Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1976
- Issue
- No. 40 (September 1976)
- Date
- 1976-09-01
- Page
- Seite 32 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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Als Bruno Waller dirigierte 15.9.1876 — 17.2.1962 In jedem Konzertsaal, in jedem Musiktheater, wo Bruno Walter den Dirigentenstab führte, waren dies Sternstunden. Köln, Hamburg, Breslau, Riga, Berlin, Wien und München waren die Bühnenschauplätze, denn er war ja ein genialer Bühnendirigent. Er war aber ebenso ein anerkannter Konzertdirigent, in Berlin waren die Bruno Walterkonzerte ebenso berühmt wie ln Leipzig (Gewandhaus), und USA. Er holte einen unbeschreiblich edlen Klang aus dem Orchester heraus. Er wusste dem Tonkörper jene Schönheit, jene Ausgewogenheit des Klanges einzuflössen, die seinen Stempel trug — alles war höchste musikalische Kultur, das waren, wie einer schrieb, klingende Zeugnisse von göttlich schöpferischem Charakter. Die gedruckte Note ward durch ihn beseelt”. Seine Interpretationen, besonders von Mozart, Mahler und Bruckner, galten als Masstab. Seine Programme enthielten selbstverständlich Beethoven, Schubert, Brahms und reichten bis Richard Strauss (er leitete auch Uraufführungen diverser Straussopern). Die Atonalität, sagte er, sei gegen die natürlichen Gesetze der holden Kunst. Er dirigierte vornehm, einfühlsam, würdig, voller Wärme und Liebe zum Werk. Nie stellte er sich in den Vordergrund. Rhythmik und Tempo waren voller Gefühl, voller Klingen und Singen. Er übertrug mit seinem Stab seine Musikliebe auf das Publikum, auf die Musiker und Sänger. Zu seinen Freunden und Zeitgenossen gehörten Mahler, Richard Strauss, Karl Muck, Franz Schalk, Weingartner, Delia Reinhardt, Berta Morena, Paul Bender, Karl Erb und die Ivogün, um nur einige zu nennen. Musik hat seinem Leben, wie er selbst sagte, den tiefsten Inhalt gegeben, ohne Musik hätte er nicht leben können. Es betrübte ihn, wenn jemand nur im Alltag lebte. Bruno Weiter war ein Kontaktkapellmeister, er empfand, er erlebte jeden Atemzug des Sängers auf der Bühne mit. Vielleicht war München seine beste Zeit, als er dort Werke herausbrachte, die man damals anderswo nicht hörte, z.B. Palestrina. Ist es notwendig, seinen Lebenslauf zu schildern? Nun, er ist 1876 in Berlin geboren, seine Eltern waren einfache Leute, ihre Leidenschaft war der Opernbesuch. Bruno studierte das Klavierspiel bei seiner Mutter und am Sternschen Konservatorium in Berlin. Zeitig wurde er Wagnerbewunderer. Mit 17 Jahren war er bereits Korrepetitor am Kölner Opernhaus, danach anfänglich in.ähnlicher Eigenschaft (später als Dirigent) ln Hamburg, wo er Mahler kennenlernte. Dieser hatte ihn gefragt "Können Sie gut Klavier spielen?” Bruno hatte Ja gesagt. So kam es zu einer Bühnenprobe der damaligen Novität “Hänsel und Gretel”, die sehr gut ausfiel, so kam es zur Bekanntschaft und Freundschaft mit Gustav Mahler, und so kam alles, wie es kommen musste bei diesem Dirigiergenie. Er führte die Menschen in seine herrlich-wundersame Welt. Harol C. Schonberg schreibt über Bruno