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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1976-09-01 · No. 40 (September 1976) · p. Seite 31

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1976
Issue
No. 40 (September 1976)
Date
1976-09-01
Page
Seite 31 (sequence 31)
Language
German
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Erinnerung an meine Münchner Pension Von einer Sache sei in diesen Blättern berichtet, die zwar in München spielt, aber mit Breslau und dem Zionismus Berührungspunkte hat. Es war vor dem 1. Weltkrieg üblich, dass man u.a. auch in, München studierte. Viele junge Breslauer bezogen die weltberühmte Universität, die anderen Hochschulen, die noch berühmtere Kunstakademie, sie schnupperten an den künstlerischen Gelegenheiten, die diese fantastische Stadt in ihrer architektonischen Schönheit bot, an den Pinakotheken, der Glyptothek, der Schach- Galerie, dem Deutschen Museum. Musikalischer, literarischer und Bühnenglanz ging einst von München aus. Bedeutende Persönlichkeiten der Kunstwelt wohnten damals in München: Richard Strauss, Bruno Walter, Thomas und Heinrich Mann, um nur einige zu nennen, drückten dem Kunstleben dieser einzigartigen Stadt ihren Stempel auf. Daneben hervorragende Musiktheater und avantgardistische Sprechbühnen. München brauchte keine Festspielwochen, jede Vorstellung war ein “Festival”. Dann gab es den Fasching, die Oktoberwiese, das Hofbraeu und es gab "Schwabing”. Schwabing, der Künstlervorort war ein “Geisteszustand”. Wer einmal in Schwabing als Student, als Künstler gelebt hat, der kam nicht mehr los, den hielt die Atmosphäre fest und die Mentalität der Menschen. Modern, interessant, kurios, frisch, vital war hier die Jugend und die Münchener waren tolerant genug, sie gewähren zu lassen. Viele wohnten in der sagenumwobenen berühmten Pension Fuermann in der Belgradstrasse. Dort wurde nur aufgenommen, wer künstlerisch oder gesellschaftlich etwas beizutragen verstand. Das Haus Fürmann war etwas Einmaliges. Von ehemaligen Breslauern wohnten dort u.a. Kaethe Salomon, die bekannte Jugendführerin, dann Dr. Koebner, der später in Jerusalem lebte, der Sohn des Breslauer San. Rats gleichen Namens und Suse Heintze, Tochter des Malermeister Heintze von der Salzstrasse, dem in Silsterwitz bei Zobten das Heintze-Haus gehörte. Ich wohnte auch dort. Und einst kamen in die Pension Fuermann eine junge, jüdische Polin Jadwiga mit einem Rabbi, die von den Pogromen in Russland und Polen berichteten und für den Zionismus tätig waren. Die Gräfin Reventiov erwähnt das in einem ihrer Romane. Und sie beschreibt auch, wie beeindruckt die Fuerman-Leute von dieser Angelegenheit waren. JULIUS SACHS MAX COLPET: „ SAG MIR WO DIE JAHRE SIND Erinnerungen eines nnverbeserrlichen Optimisten Verlag LANGEN-MULLER Das ist ein Erinnerungsbuch des vielseitigen Max Colpet an seine Erfolgsjahre, in denen er Lieder, Kabarett-Texte, Gedichte, Musicals und Filmdrehbücher schrieb. Er erzählt diese höchst amüsanten “Hals- und Beinbrüche”, die er in jenen Jahren, nach denen er fragt, erlebte, seiner ziemlich skeptischen fünfzehnjährigen Tochter. Sie kann sich über das Leben ihres Vaters und jene Zeit im Gegensatz zu ihm keinen rechten Vers machen; zwei Welten stehen sich hier wohl gegenüber. Aus ihrem Dialog kristallisiert sich ein Teil der Geschichte