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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1976-09-01 · No. 40 (September 1976) · p. Seite 26

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1976
Issue
No. 40 (September 1976)
Date
1976-09-01
Page
Seite 26 (sequence 26)
Language
German
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NACHRUFE AUF SIEGBERT RIESENFELD w»» GEBOREN AM 29. OKTOBER 1897 IN KATTOW1TZ, O/S, GESTORBEN AM 19. MARZ 1976 IN BIRMINGHAM, ENGLAND RaM, nr. jaqqb SAENGER ZUM GEDÄCHTNIS In nachfolgendem erlaubten wir uns aus dem Nachruf seines Kollegen, Rabb. Hermann Vogelstein, den er dem Heimgegangenen im jüd. Gemeindeblatt, Breslau, vom 10. Juli 1938, widmete, einen Auszug zu veröffentlichen. Wir verdanken diesen Artikel unseren lb. Mitgliedern, Rudolf und Annie Epstein geb. Zukiermann, Askalon, Rechow Veradin 46, Israel. Es war am Abend des 18. März 1937. Wie alljährlich vor den Festtagen im Frühjahr und im Herbst waren wir 3 Rabbiner in Sängers Arbeitszimmer vereint, um den Ertrag der Rabbinersammlung an die Bedürftigen zu verteilen. Nach beendeter Arbeit sassen wir in vertraulichem Gespräch über ernste Probleme, die uns bewegten, zusammen. Als wir das Haus verliessen, ging Dr. Sänger \'v.Jt,'. AvX 3$; j jSj r •,* Vv «f an die Vorbereitung der Versendung der Spenden für den nächsten Tag. Am anderen Morgen erfuhr ich, dass er ln der Nacht erkrankt sei. Wer hätte damals geahnt, dass damit die Tragödie begonnen hat, die nach 15 Monaten an seinem 60ten Geburtstage in der Nacht vom 24. zum 25. Juni, ihr Ende gefunden hat. Ein Kuraufenthalt in Karlsbad brachte keine Besserung und seit den Herbstfeiertagen hat er das Krankenlager nicht mehr verlassen. Unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Jacob Sänger war ein Mann, von nicht gewöhnlicher Prägung. Er stammte aus einer Familie, die 4 Generationen hindurch dem Judentum in Deutschland Männer gegeben hatte, die als Rabbiner die religiösen Führer ihrer Gemeinden gewesen sind. Er entstammte einem streng orthodoxem Hause. So kam er wohl vorbereitet nach Berlin an das Rabbiner-Seminar und die Universität. Er war Religionslehrer im Rahmen der ”Adass Israel” und an höheren Schulen. Im Frühjahr 1915 zog er als Feld-Rabbiner bei der 11. Armee (Mackensen) hinaus. Er war an den verschiedensten Fronten tätig und sehr beliebt. Nach Beendigung des Krieges wurde er als Rabbiner nach Breslau berufen. Neben seiner grossen rethorischen Begabung lag ihm der Religions-Unterricht und die Erziehung der heranwachsenden Jugend am Herzen. Am Anger, am Ilimingschen Lyceum, an der Augusta-Schule, und an vielen anderen höheren Schulen war er der beliebte und geachtete Religionslehrer. Mit bsonderer Liebe hat er den Jugend-G”ttesdienst gepflegt. Unter seiner Leitung hat unsere Gemeinde- 26 Mit dem Hinscheiden unseres lb. Siegbert, hat die ganze Makkabibewegung einen schweren Verlust erhalten. Siegbert war in vielen Städten von Deutschland geschäftlich tätig und besetzte immer führende Positionen in den versch. Warenhäusern. Wo er sich auch immer aufgehalten hatte, hat er Makkabi Vereine gegründet oder bestehende Vereine verbessert. Als er bei Tietz in Köln seine Position durch Umschaltung verloren hatte, kam er nach Breslau zu Petersdorf als Einkäufer und Abteilungsleiter der Herrenartikel Abteilung. (1935). Natürlich war auch mit sein erster Weg sich dem Breslauer Bar Kochba anzuschliessen u. übernahm er auch sofort die Turnabteilung, die durch seine Arbeit sich weit vergrösserte. Wie in allen Städten, wurden uns die Turnhallen und Sportplätze untersagt. Durch seine Initiative und dem starken Willen schafften wir es wieder eine gut eingerichtete Turnhalle zu bauen. Es war nicht leicht das Geld aufzubringen, aber einige unserer Mitglieder strengten sich besonders an, da sie von Siegbert dazu getrieben wurden. Durch diese neue Turnhalle hatte der Breslauer B.K. nochmals ein Aufblühen. In der Kristallnacht wurde auch diese Turnhalle vernichtet. Siegbert kam in das Konzentrationslager von Dachau, wo er 6 schwere Wochen durchgemacht hat. Nach seiner Rückehr, konnte er seine Stellung bei Petersdorf nicht mehr bekleiden, da die Firma umgeschaltet war. Er musste sich also jetzt intensiv beschäftigen eine neue Existenz zu schaffen, zumal er inzwischen auch geheiratet hatte. Er übernahm die Bielefelder Wäscherei die auch früher einem Breslauer B. Ker (Rudolf Loewy) gehört hatte. Das Unternehmen dürfte auch heute noch vielen alten Breslauern bekannt sein. Zum Schluss musste er auch dieses Unternehmen wieder aufgeben und hat auch viel von seinen Ersparnissen dabei verloren. Er verliess mit seiner