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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1976-09-01 · No. 40 (September 1976) · p. Seite 4

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1976
Issue
No. 40 (September 1976)
Date
1976-09-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Touristen aus Deutschland vor 100 Jahren Sl&lUULOJLSLSUUUULOJULtLajULSUUUUULOJUtSUUUU^^ In Nr. 33 unseres Verbandsblattes vom April 1973 hat RA. Fritz Wolfsohn aus Tel-Ganlm, Gideonstr. 16 (Israel) einen interessanten Artikel jber: Eine Reise von Prof. Heinrich Graetz, aus Breslau, mit Gottschalk Lewy aus Berlin und Ascher Levy, aus Polzin, Pommern, nach Palästina, beschrieben. Im Anschluss daran geben wir heute einen Brief bekannt, dessen Original in gotischer Schrift, sich in den Händen der Familie Levy, befindet. Wir haben diesen Brief in lateinische Buchstaben umgesetzt und geben ihn in Folgendem bekannt: An der Spitze des Briefes sehen wir M. Gottschalk Lewy, Berlin, Französische Strasse 47. Das Datum des Briefes lautet: Berlin, 10. April 1873, Erew Pessach 5633 im übrigen steht, Erew Pessach, mit der Jahreszahl in Iwrit. Inhalt des Briefes: Geehrter Herr Rabbiner! Wenngleich seit einer Reihe von Jahren ausser Beziehung zu einander, erinnern Sie sich vielleicht doch noch meiner, wenn ich Ihnen sage, dass ich früher in Belgard in Pommern, wohnte, ich Sie öfters bei Ihrem Sommeraufenthalt in Kolberg sprach und auch Gelegenheit hatte, Sie hier in Berlin zu sprechen. Wenn nun hiermit meine Vorstellung beendet, so erlaube ich mir gleich dem Grund meines Schreibens näherzutreten. Im Vergangenen Jahre machte ich in Begleitung meines Cousins Ascher Levy aus Polzin, Pommern, in Gemeinschaft mit dem Prof. Graetz aus Breslau, eine Reise nach Palästina. Das Ergebnis unserer Beobachtungen haben wir in einer als Manuscript gedruckten Denkschrift, wovon 2 Exemplare beilege, niederlegt, übrige waren lediglich für das Comitee zur Sammlung von Spenden für Erez Israel bestimmt, um Abhilfe der himmelschreienden Not zu veranlassen. Es ist da vieles zu tun, und wenn wir auch mal viel Angriffe dieserhalb erfahren, so sind doch die Herren, welche die Sache in der Hand haben, schon gezwungen gewesen auf unsere Denkschrift Rücksicht zu nehmen. Wenn wir uns nun aber in Betreff diesere “Spenden für Palästina” lediglich passiv verhalten können, wollen wir doch wenigstens einem Ubelstand activ entgegentreten u. zwar die Lösung d. Waisenproblems. Es gibt in ganz Erez Israel keine Waisen-Erziehungsanstalt und es ist eine Angelegenheit für Jedermann, der nur eine blasse Ahnung von den Dingen hat, was für ein leichtes Spiel dadurch die Missionäre haben, arme, verlassene Kinder in ihre Netze zu ziehen. Ich kann nunmehr in Betreff des Weiteren auf beifolgende autografische Schriftstücke verweisen und will nur noch hinzufügen, dass der verdienstvolle Albert Cohn in Paris die Errichtung von Waisenhäusern in Erez Israel das Heiligste und Wichtigste von allen bis jetzt dort geschaffenen Unternehmungen nennt und die Sache mit seinem gewohnten Eifer unterstützt. Es ist wahr, auch das Unternehmen hat bei den Fanatikern in Galizien — Ungarn und deren Angehörigen in Jerusalem Gegnerschaft gefunden und sie haben den Dr. Hildensheimer dieserhalb aufs Heftigste angegriffen, obgleich dieser selbst zu der orthodoxen Richtung gehört. Derselbe hat, so sehr er auch ferner für die