter, Schwester und ich sollten Ende Februar nachkommen, leider aber erkrankte ich an Scharlach und blieb fast 6 Wochen mit hohem Fieber und Atmungsstoerungen im Bett unter Quarantaene. Wie ich im April wieder langsam auf die Beine kam war das naechste Schiff, Richtung Havana, erst am 13. Mai zur Verfuegung. Meine Mutter, Schwester und ich, in Begleitung von Herrn Rosenbaum, fuhren per Bahn am 10. Mai von Breslau nach Hamburg, nach einem sehr traurigen Abschied von meinen Grosseltern Gottheiner die wir nicht mehr wiedersahen. Die Naechte des 10. und 11. Mai verbrachten wir in einem Hotel in Hamburg. Am Vormittag des 11., gingen meine Mutter und ich zum Kubanischen Konsulat um uns unsere «Permits» abzuholen fuer die je $500 bezahlt worden waren um in Kuba reinzukommen. Im Gebaeude des Konsulats gingen wir an einen Schalter, meine Mutter zeigte unsere Paesse vor, und paar Minuten spaeter bekam sie die 3 «Permits.» Als wir an der Ausgangstuer vom Konsulat ankamen fragte eine Angestellte die da an einen kleinem Tisch sass «gnaedige Frau, soll ich Ihnen ein Visum in ihre Paesse reinstempeln?» Meine Mutter war ganz ueberrascht ueber die Frage und sagte dann von Prof. Hans Fisher «dass waere wohl nicht noetig denn wir haben gerade die «Permits» bekommen die zur Immigration bewilligt wurden.» Und damit verliessen wir das Konsulat. Spaeter, als die «St. Louis» in Havana angekommen war, Hessen die Behoerden 22 Passagiere die diese Visa eingestempelt in ihren Paessen hatten nach Havana hinein. Natuerlich, wenn die meisten Passagiere sie gehabt haetten waere das sicher nicht der Fall gewesen. Wir gingen Freitag den 12. Mai an Board und fingen an uns als freie Menschen zu fuehlen. Die Mannschaft war hoeflich, das Essen herrlich und das Wetter meistens auch sehr angenehm. Die «St.Louis» hielt einmal in Cherbourg an wo eine kleine Anzahl von neuen Passagieren, unter anderen mein bester Schulfreund aus Breslau, Zeev Feilchenfeld,einstiegen. Danach quer ueber den Atlantischen Ozean, Richtung Havanna! Ein Unglueck passierte auf dem Wege nach Havanna: ein Passagier fiel oder sprang ins Meer und wurde trotz suchen nicht gefunden. Sonnabend den 27. Mai kam die «St. Louis» in Havana an wurde aber nicht in den Hafen reingelassen sondern verankerte sich an einer Insel in der Naehe. Alle unsere Koffer wurden aufs Deck gebracht und wir warteten freudig auf unsere Wiedervereinigung mit unserem Vater. Und dann, wie ein Donnerschlag vom Himmel, wurde bekannt gegeben dass die Kubanische Regierung uns nicht reinlassen wollte! Voelliger Chaos herrschte auf dem Schiff; man lief hin und her und erzaehlte die letzten Geruechte weiter. Mein Vater, wie viele andere Vaeter die schon in Havana waren und auf ihre Familien warteteten, mietete ein kleines Ruderboot und fuhr damit um die «St.Louis» herum. Wir waren so hoch oben dass wir ihn gerade sehen konnten aber es war unmoeglich sich zu verstaendigen! Der Kapitaen, Gustav Schroeder, verhandelte mit den Behoerden und hatte ein kleines Kommittee von Passagieren mit denen er sich beriet. Leider hat das alles nicht geholfen und am 2. Juni musste die «St.Louis» den Anker heben und Havana verlassen. Das Schiff fuhr Richtung Miami und am Abend sahen wir die Lichter dieser Stadt. Telegramme wurden an Präsident Roosevelt geschickt aber der antwortete nicht. In einem Geschichtsbuch dieser Zeit las ich kuerzlich dass der Kanadische Ministerpräsident, Mackenzie King, zum Falle «St. Louis» gesagt haette «wir lassen diese Juden nicht nach Kanada rein denn sie wuerden unser Blut vergiften.» Ein Coast Guard Cutter jagte endlich die «St. Louis» von Miami weg und der langsame Weg zurueck nach Europa begann. Noch bevor das Schiff Havana verlassen hatte hatte sich ein Passagier die Adern am Arm zerschnitten und war ins Wasser gesprungen. Er wurde gerettet, ins Krankenhaus gebracht in Havana, und wieder gesund gepflegt. Der Hauptgrund warum man die St.Louis Passagiere nicht landen liess war eine geldliche Korruption. Der kubanische Immigrations Minister hatte sich die $500 Permitsgelder eingesteckt (fast eine halbe Million Dollar) und der Praesident Kubas hoerte erst davon als das Schiff schon fast in Havana angekommen war. Er verlangte einen Teil des Geldes von dem Minister der es aber nicht gab, worauf der Praesident die Permits als ungueltig erklaerte. Ein juedischer Anwalt, Berenson, vom Joint aus New York geschickt, versuchte mit dem Praesidenten zu handeln, aber scheinbar boten sie ihm zu wenig Geld an um die Passagiere loszukaufen. Zweiundzwanzig Passagiere wurden runtergelassen von der «St. Louis», die hatten die Visa die man meiner Mutter in Hamburg angeboten hatte, aber wichtiger war dass sie Protektion in Amerika hatten. Walter Annenberg, Philanthrop, Diplomat und Verleger, half diese Leute nicht nur von der «St. Louis» herunter zu bringen sondern er ermoeglichte ihnen in die USA einzuwandern. Nachdem die «St.Louis» endlich die nordamerikanische Kueste verlassen musste, fingen viele Versuche an eine Unterkunft fuer die 900 Passagiere zu finden. Der anstaendige Kapitaen Schroeder hatter versichert er