Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1976
- Issue
- No. 40 (September 1976)
- Date
- 1976-09-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Meine Arbeit für die Blinden in Israel 0000000 00 0Q0P000000PP0 OOP PPOQPQQQOQPQOQSQOOOgQBSS S_B 08B080QP JJLSLSLSiSLSlJLSiSLJlJLSLSLSLSJLSLSLSLSJi Mn grosses Feld hat sich in Israel im Rahmen der Blindenarbeit auf getan. Diese, so wichtige Aufgabe wird neben beamteten Personen in grossem Umfang von freiwilligen Helfern geleistet. Gerade in Natania ist eine Blinden-Bibliothek, deren Grundlage seinerzeit der bereits in unserem Blatt genannte blinde Doktor Ludwig Cohn s.A. aus Breslau stammend, geschaffen hat. Wir bringen heute aus Tel-Aviv eine Schilderung, die absolut keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat, sondern nur ein Ausschnitt der vielseitigen Arbeit zeigt. Frau Erni Golschmidt geb. Stern, aus Kassel, ist im Jahre 1938 mit ihrem Gatten, dem bekannten Arzt, Dr. Salo Goldschmidt, nach Tel-Aviv eingewandert. Sie hat mit starker Energie in der Praxis ihres Mannes geholfen und sich trotz grösster Arbeitsüberlastung, immer frei gemacht, um ehrenamtlich die Blinden in Jaffa zu betreuen. Nach dem Ableben ihres Mannes widmet sich Ernie Goldschmidt mehrmals wöchentlich dieser Arbeit und hat die grosse Gabe, Artikel zu schreiben, Vorträge zu halten und aus dem Handgelenk Gedichte von Niveau zu schaffen. Ihr Prinzip ist Freude und Lebensmut den vom Schicksal geschlagenen zu geben. Ihr Sohn ist ein bekannter Psychiater und Neurologe und auch künstlerisch begabt. In folgendem bringen wir den Artikel von Frau G., sowie einige Gedichte: Ich möchte vorausschicken, dass ich in Deutschland mit ca. 20 Jahren schon Sozialarbeit geleistet habe, und zwar bei der Wizo. Unsere Hauptarbeit bestand darin, Mädels auszustatten, d. als Chaluzoth nach Palästina gingen. Hier war ich auch wieder Mitglied der Wizo, aber wegen meines mangelhaften Ivrit hatte ich keinen Mut zur Arbeit. Aber ohne Arbeit konnte ich auch nicht sein. In unserer modernen Zeit sind wir Frauen nicht mehr versklavt und nur an den Kochtopf gebunden. Im Laufe der Epoche haben sich die eifersüchtigen Männer daran gewöhnen müssen dass die (Fortsetzung von Seite 5) seren Zustand sah, ein Schlafwagenabteil und so gelangten wir am 2. November 1915 nach Berlin. Damit endet der erste Teil unserer Siedlung in Erez Israel; Die Zeit, die wir in Erez Israel verbrachten, war leider, verursacht durch die politischne Verhältnisse, relativ kurz. Unser Idealismus war aber nicht erloschen u. im April 1932 wanderten wir ein zweites Mal, dieses Mal bereits mit unser Familie, die sich auf vier Kinder vergrössert hatte, in Erez Israel ein und siedelten uns in Kfar Saba an, wo wir ebenfalls einen Meshek aufhauten. Es ist unnötig zu sagen, dass unsere erste Siedlung in Merchavia mit gewaltigen Geldverlusten verbunden war, denn wir konnten das Grundstück im Jahre 1917 nur für sehr geringes Geld verkaufen. Eine Genugtuung ist mir, dass der Pfefferbaum, den mein Mann im Jahre 1913 pflanzte, noch heute in seiner ganzen Schatten spendenden Pracht besteht. Ebenso wurde auf dem* Fundament des Hühenerstalls ein Getreidesilo gebaut, der heute noch existiert. LEONIE KAMINSKI Anmerkung der Redaktion: Es ist interessant zu vermerken dass die Verfasserin des Artikels, Frau Leonie Kaminski, eine Urgrossnichte von Heinrich Heine, Urenkelin von Heines Schwester Charlotte ist. Frauen sich in ihrem Kampf durchgesetzt haben, in wichtigen und leitenden Stellungen fungieren. Und wie man in Deutsch zu sagen pflegt: sie stellen ihren Mann. Wir brauchen nicht weit zu gehen. Wir erlebten in unseren Tagen die glorreiche Amtszeit unserer Exministerpräsidentin Golda Meir. Sie wird in die Geschichte eingehen, und die Geschichte wird beweisen, dass sie die grösste Frau des Weltgeschehen unserer Zeit war und was sie für das jüdische Volk getan hat. So gibt es nun viele Frauen, die Grosses leisten und wichtige Funktionen ausüben, aber nicht in das Rampenlicht treten und doch müssen wir ihnen dankbar sein. Damit komme ich zu meinem eigentlichen Thema, über die Blindeninstitution zu sprechen. Das Office und die Arbeitsstätte ist in Tel-Aviv in der Aliya Street. Die Leiterin dort ist Frau Grünfeld, die in grosser Ergebenheit und mit rührendem Zugang zu den blinden Menschen Einfühlung hat. Dort webt man nach schwedischem Muster wunderbare Tischdecken, Teppiche, Strohmatten, flechtet Körbe und immer wieder stellt sie sich neue Aufgaben. Sie ist auch kaufmännisch begabt, ich habe schon zugeschaut und zugehört, wie tüchtig sie im Verkauf ist und trotzdem sie