Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1976
- Issue
- No. 40 (September 1976)
- Date
- 1976-09-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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SUDPARK-XONZERTE ANSPRACHE GEHALTEN AM 8. APRIL 1976 BEIM BANKETT ZUR FEIER DES SIEBZIGSTEN GEBURTSTAG VON Dr. PETER FREUND, Jerusalem lieber Dr. Peter Freund, meine Damen, meine Herren, gestatten Sie mir, einen Augenblick von dem Dr. Peter Freund zu reden, der halb so alt war wie heut, also 35 Jahre. Ach, das war eine schlimme Zeit dieses Jahr 1941. Der zweite Weltkrieg war auf der Höhe: die Deutschen herrschten von der Wolga bis zum Atlantik und vom Nordkap bis zur Sahara. Das war eine Ländermasse, wie sie weder Alexander der Grosse, noch Karl V. von Habsburg, in dessen Ländern die Sonne nicht unterging, noch Napoleon I. jemals beherrscht hatte. Keine Macht der Erde schien diese Armeen aufhalten zu können. Für uns Juden in Erez Israel und glücklicherweise auch für England war das Schlimmste und Gefährlichste der Kampf an der Nordküste Afrikas, der ewig unentschieden hin und her schwankte zwischen dem Afrikakorps des General Rommel und der Imperialarmee. Endlich gelang es Rommel, bis vor die Tore Ägyptens vorzudringen. Hier hielten ihn die Engländer auf. Will sagen: die Australier, die Kanadier, die Südafrikaner und die Neger aus dem Basutolande, die während ihres Urlaubs alle in der Etappenstadt Jerusalem herumschwirrten. England machte diese grosse Anstrengung nicht etwa aus sorgender Liebe um das Schicksal der Juden im Mandatslande Palästina, sondern aus Angst um ihre lifeline, ihre Lebenslinie nach Indien. Denn wäre Rommel damals hier durchgebrochen, dann hätte er zunächst einen seiner Offiziere zum Gouverneur von Aegypten eingesetzt: der Herr hiess Sadat. Dann aber wäre er nach Norden weiter marschiert, und dann war es mit Beidem vorbei: mit Indien und mit den Juden in Erez Israel. Nach der Schlacht von El Alamein sind die Pläne zu unserer Vernichtung aufgefunden worden; sie werden dem Hitleroffizier Sadat auch heute noch wohlbekannt sein. — Ja, das war eine Zeit der Sorgen und Aengste. Sie hatten, nämlich nichts zu essen; die Rationen der Zivilbevölkerung waren ganz unzulänglich, und gar kein Geld, Geteiltes Leid ist halbes Leid. Zu diesen Sorgen allgemeiner Art kam hinzu die Seelennot von uns deutschsprachigen Schriftstellern: wir hatten allen Grund zu der Annahme, mit unserer Kunst am Ende zu sein. Die Bücher, die wir erfolgreich in Deutschland veröffentlicht hatten, waren verbrannt worden und existierten nicht mehr; hier im Lande gab es selbstverständlich keine Publikationsmöglichkeiten für deutsche Bücher: es fehlte an Geld, es fehlte an Interesse, es fehlte an allem. Wer hätte ahnen können, dass dasselbe Volk, das unsere Bücher 1934 verbrannt hatte, sie vierzig Jahre später neu herausgeben würde; ein solcher Gedanke wäre einem wie Verrücktheit erschienen. Martin Buber, mit dem damals meine jahrzehntelange Freundschaft begann, hatte, sie vierzig Jahre später neu herausgeben druck: Katakombenexistenz. Und tatsächlich lebten wir ja wie unter der Erde, wie Underground. Meine Damen, meine Herren, so kritisch war die Situation, so hoffnungslos die Lage, als der junge Rabbiner