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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1976-09-01 · No. 40 (September 1976) · p. Seite 13

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1976
Issue
No. 40 (September 1976)
Date
1976-09-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Prof, isaak Heinemann s.a. Erinnerung an Ernst Tauber s.A. ZUM ERSTEN JAHRZEITSTAGE Am 28. Juli 1957, dem 29. Tammus, ist in Jerusalem Isaak Heinemann sanft entschlafen. Ein bedeutender Repräsentant des einstigen deutschen Judentums ist mit ihm dahingegangen, und die erste Jahrzeit ist der rechte Augenblick, sein Andenken zu erwecken und zu befestigen. Er war am 5. Juli 1876 in Frankfurt a.M. geboren, der Sohn einer alteingesessenen Familie. Das Institut Heinemann, das sein Vater begründet hatte, ein Mädchenpensionat, war in ganz Deutschland und weit darüber hinaus bekannt. Er genoss von Kindheit an eine gründliche hebräische und jüdische Ausbildung, studierte klassische Philologie und wurde ein bevorzugter Schüler von Ulrich von Wilamowitz-Möllendorf. Nach Abschluss seiner Studien wurde er Lehrer an dem Institut seines Vaters und nachher an höheren Schulen in seiner Vaterstadt. Unausgesetzt verfolgte er seine jüdischen und hellenistischen Studien. Er hat in Gemeinschaft mit Leopold Cohn Philo übersetzt und durch lichtvolle Einleitungen in seine Schriften den grossen jüdischen Philosophen der hellenistischen Epoche der Welt von heute wieder nahe gebracht. Im Jahre 1919 wurde er als Nachfolger von Saul Horovitz an das Jüdisch-Theologische Seminar in Breslau berufen. Dort lehrte er an zwanzig Jahre lang Religionsphilosophie, Midrasch und Homiletik. Er war durch seine natürliche Begabung wie durch seine Entwicklung der berufene Vertreter dieser Disziplinen. Die Probleme der Religionsphilosophie waren ihm. durch unabblässige Versenkung in Fleisch und Blut übergegangen, und dadurch wusste er sie auch seinen Schülern nahezubringen. Er war ein glänzender Redner, der beste Lehrer der künftigen Prediger.' In seiner langen Unterrichtstätigkeit an Schulen hatte er seine natürliche pädagogische Begabung schon lange zur Meisterschaft gesteigert, nun war er der bewunderte Lehrer der Lehrer geworden. Nach dem Tod von Marcus Brann wurde er der Herausgeber der Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums. Seine Frau, die Tochter des unvergessenen Stadtrats Salomon Wiener in Kattowitz, machte sein Haus zu einem Mittelpunkt des jüdischen Lebens. Die Verfolgung der Hitlerzeit hat auch ihn vertrieben, er ist 1939 nach Israel ausgewandert. Dort hat er lange am Lehrerseminar in Jerusalem unterrichtet und die letzten Lebensjahre in stiller Zurückgezogenheit, aber ununterbrochener schöpferischer Forschung verbracht. Das bleibende Denkmal dieser seiner späten Arbeit ist sein grosses, überall anerkanntes und viel zitiertes Werk über Taamei ha Mizwoth, über die Gründe der Mlzwoth in unserem Schrifttum. Seit langem war er ertaubt, doch sein Leiden hat ihn nicht verbittert und nicht vereinsamt, er hat es mit der Inneren Heiterkeit ertragen, mit der er gesegnet war. Aber seine letzten Lebensjahr waren durch Schwäche und Siechtum getrübt, bis ein sanfter Tod ihn im Alter von einundachtzig Jahren hinweggerufen hat. Um ihn dürfen alle trauern, die von ihm gelernt haben, bis zu der Generation von Rabbinern, die er gelehrt hat, unsere Überlieferung zu verstehen. Die Welt, für die er gewirkt hat, ist vernichtet, und seine Schüler sind in alle Winde verstreut. Aber was er ihnen gegeben lebt in ihrem Herzen und in ihrem Denken und kann in künftigen Geschlechtern weiter wirken. Rabbi Dr. M. ESCHELBACHER In Folgendem erlauben wir uns aus den umfangreichen Erinnerungen des Herrn Dr. WALTER B. GOLDSTEIN, Jerusalem, der ein persönlicher Freund unseres 1. Vorsitzenden, des heimgegangenen Ernst Tauber, war, Auszüge zu veröffentlichen. Der Herzlclub in Breslau war 1933 bei Ausbruch des dritten Reiches nur klein: Er bestand aus uns drei ehemaligen Schulgefährten vom Real-Gymnasium am Zwinger, Walter Danziger, meinem zionistischen Paten, Egon Hoffmann, (sie ruhen beide in Israels Erde) und mir. Ferner erinnere ich mich an Walter Samosch, Ahron Calvary und Lutz Löwenberg, sowie Georg Fränkel und last not least, Ernst Tauber. Diese kleine Zahl war nicht verwunderlich, bestand doch die zionistische «US?