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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2010-01-01 · No. 85 (2010) · p. Seite 5

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2010
Issue
No. 85 (2010)
Date
2010-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 Die Synagoge «Zum Weißen Storch» von Dr. Tamar Cohn Gazit Die Synagoge Zum Weißen Storch in Breslau ist eine der ersten, großen Synagogen die in Preußen und in anderen Teilen Deutschlands nach der Emanzipation in Preußen, 1812, gebaut wurden. Der Bau dieser Synagogen war der Ausdruck der zivilen Gleichberechtigung und des zunehmenden wirtschaftlichen Einflusses der jüdischen Bevölkerung durch die neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten, die sich zu jener Zeit in Deutschland eröffneten. Bezeichnend waren die großen, eindrucksvollen Gebäude, repräsentativ nach Außen und prachtvoll im Inneren. Sie strahlten im Vergleich zu den kleineren Synagogen zuvor Festlichkeit aus. Sie brachten eine neue Auffassung der Synagoge zum Ausdruck, bei der man auf die Ästhetik des Gottesdienstes und äußere Pracht achtete. Zu diesem Zweck begann 1819 die Spendeaktion der Gemeindemitglieder. Die bedeutendste Spende zur Finanzierung der Bauarbeiten kam von Philipp Hillel und Jakob Silberstein. Den Entwurf des Gebäudes machte der Architekt Carl Ferdinand Langhans und für die Innenausstattung war der deutsche Künstler Raphael Biow zuständig. Am 10ten April 1829 wurde das Gebäude als Synagoge der jüdischen Gemeinde eingeweiht. In den 40ger Jahren des 19ten Jahrhunderts verschlimmerte sich die Auseinandersetzung zwischen den Befürwortern der Reform in der Religion und den Gegnern der extremen Veränderungen, den Orthodoxen. In Breslau kam es damals, zur Amtzeit von Rabbiner Abraham Geiger, zum Zwiespalt. Dies äußerte sich in der Auseinandersetzung zwischen ihm und den orthodoxen Rabbinern Salomon und Gedalya Tiktin über die Herausgabe eines neuen Gebetsbuches, was letzten Endes zum Bau der «Neuen Synagoge» für die liberale Mehrheit, die Reformisten, führte. Als 1872 der Bau der Neuen Synagoge beendet war, diente die Storch Synagoge ausschließlich der orthodoxen Gruppe. Bemerkenswert ist jedoch, daß beide Gruppen sich auf den Rahmen einer Einheitsgemeinde geeinigt hatten, bzw., daß im religiösen Bereich jede Gruppe, Liberale und Orthodoxe, ihren eigenen Rabbiner und Ausschuß haben, aber alle administrativen, wirtschaftlichen, sozialen und Unterstützungsangelegenheiten gemeinsam, einheitlich betrieben werden. Diese Struktur bestand in Breslau solange die Gemeinde existierte, und diente als Modell für viele weitere Gemeinden in Deutschland. Im Pogrom der Kristallnacht, November 1938, wurde die Neue Synagoge in Brand gesetzt. Die Kuppel brach nach innen zusammen und die Gemeinde mußte für die Entsorgung der Trümmer des großen Gebäudes aufkommen, angeblich weil sie eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen. Das gesamte Grundstück und weitere Gebäude am Anger 8 wurden konfisziert. Von beiden Synagogen der jüdischen Gemeinde blieb nur die orthodoxe Storch Synagoge bestehen. Sie erlitt wesentliche Schäden innerhalb, wurde aber nicht angezündet dank ihrer Nähe zu anderen Gebäuden. Auch zwei weitere, kleinere Synagogen blieben erhalten, eine innerhalb der Rehdigerschule, und die andere innerhalb des jüdischen Krankenhauses, wo von da ab nur Patienten der Gottesdienst gestattet war. Wie bedeutend die Zusammenarbeit der Strömungen in der Gemeinde war, beweist die Tatsache, daß, als der Gottesdienst in der Storch Synagoge wieder begonnen hatte, die Liberalen eingeladen wurden, um dort ihren Gottesdienst abzuhalten. Es wurden bestimmte Gebetstunden eingeteilt, und es wurde ihnen gestattet, Harmonium zu spielen, an statt der Orgel, die es in der Neuen Synagoge gab. All das zwar auch am Sabbat und an Festtagen, was ja in orthodoxen Synagogen verboten war. Ab Mai 1941, nach der Konfiszierung des Krankenhauses, der Rehdigerschule und des Beate Guttmann Altersheimes, wo es auch eine kleine Synagoge gab, blieb Storch die einzige Synagoge der jüdischen Gemeinde. In der Zeit nach der Kristallnacht war die Synagoge ihr einziger Treffpunkt, der ihnen durch das Gefühl der Zusammengehörigkeit und des gemeinsamen Schicksals Kraft und Halt gab. Dort wurden sie auch auf dem Laufenden gehalten, da sie keine anderen Informationsmittel hatten. In den Gebäuden um den Hof der Synagoge befanden sich die Büros der Gemeinde, das Altersheim, das Waisenhaus und ein Teil der Schule, da ihre ursprünglichen Gebäude konfisziert worden waren. Damals war der Arisierungsprozeß bereits vervollständigt. Die Juden hatten keine Einkommensquellen mehr und jeweils mehrere wurden in sogenannte Judenhäuser zusammengepfercht, um sich ihrer Wohnungen zu bemächtigen. Zwangsarbeit wurde eingeführt, Juden wurden aus der Stadt verwiesen, und sie wurden einem Unmaß von Verboten ausgesetzt. In der Storch Synagoge fanden auch diverse Veranstaltungen statt. Die letzte war die feierliche Eröffnung der Spendeaktion für die «Jüdische Pflicht», am 18 Juni 1941. Rabbiner Leo Baeck, der Ehrengast der Veranstaltung, betonte in seiner Ansprache, daß wenn es jemals einen neutralen Historiker geben wird, er diese Juden loben wird, weil sie in dieser schweren Zeit standhaft blieben, Unterricht, Gottesdienst und Unternehmungen zur Aufrechterhaltung der sozialen Fürsorge und gegenseitiger Hilfe weiter zu führen. Er erstatte einen Aufruf, mit Leib und Seele ihres Gleichen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu helfen. Der folgende Redner war der Gemeindeleiter, Georg Kohn. In seinem Tagebuch schrieb mein Großvater Willy Cohn: «Ich war sehr erhoben von dem, was er gesagt hat. Unter den Musikalischen Darbietungen hat mich (Fortsetzung auf S.6)

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