Dr. Peter Freund mit der sonderlichen Idee eines Vervielfältigungsverlages hervortrat. Wir waren alle keine greenhorns mehr, wir hatten, wie gesagt, unsre literarischen Erfahrungen hinter uns. Wir sahen daher sogleich, dass seinen Produkten der Stempel der Kurzlebigkeit anhaftete: dieses Papier würde bald vergilben, und die winzige Auflage keine Durchschlagskraft haben. Und trotz alledem und alledem war sein Tun für uns eine wahre Erlösung: denn das war ja weit mehr als bloss die Publikation kleiner Schriften oder Gedichtsammlungen. Das war ein Anruf: “al tephached”, fürchte dich nicht, es gibt einen Ausgang aus der Katakombe, ihr seid noch nicht am Ende Eures geistigen Seins, Ihr seid noch nicht am Ende Eurer literarischen Sendung. Und durch diesen Anruf hat Dr. Peter Freund uns neuen Lebensmut gegeben und neuen Glauben an eine neue geistige Zukunft. — Fortes fortuna adiuvat, die Mutigen unterstützt das Glück: die Siege des Jahres 1942/3 im Süden bei El Alamein, im Norden bei Stalingrad haben das Gesicht des zweiten Weltkrieges völlig verändert und dadurch dem Optimismus v. Dr. P. Freund recht gegeben. Wenn später die eine oder andere seiner Arbeiten gedruckt neu erschien und in dieser Form an die entscheidenden Stellen in Europa gelangte, so ist das leztlich sein Verdienst; denn er hat als ein weiter Bula Matari, ein Felsenbrecher, die Wände unserer Katakombe gesprengt und uns einen Weg in die geistige Freiheit gezeigt und dafür sind wir ihm allezeit herzlich dankbar gewesen. Es ist eine kleine Schrifterschienen, die dieses Verdienst von Dr. Peter Freund würdigt, aber wenn jemals die Geschichte der deutschen Alijah geschrieben werden sollte, dann müsste der Name von Dr. Peter Freund in goldenen Lettern darin prangen; denn er hat wahrlich Grosses für uns deutschsprachige Schriftsteller getan. — Auch heute noch ist er eifrig bemüht, Schriften, die ohne ihn im Schreibtisch verkommen würden, unter die Leser zu bringen. So bitte ich Sie, Ihr Glas auf das Wohl von Dr. Peter Freund zu leeren, auf dass er noch viele, viele Jahre seiner nutzbringenden u. dankenswerten Arbeit nachgeben möge, auf dass er gesund, u. rüstig leben möge ad mea we esrim. Lieber Dr. Peter Freund, ich gratuliere Ihnen dazu, dass Sie heut erst 70 Jahre jung sind. O, wonnevolle Jugendzeit; schön ist die Jugend; darum geniessen Sie diese Tage der Rosen; denn man hat nur einmal seine 70 Jahre. Nein, meine Herrschaften, lachen Sie nicht: das ist kein Witz, das ist leider bittere Wahrheit. Darum gratuliere ich Ihnen, lieber Dr. Freund, u. allen denen, d. gleich Ihnen am heutigen Tage 70 Jahre Jung sind. WALTER B. GOLDSTEIN, Jerusalem AKTUELLE LITERATUR Onkel Oskar wollt’ für seine Nichte jüngst ein Buch erstehen; Möglichst aktuellen Inhalts, aus dem jüngsten Zeitgeschehen. Deutlich stellt er zur Bedinung, dass das Werk geeignet sei Für ein tugendsames Mädchen, also sittlich einwandfrei: Ohne Kriminalitäten ohne Sexualitäten, . Auch Abnormes wie Brutales und Perverses ist verbeten! Der Verkäufer zuckt die Achseln: “Da ist schwerlich was zu finden, Denn die heutigen Autoren wühlen gerad’ in solchen Sünden. Soll das Buch recht aktuell sein, frei von sittlichen Bedenken, Können Sie dem braven Mädchen nur den Sommerfahrplan schenken!” Dr. ALBERT BITTER, Gelsenkirchen IALLE NEUERSCHEINUNGEN LIEFERT j LANDSBERGER j TEL-AVIV, BEN JEHUDASTR. 