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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1976-09-01 · No. 40 (September 1976) · p. Seite 23

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1976
Issue
No. 40 (September 1976)
Date
1976-09-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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CENTRA GEMEINSCHAFT JÜDISCHER GEMEINDEN IN LATEIN -AMERIKA Es war Im Sommer 1967, kurz vor dem Sechs- Tage-Krieg, als Wolfgang Siebner aus Sao Paulo zum ersten Mal wieder deutschen Boden betrat. Damals holte ich den geborenen Breslauer am Bonner Flughafen ab. Mit sieben Jahren war er mit seinen Eltern aus Deutschland nach Brasilien gegangen. Trotz seiner damaligen Jugend war ihm die Schwere jener Zeit auf seinem Gesicht abzulesen, an seinen Fragen, die er stellte, an seinen Bemerkungen zum Zeitgeschehen. Seine Wertungen und Sorgen waren andere als jene, die man empfindet, wenn man die ganze Zeit des Dritten Reiches in Deutschland lebte, überlebt hat und den ganzen Neuaufbau unseres freien Deutschlands kennt. Ein Jahr später holte mich Wolfgang Siebner auf dem Flugplatz von Sao Paulo ab. Ich war auf einer Vortragsreise durch Latein-Amerika und sollte auch vor der dortigen jüdischen Gemeinde sprechen, die von deutschen Juden gegründet worden war. Siebner brachte mir die Nachricht, dass einer der prominenten jüdischen Mitglieder Einspruch gegen meinen geplanten Vortrag geltend gemacht habe, dass er aber in seinem Haus rund 100 Personen eingelanden habe. Es war ein sehr lebendiger Abend mit vielen Fragen und Antworten auf die offenen Probleme zwischen Deutschen und Juden, mit viel Freundschaft und dem WUlen der Verbesserung der Kontakte. “Heute wäre das bereits ganz anders”, sagte mir Wolfgang Siebner vor einigen Wochen, als wir uns in Davos trafen, um die Gespräche persönlich fortzusetzen. Heute ist Wolf gang Siebner Präsident der Centra, jener Organisation, die die jüdischen Gemeinden in Latein-Amerika zusammenfassen will. Seit drei Jahren ist Siebner ihr Präsident. "Diese Gemeinschaft ist durch die deutschen Juden entstanden, die durch die Vertreibung aus ihrer Heimat hierher kamen. Sie wollten hier ihr gewohntes Gemeindeleben weiterführen. So entstand die Centra als eine Dachorganisation der deutsch-jüdischen Gemeinden auf unserem Kontinent. Es gibt diese Gruppen in allen wichtigen Städten Neben Sao Paulo in Rio de Janeiro, Belo Horizonte, Porto Alegre und ausserhalb Brasiliens auch dort, wo sich grössere Gruppen deutscher Juden zusammenfanden wie in Montevideo, Asuncion in Paraguay , Santiago de Chile, Lima und nicht zuletzt in Buenos Aires, wo es mehrere grosse jüdische Gemeinden gibt, die einen deutschen Ursprung haben. Das war aber nur der Ursprung. Heute gibt es in unserer Organisation in Sao Paulo über 10% Jugendliche. Das ist etwas besonderes. Die Ursache hierfür liegt wohl darin begründet, dass diese Gemeinden eine besondere Sprache für die Darstellung der jüdischen Religion gefunden haben, für den religiösen Ausdruck der unserer Zeit entspricht. Diese moderne religiöse Sprache basiert auf dem liberalen Judentum, wie es in Deutschland gelehrt wurde. So ist die Centra heute nicht mehr die Dachorganisation der deutsch-jüdischen Gemeinden in unserem Kontinent, denn es existieren heute keine rein