des europäischen Kabaretts und auch des Tonfilms heraus. Der Leser verfolgt voll Spannung den Weg des Verfassers den er mit Charme zu schildern weiss. Man lernt d. Kleinkunst kennen, auch die von Paris, später Amerikas show business und dann Münchens. Mit Liebe und Begabung erklärt er die seltsamen Pfade des Erfolges, zu dem Talent, Fleiss, Klugheit aber auch ein Stückchen Glück gehören. Die Stars jener Welt präsentiert er als Künstler aber auch als hilfsbereite Freunde. Mit Marlene Dietrich und Billy Wilder verbindet ihn eine besonders enge Freundschaft. Doch — wer zählt die Völker, nennt die Namen — für die er Filme macht, Texte, Fernseh- Shows und Chansons. In dem bewegten Hin und Her seines Lebens stellt er uns viele der Stars vor mit denen er arbeitete: Strohheim, Rosselini, Menjou, Ziemann, Ruehmann, Knef, Laie Andersen, Gitte, Hanne Wieder, Katja Ebstein, Jürgens, um nur einige zu nennen. Diese u. viele andere wussten, wenn sie von ihm Texte, Chansons etc. — bekamen, dass es einen Erfolg gäbe. Colpets Weg führt über viele grosse Namen einer Erfolgszeit, und was er seiner Tochter erzählt, erzählt er gleichzeitig dem amüsierten Leser. Texte, Verse und Prosa, interessante Bilder jener Künstler vergrössern den Spass, dieses Buch zu lesen, durch das sich als roter Faden sein berühmtes Lied “Sag mir wo die Blumen sind”..., zieht. Welch poetischer Titel, der um die Welt ging. Ein Künstler meisterte sein Leben. JULIUS SACHS DIETMAR GRIESER: SCHAUPLÄTZE DER WELTLITERATUR Verlag LANGEN MÜLLER, München—Wien Liest man einen Roman, sieht man ein Theaterstück — wen sollte es nicht interessieren, wo sich alles abspielt, was da vor sich geht. Der historischen Schauplätze gibt es gar viele. Um die ganze Welt spannen sie sich. Man möchte gern wissen, wo Gerhart Hauptmanns “Weber” ihr armseliges Leben fristeten. Wie hiess der Ort wo “Fuhrmann Henschel” lebte. Wie ging es in Auerbachs Keller zu, als vielleicht Gothe ihn besuchte. Ist das wirklich vorhanden, wo Romeo und Julia sich in Liebe fanden. Auch wo Bizets “Carmen” spielt weiss der Verfasser zu schildern. Der Dichter Merimee, hach dessen Angaben Meilhac und Halevy, die Librettisten der Oper, den Text schufen traf in Cordoba jene ungetreue verführerische Zigeunerin Carmen. Dort erfuhr er auf dem Rückwege nach der Ermordung der Carmen von dem eingekerkerten Don Jose all das, was in der Oper aufgezeigt wird. Es handelt sich also um eine wahre Episode. Die Librettisten verlegten die Handlung aus gewichtigen Gründen nach Sevilla. Warum und weshalb, das schildert der Verfasser. Noch viele andere Schauplätze der Weltliteratur weiss der literarische Globetrotter zu beschreiben. Er führt d. Leser in die Welt des “Zauberbergs,”, nach Wetzlar, Gripsholm — im ganzen zu 20 Stätten, wo sich wichtige Stationen literarischen Geschehens abgespielt haben. Man geht nicht fehl festzustellen, dass des Autors Beginnen, die Schauplätze wertvoller Werke aufzuzeigen und sie ihrer Nebensächlichkeit zu entheben, unendlich viel dazu beiträgt, sie dem Leser und Theaterfreund noch näherzubringen. Wie alles geschah, ist interessant, aber wo es war, das ist eine reizvolle Beigabe, wichtig genug davon Kenntnis zu nehmen. Es trägt dies zum besseren Verständnis sehr wohl bei. Wichtig zu wissen das wie und das was — aber das wo — ebenso. JULIUS SACHS Dr. EDMUND NICK ZUM GEDENKEN 22. September 1891 — 11. April 1974 Mehrfach sind Juristen zur Musik übergegangen, so geschah es auch mit Edmund Nick, der ursprünglich seinen Dr. jur. in Graz gemacht hatte. Jedoch zog es ihn von d. Juristerei zur Musik, und er studierte in Wien und Dresden. Der avantguardistische Direktor des Breslauer Lobetheaters, Paul Barnay, engagierte ihn in den 20er Jahren an seine Bühne. Anschliessend übernahm er die musikalische Leitung des Breslauer Senders. 