9. | TEL. 5 6 3 3 0 \ SPEZIALABTEILUNG FÜR DEUTSCHES ' ANTIQUARIAT j I AN- UND VERKAUF j I ZU GÜNSTIGEN PREISEN j DER BRESLAUER PHILHARMONIKER Von den Südparkkonzerten sei hier kurz berichtet, die im Sommer jeweils Mittwoch u. Sonnabend-Abend in den von unseren Kreisen wohl bevorzugtem Park, resp. in dessen Gaststätte, der Landsberg-Terrase, stattfanden. Schon am Ring waren die Wagen der Strassenbahnlinie 2 überbesetzt und es fuhren an Jenen Tagen ab 6 Uhr Einlegewagen. Ein wogender Menschenstrom trieb zu Fuss die Kaiser Wilhelmstrasse in gleicher Richtung zur Südpark-Gaststätte, wo eine unübersehbare Reihe von Tischen vor dem Konzertpodium von unseren Musikliebhabern besetzt war. Nur vor Beginn des Konzertes und ln den Pausen klapperten Teller und Gläser und man unterhielt sich schwatzend und lachend. Während der Musikvorträge war alles mucksmäuschen still und kein Kellner hätte gewagt, die Musikandacht zu stören. Buntfarbige Lampions wiegen sich auf den Ruderbooten auf dem Südparkteich, auch hier munteres Treiben, alle Kähne sind unterwegs und zahlreiche Pärchen durchstreifen den nahen Park in den Pausen. Das Konzert beginnt. Es ist wahrlich keine Biergartenmusik, die hier erklingt. Nein, Kapellmeister Herrmann BEHR bietet mit seinem beliebten Orchester quasi einen musikgeschichtlichen Überblick über Symphonie, Suite, Instrumentalkonzerte, Ouvertueren, Programm- und Balletmusik. Er bringt uns die Meister unseres Kulturkreises, musikalisch wieder nahe. Oft hörte man dort die 3 grossen “B”, Bach, Beethoven, Brahms. Die 3 grossen “S” also: Schubert, Schumann, Strauss, (Richard) fehlten nicht und die 3 grossen “M” also: Mozart, Mendelsohn, Mahler, zierten die Programme. Händel und Haydn waren nicht vergessen. Man soll nicht an einem Bach mit einem Haydn (Heiden) Händel haben und nur in einem Violinkonzert sollte es zu einem Bruch kommen — so meine ich! Auch Tschaikowsky wurde gern gehört z.B. seine Nussknacker-Suite mit dem prachtvollen Blumenwalzer. Und seine 6. Symphonie (die Pathetische) geniesst man gern. Natürlich, wissen Sie, lb. Leser, dass darin als Seltenheit, jene Melodie im fünfviertel Takt vorkommt. Welch graziöses Thema mit reizvollen Varianten! Auch Ouvertueren gab es: Verkaufte Braut, Carmen, Figaro, Fledermaus wurden oft zum Anfang eines Konzertteils gespielt, wohin sie auch gehören. Denn sind sie ja eine Art Eröffnungsmusik! Wagner (Siegfried-Idyll, Waldweben, Meistersinger — Vorspiel) und Bruckner waren im Wunsch Programm. Aber dann, ganz zum Schluss, gab es immer einen Walzer von Johann Strauss, im beflügelten Rhythmus dieses Wiener Tanzes, als Gleichnis für eine Apotheose der Freude. — Beglückt vom Musikerleben trat man den Heimweg an, die Melodien noch im Kopfe. — Aber heute wird dort von der Estrade des Südparks kein Mozart mefir erklingen, kein Beethoven und kein Johann Strauss! Vorbei — jenes Erlebnis der Sürparkkonzerte, das Jeden, der dabei war, begeisterte. JULIUS SACHS SUCHANZEIGEN: Gesucht wird GÜNTHER MARKUS früher Breslau Gartenstr. Ecke Theaterstr. geb. 1915 oder 1916 ausgewandert nach Israel im Jahre 1933. Zuschriften an R. Braaf, Haifa, Derech Hajam No. 113. 21