selbst sehbehindert ist, hat sie ihre Augen überall. Man kommt mit allen Problemen auch zu ihr. Man hat dort auch eine sehr nette Sekretärin, denn wenn man auch für Geld dort arbeitet, gehört ein Mass von Liebe zu dem Beruf, Selbstverständlich werden die Blinden für ihre Arbeit bezahlt. Sie müssten sehen, wie geschickt die Frauen oder Mädchen an den Webstühlen sitzen. Sie wissen sicher genau wie ich aus ihrer Jugend, dass die Blinden in der Familie und meistens im Hause beinahe versteckt gehalten wurden. G.s.D. hat die moderne Zeit, die Entwicklung sie auch zu nützlichen Menschen gemacht. Ich selbst bin durch die Bialik Loge zu meiner Arbeit gekommen. Mein Mann war Arzt. Obwohl Ich ihm Tag und Nacht zur Seite stand und helfen musste, konnte ich nicht ohne eine soziale Aufgabe leben. Mein Haus war immer voll von Patienten und Gästen, aber an einem Nachmittag in der Woche nahm ich mir eine Vertretung. Mir teilte man die Arbeit am Nachmittag zu, eben im Moadon in Jaffa. Als mich eine Logenschwester das erste Mal dorthin brachte habe ich nicht geglaubt, dass ich mich überwinden u. gewöhnen könnte, diese Arbeit zu leisten. In den ersten Jahren waren noch die Arbeitsräume und die Unterhaltungsräume am Nachmittag die Gleichen. So musste man erst kehren und das mindeste saubermachen, bis die Menschen zur Unterhaltung für ein paar Stunden zu uns kamen. Wieviele Male habe ich im Anfang vor der Haustüre gestanden bis ich den Mut fand, hinaufzugehen. Es sind sehr schöne grosse luftige Räume. Eine kleine Küche mit Frigidaire, Gasofen, wo ich seit nun 17 Jahren Kaffee oder Tee oder kalte Getränke vorbereite. Man liebt meine stets selbstgebackenen Kuchen, so habe ich mit der Zeit das Misstrauen dieserarmen Seelen gebrochen, und ich selbst Liebe zu ihnen gewonnen. Es ist mit mir zusammen noch eine gütige sehr kluge Frau, eine Angestellte, die Briefe für sie schreibt, sogar Liebesbriefe und sie versteht auch wunderbar die Menschen, die oft auch müde von ihrer Arbeit kommen. Sehr viele sind Telefonoperater. Man spielt mit ihnen Domino oder auch Mühle. Im Sommer, wenn man auf dem riesigen Dach der Wohnung sein kann, kommt man mit ganzen Familien, denn die meisten sind verheiratet und haben Kinder. Für ein bischen Liebe und Entgegenkommen sind sie sehr dankbar. Man hat mir so Angst gemacht, als ich diese Aufgabe übernahm, dass die Menschen kein Benehmen hätten u.s.w. Mich hat das Leben gelehrt: wie es im Wald reinschallt, schallt es wieder heraus. Noch nie habe ich eine Ungezogenheit erlebt, im Gegenteil speziell d. Frauen, benschen mich beinahe, u. den ganz Jüngeren muss ich erzählen, dass ich längst eine Safta bin. Mein Ivrit verbessert man oft, Kämpfe mit ata und at, ich behaupte noch immer mein Küchenivrit, aber sehr viel spreche ich auch Französisch. Oft nehme ich einen Burschen zurück mit in die Stadt. Schnell machte ich noch eine Besorgung in einem Delikatesgeschäft, sagte er zu dem Inhaber: du, die kann kein Ivrit, erst muss sie es mir sagen. Wir haben so lachen müssen. Heute gehe ich mindestens zweimal in der Woche; und kein Kaffeeklatsch und nichts hält mich so leicht zurück, meine Liebe, die den Leuten gehört, im Stich zu lassen. Man ruft mich Ruth und wenn es wirklich mal passiert, dass ich nicht komme, fragt man mich das nächste Mal gleich, was gewesen wäre. Sie haben auch grossen Anteil genommen, als im letzten Lebensjahr mein Mann sehr krank war. — Einmal in der Woche kommt eine ganz junge Lehrerin, die in Japan den Beruf studiert hat, den absolut blinden Menschen, Keramik zu lehren. Wenn ich es nicht selbst erleben und mit eignen Augen sehen würde, wäre es mir unbegreiflich, was jüngere und auch ältere für schöne Sachen herstellen. Es wird aus einer Masse geformt und die Lehrerin nimmt es mit nach Hause und brennt eine Glasur darüber. Das Gefühl und die Geschicklichkeit sind unglaublich. Man macht ja heute auch Ausflüge mit ihnen und sie haben grosse Freude. Meine grosse Befriedigung ist, dass sie nicht mehr zu den Ausgestossenen der Menschheit gehören. Zum Abschluss trage ich ihnen noch ein selbstverfasstes Gedicht vor, das ich Sinem Spender übergeben habe, dem ich nach einer Debatte von der Wichtigkeit unserer Arbeit überzeugt habe. (Fortsetzung auf Seite 7) STATIONERY — BOOKSELLER JOSEF FREYHAN formerly Dr. Wilhelm Freyhan 63431 Tel-Aviv, Ben Jehudastr. 60 empfiehlt: Lehrbücher, Lehrmittel NEUESTE LANDKARTEN IN ALLEN MASSTAEBEN Spezial-Abteil.: Israel Reiseführer TEL. 280564 PAPIERWAREN ROTKOWITZ | BÜROBEDARF ROTKOWITZ GESCHENKE ROTKOWITZ I ROTKOWITZ Office Equipment and Stationery Tel-Aviv, Rambam Str. 24 Tel. 625420 6