Angelegenheit seine Sympathien zuwendet, es deshalb ratsam gefunden, aus dem Comittee auszutreten. Wir bedauern dies, schreiten aber danach mit vollem Eifer dem uns vorgestellten Ziele entgegen. Wir dürfen uns jedoch nicht verhehlen, dass bedeutende Geldmittel erforderlich sind und dass die Zahl derer, welche sie seit Jahren für das Land unserer Väter, der Nähe unseres Heiligtums spenden, nicht sehr gross ist. Wir möchten Sie deshalb bitten, uns auch von Jenseits des Meeres zu unterstützen, sich an unserem Comittee zu beteiligen und noch sonst einflussreiche Männer in den vereinten Rahmen dafür zu gewinnen. Ihr Herz, was ja stets für Ihre leidenden Brüder geschlagen, fühlt garnicht minder warm für die elend verlassenen im Osten, und ich darf hoffen, dass Sie das im Namen des Comittees an Sie gerichtete Gesuch erfüllen. Wir haben noch einige vorbereitende Schritte, nach deren Erledigung s.G.w. zwischen Pessach und Schawuoth, wir mit den Sammlungen beginnen wollen, ich lege noch ein Manuscript der bisher dem Comittee Beigetretenen, bei und bemerke, dass uns noch weitere Beitrittserklärungen zugesichert sind. Es ist die Angelegenheit einer Nationalsache, ohne Rücksicht auf die religiöse Parteieinstellung, wenngleich das Prinzip festgehalten werden muss, die Waisen in Erez Israel auf Grund der Thora und ihrer Gebote, zu erziehen. (Anm. der Redaktion: Letzter Satz ist in reinem hebräisch eingesetzt worden). Genehmigen Sie die Aeusserung vollkommenster Empfehlung, in welche ich zeichne Euer treuer Freund M. Gottschalk Lewy ergebenst: Schriftführer des Comittees. N.B. Herr Wilhelm Goldschmidt, hier, lässt sich Ihnen empfehlen, auch meine Frau grüsst bestens. Viele Grüsse an Ihre geehrte Gattin. Falls Sie uns beitreten, sende ich Ihnen s.G.w. die Drucksachen zu und hätte zu bemerken, ob es nötig ist, sie in englischer Sprache drucken zu lassen und wie viel Exemplare. Bisher sind, folgende Herren dem Comittee beigetreten: Herr Dr. Albert Cohn, Paris Herr Landesrabbiner Dr. Cohn, Schwerin, Mecklenburg Herr Bankier S. Schwarz, Posen Herr Oberrabbiner Seminardirektor Dr. Frankel, Breslau Herr Rabb. Dr. Feilchenfeld, Posen Herr Prof. Dr. Graetz, Breslau Herr Rabb. Dr. Guedemann, Wien Herr Bankier S. Hirsch, Halberstadt, Herr Bankier A. G. Heimann, Berlin Herr Bankier M. G. Lewy, Berlin Herr Dr. Med. Lobethal, Breslau Herr Bankier Merzbacher, München Herr Bankier Eduard Mende, Berlin Herr Bankier H. Oppenheimer, Hannover Herr Rabb. Dr. Schwarz, Köln Herr Rabb. Dr. Selvandy, Duerkheim Herr königl. sächs. Konsul Bankier Wilmersdorfer, München Herr Prof. Ober Rabb. Dr. Wolf, Kopenhagen Herr Rabb. L. Pollack, Perth. Der Verlag unserer Mitteilungen hat von unserer Mitarbeiterin Anni Loewenstein den Novellenband “Länder und Leute” herausgegeben. Der Band bringt Novellen, von denen eine in Neue Deutsche Hefte Berlin, andere in der Jüdischen Rundschau Maccabi, Basel erschienen sind und eine mit einem Preis beim Hörspiel Wettbewerb des Bonner Ostdeutschen Kulturrats ausgezeichnet worden ist. Preis IL 18.—. Vorrätig u.a. in der Buchhandlung Landsberg, Tel-Aviv, Ben Jehudastr. 