lb. Gattin Deutschland und fand eine neue Heimat in Birmingham, England, wo er auch bis zu seinem Hinscheiden gelebt hat. Auch in England war Siegbert wieder Soldat während des zweiten Weltkrieges. Geschäftlich war er auch wieder erfolgreich und wurde er in einem Warenhaus Einkäufer. Vor einigen Jahren setzte er sich zur Ruhe. Bis kurz vor seinem Tode arbeitete er an seinen Papieren die mit seiner Makkabiarbeit zu tun hatten. Diese Papiere liegen jetzt beim Makkabiweltverband in Ramat Chen. Es gibt leider nicht zu viele Männer die sich mit solch einer Intensivität dem Makkabi zur Verfügung gestellt haben und daran gearbeitet haben kräftige und starke Juden für unser Land vorzubereiten. Mit Siegbert Riesenfeld (Reece) ist fast einer der grössten Arbeiter für den Makkabi dahin gegangen. Sein Andenken als ein kämpfender Nachfolger des Bar Kochba wird nie verlöschen. SHALOM — Ruhe in Frieden!! Deine Breslauer Vereinskollegen gez. Dr. HERBERT ROTTER Haifa, Derech Hajam, 13 Bibliothek einen grossen Aufschwung genommen. In Vorträgen, ln den verschiedensten Vereinigungen, im Jüd. Lehrhaus, in der Synagoge, in Freud und Leid, war er zur Stelle. Im Hilfsverein der deutschen Juden, im Reichsbund jüd. Frontsoldaten und in vielen anderen Gremien hat sein Wort Geltung gefunden. Durch seine soziale Arbeit hat er vielen Halt und Stütze gegeben. Seine Krankheit und sein Tod haben eine klaffende Lücke gerissen. Das Aandenken an sein Wirken u. seine Persönlichkeit bleibt unvergessen. Mit Siegbert Riesenfeld Ist einer der bedeutendsten Männer des Makkabi dahingegangen, Schon als 15jähriger war Siegbert der Turnwart des Schüler-Turn-Vereins der Ober-Real-Schule, Kattowitz, und veranstaltete regelmässig Schauturnen auf dem Schulhof. Seine aussergewöhnlichen turnerischen Leistungen grenzten ans Akrobatische und begeisterten die vielen Zuschauer. Als 1914 der Weltkrieg ausbrach, machte Siegbert sein Abitur und meldete sich freiwllig zum Heer. Sofort nach Kriegsende gründete er den Jüdischen Turn- und Sport-Verein BARKOCHBA. Schon nach kurzer Zeit hatte der B. K. eine grosse Anzahl Mitglieder aller Altersklassen, von 10 bis 60 Jahren, aus deren Reihen er junge Frauen und Männer zu Vorturnern heranbildete. Diese halfen Ihm, die vielen Teilnehmer im Turnen, Sport und Gymnastik zu unterrichten, sodass der Betrieb mustergültig und reibungslos durchgeführt wurde, überraschend schnell waren die Barkochbaner gefürchtete Gegner bei Sport-Veranstaltungen und Kämpfen gegen nichtjüdische Vereine. Es gab unter den B. K.em mehrere oberschlesische Meister: Willi Fuss, Dr. Hans Kuhn, der spätere Präsident des Makkabi Weltverbandes u.a.m. Die von Siegbert organisierten und geleiteten Turn-und Sport-Feste waren Höhepunkte im Leben der Jüdischen Gemeinde. Dank Siegbert wurden die BJC.er nicht nur körperlich ertüchtigt, sondern auch zum Zionismus erzogen. Trotz aller dieser grossen Erfolge blieb Siegbert immer der liebenswürdige und bescheidene Kamerad mit viel Humor. Als Kattowitz polnisch winde, verliess er seine Heimatstadt. Der Kontakt zwischen ihm und seinen Freunden riss nie ab, und als er mit seiner lb. Frau Herta zweimal das Land besuchte, wurde er von seinen Freunden aufs herzlichste empfangen. Wer das Glück hatte, mit Siegbert befreundet zu sein, wird ihn nie vergessen. Sein Freund und Schüler MAX KOCHMANN, Haifa, Wegwood Ave. 12 ISRAEL WIR KONDOLIEREN: Familie LANDSBERGER, Haifa, Hanassi Ave. 128, zum Hinscheiden von HANS LANDSBERGER. Der gebürtige Breslauer hat im Haifaer “Forumkreis” und in seiner Zeitschrift “Israel - Forum” aussergewöhnliches zur Verständigung mit der Bundes-Republik, getan. Seine unermüdliche kulturelle Arbeit, seine Fuelle von Vorträgen, die er dem deutschsprachigen Publikum durch Auswahl besonderer Redner, seine Ausflüge in Israel und auch nach dem Ausland, bleiben unvergessen. Die alte Generation der Einwanderer aus Mittel-Europa in Haifa, hat einen ausserordentlich schweren Verlust erlitten. Frau MARCELL MATZNER, Tel-Aviv, Rothschild Blvd. 51, zum Ableben ihres Mannes JULIUS MATZNER, in Mährisch - Ostrau geboren, war er u.a. in der bekannten Mohren- Apotheke, Breslau, Blücherplatz, als Apotheker, tätig. Nach seiner Einwanderung im Jahre 1939, gründete er eine Herstellung von Salben,. Parfümerie und Schönheitsmitteln. Sein aussergewöhnlicher Humor, seine positive Lebenseinstellung, seine Klugheit, halfen ihm in den schweren Einwan^ derungsjahren. Seine Gattin geb. in Bagdad, auf fallend schön in ihrem Äusseren, war ihm bis zuletzt treue Helferin und Kameradin. Sie führt das Werk ihres Mannes in seinem Sinne fort.

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