Walter in seinem Buch "Die grossen Dirigenten” u.a.: “Bruno Walter war Romantiker in einem antiromantischen Zeitalter. Mehr noch: er war ein Moralist und Mystiker, der eine entschwundene Tradition verkörperte und bewahrte, die Tradition jener Epoche, der deutschen Kunstgeschichte, die den schöpferischen Geist verherrlichte. Bruno Walter, war mehr als die anderen Dirigenten eine moralische Kraft, und auf seine Art das Gewissen der Musik. Stets beschäftigten ihn die geistigen Aspekte der Musik. Er sprach über Seele, Schönheit, nachschaffende Inspiration, über Musik als eine dem Göttlichen nahe Kraft. Musik war seine Religion, der Musiker ihr Hohepriester! ” S. FRED/ DURRA GROSSER MEISTER DER KLEINKUNST WIEDER NACH AUSTRALIEN Viele Jahre schon ist der in Breslau geborene Fredi Durra in Israel ein Begriff amüsanter, geistreicher und schlagfertiger Kabarett-Kunst. Er sprudelt über in erfrischender Komik und ungewöhnlicher, ureigenster Note. Er ist ein beseelter Interpret ansteckenden Humors. Das Wesentliche seiner Auftritte ist seine Persönlichkeit. Unkompliziert baut er seine Szenen und Programme mehrsprachig auf und trägt sie mit der Meisterschaft grosser Unmittelbarkeit vor. Er hat sofort Kontakt mit seinem Publikum, er spricht mit den Hörern. Sie bleiben noch nach 2 Stunden. Der Künstler lacht nicht nur über andere, er lacht auch über sich selbst. Er bereichert zuendend mit erfrischenden Einfällen dieses Genre. Nachdem er in früheren Jahren öfters in Europa Gastspiele gab, hat er voriges Jahr in Australien, wie wir aus Presseberichten sahen mit grossem Erfolg, im Rahmen des “Viennese Theatre” (zu Gunsten des Jewish National Fund) gastiert. Wie wir hören, bereitet Fredi nun seine neue Australien-Tournee vor. Unsere besten Wünsche für einen erfolgreichen Verlauf begleiten ihn. J. ERINNERN SIE SICH AN LUZIE EGER Ein besonderes Kapitel in der Welt des Theaters sind die Theaterkinder. Meist ist ihr Bühnentalent angeboren, stammen sie doch vielfach von Theatereltern ab. Ihre kindliche Kunst haben sie dem Vater oder der Mutter abgeguckt, wenn diese zu Hause probten oder wenn die Kinder ins Theater mitgenommen wurden. Aus manchen solchen Jugendlichen “Primadonnen” sind später namhafte Sterne des Theaterhimmels geworden. Wir Breslauer erinnern uns in diesem Zusammenhang an die Theaterkinder die in Operetten, Märchen, Ballets u.s.w. auftraten (z.B. Im Rastelbinder, Fidele Bauer, Puppenfee, bei Oskar Will und Paula Heimann). Als geschah es, dass Luzie Eger, damals eine Jugendliche Darstellerin und Ballett-Elevin, auftrat. Sie hatte in der Isadora Duncan-Schule in Berlin Tanz studiert und war vom Intendanten Tietjen nach Breslau engagiert worden. Als sie das erste Mal das Honorar erhalten hatte, wurde es ihr noch am gleichen Vormittag, während sie im Probesaal arbeitete, gestohlen. Einst war ein Gastspiel von Hugo Flscher- Koeppe im “Fuerst von Pappenheim”. Hier spielte sie einen Liftboy in einem Hutsalon. Laut' Rolle bekam sie von dem Gast 2—3 saftige Ohrfeigen. Sie bat ihn eines Tages nicht so grob zuzuschlagen, worauf sie scherzend die Antwort bekam, dass