7, oder bestellbar beim Verlag, plus Versandspesen. Reisebericht aus Breslau im Mai 1976 In folgendem bringen wir einen Bericht über eine Reise nach Breslau von einer Nichtjüdin aus der Bundes-Republik, die ihre Anhänglichkeit an die jüdische Firma, in der sie bis 1938 in Breslau gearbeitet hat, und die in ständigem Briefwechsel mit den in Israel lebenden Mitarbeitern, bezw. Arbeitgebern in regem Kontakt ist. Wieder einmal ein Beweis, wie die christlichen Angestellten, die in jüdischen Betrieben gearbeitet haben, diese Zeit nicht vergessen haben: Am 19. Mai 1976 um 7 Uhr früh verliessen wir unser Dorf und kamen am Abend gegen 8 Uhr in Goerlitz an. Dort traf ich meine Bekannten aus Erlangen, mit denen ich um 11 Uhr 30 nachts den Zug nach Breslau bestiegen habe. Welch ein Gefühl dort am Hauptbahnhof um 2 Uhr Nachts auszusteigen. Ein Taxi brachte uns in unser Hotel “Novotel”, hinter dem Suedpark (Turnierplatz). Es ist erstklassig eingerichtet und erst 1 Jahr im Betrieb. Der Südpark war noch fast genau, wie einst. Der Wasserturm steht noch. Durch das grosse jüdische Krankenhaus gelangten wir in den Süden, der fast völlig zerstört gewesen ist. Die Kaiser Wilhelmstrasse ist rechts und links ziemlich neu aufgebaut. — Die Breitestrasse ist rechts, ab Neumarkt bezw. weisse Ohle / Münzstrasse, nicht mehr vorhanden. Ihr schönes Haus hat einem Hochbau Platz gemacht. Das Paket-Postamt steht noch in Gelb, wie immer. Der Neumarkt ist ziemlich neu aufgebaut, auch die Sandstrasse bis zur Ritter Markthalle. Da drin sieht es doll aus. Es gibt dort einige Verkaufsstände. Die Sandbrücke und Gneisenaubrücke sind noch genau, wie früher. Ich ging dann weiter bis Waterloo-Platz. Das Augusta-Hospital, Ecke Lehmdamm, / Blücherstrasse ist noch im Betrieb. Der Waschteich ist auch, wie damals, vorhanden. Wir sassen auf einer Bank, dieses vertraute Bild, es war so schön. Im Moment musste ich denken: Du warst vor 30 Jahren hier. Die Polen legen viel Wert auf Grün- Anlagen, sogar der Schlossplatz ist schön angelegt mit Bänken, Bäumen, Sträuchern und Rasen. Die Karlstrasse ist breit geworden und geht durch bis zum Cristophorieplatz. Die Antonienstrasse ist so wie damals, der Pokoyhof steht noch. Die Synagoge sah ich, weil davor ein Haus fehlte. Da war ich bei einem Ihrer Söhne zur Bar-Mizwah. Dann ging ich weiter über die kleine, alte Brücke am Stadtgraben bis zum Freiburger Bahnhof. Dort dachte ich ganz fest an die lb. Irma, wie oft sie dort wohl vorbeikam. überhaupt habe ich mich in Breslau oft mit Ihnen im Geiste beschäftigt. Trotzdem ich sehr an der Heimat hänge und mich verbunden fühle, ein Gefühl der Wehmut ist nicht aufgekommen, man ist auch nur hingefahren, um alles nochmal zu sehen. Ohne Bitterkeit im Herzen, daher war so vieles verkraftet worden, was Erinnerungen weckte. Die Gartenstrasse und Schweidnitzerstrasse, es war noch zu vertraut und eben war ich dankbar, dass ich noch einmal das Glück hatte, so vieles zu sehen und Schönes zu erleben. Viel, viel gibt es noch zu erzählen, was wir erlebt haben. Zufällig eine Begegnung mit einer Polin, deren Mutter deutsch war und die Nichte unseres Hausarztes. In Scheitnig waren wir mit dieser Polin und ihrem Mann spazieren. Jahrhunderthalle, da sieht es ein bischen trostlos aus. Die Pergola ist wieder schön und auch der Park in Ordnung. In der Gabitzstrasse dachte ich auch an Ihre lb. Schwester F. die Häuser dort sahen neu aus. Die Kirche steht noch: Carolus, glaube ich. Es ist sonst vieles neu und völlig fremd. Mit vielen heimatlichen Grüssen, auch allen Ihren lb. Angehörigen, Ihre alte ILSE HINKE, 4443 Schüttorf bei Hannover, Schillerstrasse 15, West Germany. 4

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