deutsch-jüdischen Gemeinden mehr bei uns”. Ich fragte Wolfgang Siebner, ob die Centra denn der einzige Zusammenhalt der jüdischen Gemeinden in Latein-Amerika sei. Es gäbe auch andere jüdische Zentralorganisationen, aber die Centra habe eben etwas Spezifisches wie er es schon erwähnt habe, meinte er. “Die Centra hat ein neues Zentrum für das jüdische Gemeindeleben in Latein-Amerika gelegt. Ich will nicht so grosspurig sein und sagen, dass sie es geschaffen hat, aber sie versucht es zu schaffen”. Die Centra steht nicht allein. Sie ist eine kontinentale, regionale Organisation, die Teil des World Jewish-Congress, einer lateinamerikanischen Organisation, ist. Sie wird aus eigenen Mitteln der Gemeinden finanziert, was bei der wirtschaftlichen Lage der einzelnen Staaten sicherlich nicht leicht ist. Zu einem anderen Teil erhält sie Zuschüsse aus der Memorial Foundation des World Jewish Congress und ausserdem Hilfe von der Jewish Agency. Wolfgang Siebner wird in diesen Wochen wieder zu einer Reise um den ganzen Kontinent starten, um die Arbeit der Centra zu aktivieren und neue Kontakte mit anderen Gemeinden aufzunehmen, die Organisation zu erweitern. Bis heute gibt es 35.000 Mitglieder. Ein besonderes Arbeitsgebiet für die Centra ist das Judentum in Chile. Zur Zeit Allendes verliessen grosse Teüe der dortigen jüdischen Gemeinschaft das Land. Drei deutsche Rabbiner, die in Santiago wirkten, gingen ebenfalls fort. Aber heute gäbe es dort wieder eine jüdische Gemeinde. In den schwierigsten Zeiten ging ein junger Rabbiner vom Rabbiner Seminar in Buenos Aires nach Santiago. Das wurde möglich, da dieses Seminar in Buenos Aires mit Geldern der Centra und der Jewish-Claims Conference errichtet worden war und nun eben junge idealistische Leute vorhanden sind, die derartige Aufgaben übernehmen. “Was tut die Centra für Israel”?, war meine letzte Frage. “Hier wird besonders in der Jugendarbeit der Gemeinden für Israel gewirkt. Mit vielen Jugendprogrammen werden Jugendliche unterstützt, die für ein oder zwei Monate nach Israel reisen, den jüdischen Staat kennenlernen, vor allem auch in den Siedlungen den Kibbuzim. Siebner ist zuversichtlich, für die Arbeit der Centra und auch für eine Annäherung zur Bundesrepublik Deutschland. Er verfolgt die Probleme mit Deutschland, die Zusammenarbeit Israels mit der Bundesrepublik und Europa mit grossem Interesse und viel Wissen. Auch für die neue Zeitung, die in Brasilien geschaffen wurde, die heute das grösste jüdische Organ ist, spielen diese Fragen eine besondere Rolle. Es war seit 1968 das erste Mal, dass wir uns wieder begegneten, aber es war anders als beim ersten Gespräch 1967, so, als hätten wir uns erst gestern zuletzt gesehen. Deutschland — Berichte, Juni 1976 R. V. 12. Jahrgang Nr. 6. Dr. FRANZ UNIKOWER 75 JAHRE ALT Es ist uns eine Freude, im Rahmen unseres Blattes unserem lb. Mitglied, Dr. Franz Unikower, zu seinem 75ten Geburtstag unsere herzlichsten Glück- und Segenswünsche, auszusprechen. Der Jubilar hat ein bewegtes Leben hinter sich. Als junger Assessor widmete er sich der jüdischen Gemeindearbeit, als Amtsrichter war er beliebt und geachtet. Später liess er sich als Rechtsanwalt nieder, kam 1938 nach Buchenwald und später nach Auschwitz, wo er als Rüstungsarbeiter unter übermenschlichen Bedingungen überlebte. Seine Erfahrungen kamen den