Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2010
- Issue
- No. 85 (2010)
- Date
- 2010-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Als er bei der Synagoge mit dem Gefühl geborgen zu sein ankam, erreichte ihn die schreckliche Nachricht, daß noch weitere 1000 Juden bis zum Monatsende die Stadt verlassen sollten. Damals wußte er noch nicht, daß damit auch er gemeint war. Am 27.2.1943 wurden die letzten Mitglieder der jüdischen Gemeinde im Hof der Storch Synagoge und im Freundesaal in der Graupen Straße versammelt, um aus der Stadt verwiesen zu werden. Die Augenzeugin Klara Wolff, geb. Grabowski, berichtete, daß sie alle in der Eiskälte von Mitte Februar dort einen ganzen langen Tag und eine Nacht warten mußten. Viele, die es vorgezogen hatten, nicht in das Ungewisse verschickt zu werden, zogen den raschen Tod vor und nahmen sich selbst das Leben. Der liberale Rabbiner, Dr. Reinhold Lewin, der auch im Freundesaal war, gab ihnen Trost und Beistand. Er weigerte sich, der Gestapo zu gehorchen, um nach Theresienstadt abtransportiert zu werden. Er wollte mit seiner Gemeinde zusammenbleiben, um sie auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Auch meine Großmutter Ella Cohn Brienitzer und ihr Mann Günther wurden von dort mit allen Anderen direkt nach Auschwitz geschickt. Der Transport von Breslau nach Auschwitz bestand aus 1405 Menschen. Das war auch das Ende der Gemeinde. Als ich am 6 Mai 2010 an der Einweihung der restaurierten Storch Synagoge teilnahm, standen mir die Bilder der letzten Stunden jener Menschen vor Augen. Die Synagoge und der Hof, die einst das pochende Herz von Herrn Heiko Richter (an Fr. Karolina Fuhrmann, Leiterin des Projekts Zeitzeugen, Wroclaw, 2009) Im Dezember habe ich die Abschrift eines «Meine Erlebnisse während der dreimonatigen Belagerung der Stadt und Festung Breslau im Januar 1945» betitelten Manuskriptes erhalten. Der Verfasser, der Breslauer Arzt Dr. med. Ferdinand Krapp hat dieses Manuskript im Februar 1946 in Erfurt abgeschlossen und «Herrn Paul Kliche zur Erinnerung an die schweren Tage im Jahr 1945» zugeeignet und wohl auch übergeben. Von der Tochter des Paul Kliche, die jetzt als hochbetagte Dame in Lüttich wohnt, habe ich noch einiges über diesen Arzt erfahren: Er habe sich geweigert, der NSDAP beizutreten, und er habe deswegen eine gute Stellung als Chefarzt verloren und dann als Privatarzt praktiziert. Außerdem habe er jüdische Verfolgte und polnische Zwangsarbeiter illegal behandelt. Nach dem Kriegsende sei er deshalb von der jüdischen Gemeinde in Breslau (Aber von welcher? Der deutschen oder der polnischen? Gab es am Kriegsende überhaupt noch oder schon wieder eine jüdische Gemeinde in Breslau? H.R.) unterstützt worden und habe mit einem Sonderwagen Breslau verlassen können. Später habe er dann in Westdeutschland gewohnt. Im im Internet zugänglichen «Breslauer Adder Gemeinde in frohen und besseren Zeiten gewesen war, wurden zum Schauplatz, wo die Letzten versammelt wurden, bevor sie zu ihrem Tod nach Auschwitz geschickt wurden. Es ist daher unerläßlich, daß an diesem Ort eine neue Gedenktafel errichtet wird, damit an dem Ort des Gebets um die Nächstenliebe auch die vernichtete Gemeinde nicht ins Vergessen gelangt. Diese Tafel soll allen, die sie sehen, eine würdige Erinnerung an die Breslauer jüdische Gemeinde sein, die einst eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden Deutschlands gewesen war. KiryatTivon, Juni 2010 reßbuch für das Jahr 1941» (www.breslauwroclaw.de) findet sich folgender Eintrag: Krapp, Ferdinand, Dr. med. prakt. Arzt,? , Schloßplatz 9, T. 59021 An diese Adresse konnte sich die alte Dame erinnern, dort habe der Arzt praktiziert. In den veröffentlichten Tagebüchern von Willy Cohn («Kein Recht , nirgends» zweibändige Ausgabe) und Paul Peikert («Festung Breslau in den Berichten eines Pfarrers») finden sich keine namentlichen Hinweise auf einen Krapp. Da mich die Biographie dieses Arztes interessiert, möchte ich mich auf «historische Spurensuche» begeben. Vielleicht findet sich dabei auch manch Interessantes für meine Geschichtsstunden. Ober Hilfe von Ihnen würde ich mich freuen, und für Ihre Bemühungen danke ich Ihnen im Voraus und verbleibe mit freundlichen Grüßen. hko.richter@web.de Heiko Richter Weißenseer Weg 87 Kaarli pst. 8-73 10369 Berlin 10142 Tallinn Deutschland Estland Eine Kopie des Tagebuches von Dr. Krapp schickt uns Herr Richter mit der Erlaubnis von Frau Ursula Kliche, Breslauerin, Jahrgang 1921. Sie hat eine Bitte: Sie hatte im Lyzeum einige jüdische Mitschülerinnen, mit denen sie befreundet war. Gerne würde sie erfahren, ob diese vielleicht überlebten: Gertrud Jacubowski oder Jakubowski und deren Kusine CiIla/Ci11i (?) Hannelore Goldmann Hilde Guttmann Bitte senden Sie Auskunft an Herrn Heiko Richter, wie oben.