er in ihrem Alter noch weit mehr Schläge bekommen hätte. Bald kamen bessere Tage. Sie erhielt ihren ersten Lorbeerkranz und war beliebt. Sie ruhte sich aber auf diesen Lorbeeren nicht aus. Sie gab auch oft Tanzgastspiele mit grossem Erfolg. Man sah die Künstlerin auch in namhaften Kabaretts (Gesang und Tanz) in Berlin, Kopenhagen, München, Dresden, Düsseldorf, Amsterdam, Zürich, Bern, Budapest und wieder in Breslau, überall nur in erstklassigen Häusern und sehr erfolgreich. Nach dem Krieg kam sie nach München und trat öfters am Radio und auch bei musikalischen Vortragsabenden auf. Es sei ihr weiter alles Beste gewünscht. S. SUCHANZEIGEN: Wer kann Auskunft geben über die letzten Tage in Breslau oder Theresienstadt über Dr. HERBERT KAISER, Jüdisches Krankenhaus, Breslau, Hohenzollernstrasse oder dessen Familie? Zuschriften an seinen Bruder GERHARD KAISER, 909 E 29 Str. Brooklyn, New York 11210. Gesucht wird ERNA SOMMER, früher Stuttgart, Gutbrodstr. 89. Zuschriften an den Verband ehemaliger Ereslauer in Israel, Ramat Gan, Mazada Strasse 27. (Erich Lewin). FRITZ FREUDENTHAL und Frau HANNE geb. Emden, letztere aus Breslau gebürtig, lebten jahrelang in Chile, Coquimbo. Eine Schwester von Fritz Freudenthal soll in Israel leben. Zuschriften an LOTTE LEWIN, 55 Goldhurst Terrace, London N W 6 — 3 H B, England. SPENDEN UND BEITRAEGE HEINZ ZWI PHILIPP, Herzlia, Haschacharstrasse 17. Sonderspende zum Jahrestag nach seiner Gattin Margot Philipp geb. Wollf. ERICH FOERDER, 1000 Berlin, Grolmannstr. No. 35. Spende für den Altersheimfond. GEORG und ELSE FEILCHENFELD, Ramat Hascharon. MIRJAM FRIEDMANN T.A. Sonderspende zum Andenken an ihre Mutter Margarete Fischer, geb. Neumark. HANNI HOROVITZ, Jerusalem. Sonderspende zum Andenken an ihren Mann. LOTTE LEWIN, London N W 6, 55 Goldhurst Terrace 3 H B. BELLA HOLZER geb. Freund, Tel-Aviv. LOUIS ANGRESS und Frau, Herzlia. ANNEROSE DOERRY und VIKARIN E. GRAUER, 34 Göttingen, Sevtinerstr. 9. West Germany. Dr. CARL SACHS, 606 Crescent Ave, Plainfeld N J 07060 USA. BERTA WECHSLER, Kibbuz Magan Michael. DIE PROVINZ SCHLESIEN IN JÜD. GESCHICHTE UND FOLKLORE In Nr. 39 unseres Verbandsblattes ist der von Abraham Tobias, Natania, sehr beachtete Aufsatz, in allen Teilen der Welt mit grossem Interesse aufgenommen worden. Rabb. Dr. Brilling bittet, in Ergänzung dieses Artikels, hinzuzufügen, dass ein Werk von ihm erschienen ist, unter dem Titel: Schlesische Ortsnamen als jüdische Familiennamen, in der in Marburg erscheinenden Zeitschrift für Ost-Forschung, Jahrgang 1966, Seite 60—67. Dort werden auf wissenschaftlicher Grundlage die schles. Ortsnamen behandelt, aus denen jüd. Familiennamen entstanden sind. Brilling stellt uns in Aussicht eine grössere Arbeit “Zur Geschichte der Juden in Schlesien”, wofür wir ihm schon heute im Voraus danken. WIR KONDOLIEREN: Frau JUDITH ROSENBAUM, Cholon, Jean Jaures 6 sowie ESTHER u. R. A. ARON BADICHI und ihren Kindern zum Ableben von Jakob Franz Rosenbaum, dem Gatten, Vater, Schwiegervater und Grossvater, der für die Bestrebungen unseres Verbandes immer grosses Interesse gezeigt hat. 32