Auschwitz-Opfern zugute. Der Abschluss einer Vereinbarung der Claims Konferenz und den J. G. Farben war sein Werk. Nach erfolgreicher Tätigkeit bei der URO in Frankfurt a/Main liess er sich dort als Anwalt nieder und arbeitet noch heute. Er widmet sich vor allem den wichtigen Aufgaben des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Hessen. Der Bundes-Präsident hat ihn vor mehreren Jahren mit dem Grossen Verdienstkreuz geehrt, ebenso die Universität in Köln mit dem Goldenen Doktor- Diplom. Wir wünschen unserem lieben Dr. Franz Unikower noch viele, viele Jahre der Schaffenskraft im Kreise seiner lb. Familie zum Besten der jüdischen Gemeinschaft. Verband ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel Pinchas-Synagoge in Breslau Die Pinchas-Schul war in der Passage des Hauses Breslau, Höfchenstrasse 84 und hier fand täglich morgens und abends der G”ttesdienst statt dessen TeUnehmer aus den an die Kaiser-Wilhelm, Höfchen-, Viktoria-, und Goethe-Strasse angrenzenden Stadtvierteln kamen. Diese Schul war aus dem von Rabb. Pinchas Neustadt in der Moritzstrasse gegründeten Privat- Minjan (schon seit dem 19.ten Jahrhundert existierend), hervorgegangen und wurde jahrzehntelang von Rabbi. Dr. Binetter, betreut, der hier vorlernte, predigte und die Barmizwa Vorbereitungen leitete (neben weiteren Funktionen). Ihre Mitglieder setzten sich aus fast allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung zusammen, (was besonders an den hohen Feiertagen zum Ausdruck kam), die in der Pinchas-Schul jederzeit ein geschmackvolles und anmm sprechendes Bethaus fanden, mit ästetischem Rahmen und harmonischer fast familiärer Atmosphäre. Vorsitzender war seit ihrer Gründung (in den 20er Jahren) mein verstorb. Vater, Dr. Seew W. Freyhan s.A., und als Gabbaim assistierten jahrelang die Herren W. Preuss und Ludwig Kornblum s.A. Als Chasanim fungierten u.a.: Dr. Raphael Gluskinos s.A., Herr Iwan Möller s.A., Herr Salo Sklarz s.A., Herr Amandus Czolazk s.A., Herr Detmar Gluskinus s.A. Unter den Betern ist vor allem der bekannte Gelehrte und frühere Bibliothekar der National-Bibliothek in Israel zu nennen: Dr. Daniel Goldschmidt s.A. (Jerusalem), und als einer der letzten Beter der bekannte Arzt: Dr. Erich Sgaller, der mit seiner Famüie in Auschwitz umkam. In den letzten Jahren amtierte hier noch der begabte Rabb.-Kandidat, Dr. Ernst Hoff mann. Nach der berüchtigten Kristallnacht, von der leider auch unsere Pinchas-Schul betroffen wurde, gelang es den Jungen der Familie Kurt Schneller und Martin Friedländer s.A. (die auch zu den aktiven Mitgliedern gehörten), unter grosser Lebensgefahr die Sifre Thora aus dem völlig demolierten Bethaus zu retten und später nach Israel zu bringen. (Einzelheiten darüber sind in einem ausführlichen Brief nachzulesen, der sich im Besitze meiner Mutter, Frau Fanny Freyhan, befindet) . Möge ihnen und ihren Nachkommen dieses seltene Verdienst immer zum Segen gereichen. David Pri-Chen (Theodor Freyhan) Kfar Maimon, Israel. Dr. Walter Goldstein, Jerusalem, Beth Hakeretn, Bialikstrasse 18 gibt noch einige Exemplare für unsere Mitglieder 'seines Buches: 1000 JAHRE BRESLAU zum ermässigten Preis von 60.— IL, ab. Der Preis im Ausland beträgt: 9 $ oder DM 29.80. Das Buch ist als Standardwerk zu bewerten. 23

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