«•: ■ mi Ortsgruppe in Breslau um jene Zeit aus etlichen 120 Juden bei einer Gemeinde von 18—20.000 Seelen. Ernst Tauber war damals noch jung. Er war 1896 geboren und zwar am gleichen 19. Mai, wie ich selbst, nur eben drei Jahre später. Er war mit Friedei Ehrlich verheiratet, einer reizenden, jungen Frau, die von glühendem Zionismus beseelt war. Aus dieser Ehe entsprossen zwei Kinder, der heutige Gerschon Tabor, der im Aufträge der Regierung in den verschiedensten Ländern des fernen Ostens, auf dem Gebiet der Landwirtschaft Instruktur und Berater ist, und einer Tochter Eva, die im Befreiungskrieg 1948, fiel. Friedei Ehrlich ist leider in jungen Jahren gestorben und hinterliess den Gatten mit zwei kleinen Kindern. Trotz angestrengter Arbeit als Kaufmann übernahm er im Vorstand der jüdischen Gemeinde Breslau ehrenamtlich das Kulturdezernat für Wohltätigkeit und Sozialhilfe, wo er viel Gutes tat. Er war sehr erfolgreich und sein warmes jüdisches Herz veranlasste ihn, zu raten und zu helfen. Seine zweite Frau Frau Vally geb. Feilchenfeld, war eine gute Hausfrau, sorgte für die Kinder und gebar ihm den Sohn Eli, der in jeder Weise erfolgreich ist. Im Rahmen der Mittelstands-Siedlung Beth Jitzchak, zu deren Gründern Ernst Tauber gehörte, hatte er in seiner Frau Vally eine vorbildliche Helferin, die gemeinsam mit ihm aus duerrem Boden blühendes Land schuf. Viel Kraft körperlicher und seelischer Art, viel Mühe u. Anstrengungen waren nötig, um vorwärts zu kommen. Bei all dem war Ernst Tauber eine Persönlichkeit, die es verstand, gute Beziehungen zu Engländern und Arabern zu haben, der Siedlung zu grösstem Nutzen. v Nach vielen Jahren gemeinsamen Aufbaus verlor er leider auch seine zweite Frau Vally, aber er hat sich trotz schwerer Schicksalsschläge durch seinen Optimismus auf der Höhe gehalten. Hier sei die Hilfe von Frau Adler unvergessen, die ihn bis in die letzten Tage hinein nicht verliess. Als sich die ersten Anzeichen des Alterns bemerkbar machten, trotzdem seine körperliche Konstitution ausgezeichnet war, ging er in die Pension Braun nach Nathania, wo er ausgezeichnet betreut wurde und alle ihn schätzten. Gern hat er Besuch empfangen und freute sich, wenn man mit ihm sprach. Er war ein guter Vater, Grossvater und Familienmensch im wahrsten Sinne des Wortes. Bei seiner Beisetzung empfand man die grosse Beliebtheit und die Achtung, die der Heimgegangene genoss. Es ist mir leid um meinen Bruder Jonathan... Nachbemerkung: Erich Lewin, der Sekretär des Verbandes ehemaliger Breslauer sprach bei der Beisetzung warme Worte des Abschieds und zeichnete in bewegten Worten das Leben dieses teuren Verstorbenen. Er wird bei Allen, die ihn kannten, unvergessen bleiben. Tief betrauere ich den Tod meines lb. Freundes und Herzl-Club-Bruders ERNST TAUBER vormals im Vorstand der Jüdischen Gemeinde-Vertretung, Breslau, Dezernat für Wohltätigkeit und Sozialhilfe. Vorstand des Verbandes ehemaliger Breslauer in Israel. Ernst Tauber war einer der wertvollsten Menschen, die mir im Leben begegnet sind und hatte Leid zu tragen, wie Hiob. Möge ihm im Gan Eden vergolten werden, was er auf Erden Gutes getan. Jerusalem, 15.6.76. WALTER B. GOLDSTEIN WIR GRATULIEREN: HELLMUT und RELLY FEIGE, Ramat Chen, Sderoth ben Zwi 1, zur Barmizwa ihres Sohnes Raz. Der Grossvater des Bar Mizwa, Dr. Rudolf Feige, war Direktor des Observatoriums in Krieter'n bei Breslau. Dr. Feige hat nach seiner Einwanderung in Palästina das Wissen von der Meterologie ins Land gebracht. Er hat ebenso die ersten Segel- Flugzeuge ins Leben gerufen und war der erste Leiter des jetzigen, grossen Ben Gurion Flughafens in Lod. Er ist leider im Befreiungskrieg im Jahre 1948 In Jerusalem gefallen. * Herrn GABRIEL GABRIEL! (Grzebinasch) Ramat Chen, zur Ernennung zum Konsul des Staates Israel in Zürich (Schweiz). •¥■ In Nr. 39 auf Seite 12 haben wir “Gedichte aus der Zeit 1939 — 45” von Stanislaw Wygodzki gebracht, die uns Frau Else Levi - Mühsam aus Konstanz übersandte. Diese Gedichte, bezw. in Prosa gehaltene Artikel sind erschienen und zu haben, bei: Arno Lubos, Geschichte der Literatur Schlesiens, Band III. Bergstadt Verlag. W. G. Korn, München — Pasing, 1974. 13

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