1933 wurde er in Berlin Kapellmeister am Grossen Schauspielhaus. Des Weiteren kennen wir Nick als Komponisten von 10 Operetten, Bühnenmusiken zu Schauspielen, Musik zu Tonfilmen und vieler anderer schöner Werke. 1935 war “Das kleine Hofkonzert” erklungen, Uraufführung in den Münchener Kammerspielen. Nach 1945 hielt ihn München in Bann, die Traumstadt der Künste. Hier fungierte er erst als Hauskomponist der Kleinkunstbühne “Die Schaubude” und dann als massgebender Musikkritiker der “Neuen Zeitung”. 1949 finden wir ihn als Professor an der Münchner Musikhochschule und ab 1952 ist er musikalischer Leiter des Kölner Senders. Nick verfasste die erste Biographie Paul Linckes. Ebenfalls von ihm stammt “Vom Wiener Walzer zur Wiener Operette” und das umfangreiche Buch "Münchner Musikberichte”, erschienen 1971 im Hans Schneider Verlag. Nick wurde auch verschiedentlich ausgezeichnet. Wo auch immer er arbeitete und schuf, nahm er eine führende Stellung mit spezieller Note, gediegenem Können und geschmackvollen Einfällen ein. “Das kleine Hofkonzert” wird in der Welt Carl Spitzwegs gespielt. Auch Edmund Nick’s Stil ähnelt diesem Meister des Biedermeiertums. Kaethe Dorsch trug das ihre dazu bei, das reizvolle Operettenwerk zum Erfolg zu führen, im Tonfilm war es u.a. Martha Eggert und im Farbfilm Elfie Mayerhofer. Anlässlich Edmund Nick’s 85. Geburtstages gedenken wir seiner in Freundschaft. JULIUS SACHS ABSCHIED VON Prof. Dr. HERMANN MATZKE Im 86. Lebensjahr verstarb kürzlich in Konstanz der Musikwissenschaftler Prof. Hermann Matzke. Der geborene Breslauer besuchte das Zwinger-Gymnasium und richtete schon hier ein Schülerorchester ein. Er widmete sich alsbald nach dem Abitur dem Studium der Musikwissenschaften, doch galt sein Wissensdrang und Interesse auch vielen anderen Gebieten. Er war ein universell eingestellter Wissenschaftler. Dem Breslauer Musikleben drückte er seinen Stempel u.a. auch als Musikkritiker auf. Jahrzehnte übte er diese Tätigkeit aus. Er besass in der Tat das dazu erforderliche Beurteilungsvermögen. Seine Berichte waren wirklich massgebend. Er war Lektor später Professor an der Technischen Hochschule Breslau und Gründer des Institutes für musikalische Technologie. Er war Journalist und Gründer der Instrumentenbauzeitschrift. Er war Sammler auf den verschiedensten Gebieten. Sein literaisches Wirken war umfangreich und nicht weniger umfangreich die Zahl seiner Aemter und Ehrenämter. Es ist unmöglich, alles zu nennen. Mit Hermann Matzke hat die Musik einen führenden Wissenschaftler verloren, der neue Wege auf dem Gebiet des Klanges und Schalles zu finden wusste. Die. Ergebnisse seiner Forschungen und die Erfahrung Matzkes werden auch in Zukunft einer verbesserten Klangwelt zugute kommen. Das Gedenken an diese Persönlichkeit wird fortbestehen. JULIUS SACHS

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