Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1976
- Issue
- No. 40 (September 1976)
- Date
- 1976-09-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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DAS EWIG Es Ist immer das Gleiche: Wenn nur einige Wochen nach dem Geschehen von turbulenten, aussergewöhnlichen Ereignissen vergangen sind — und an solchen mangelt es bekanntlich heutzutage nie —, zeichnet sich am Hintergrund des eher ■geistigen, nicht-empirischen Denkens jeweils eine Art von Mosaik ab, dessen Teilstücke letztlich auf nichts anderem beruhen als auf den Zitaten aus unserer Bibel; sie werden Im täglichen Leben, auch des Einzelnen, so oft gebraucht und auch praktisch angewandt, dass sie, diese kleinen Mosaikstückchen, im Laufe des Daseins fast zu Teilen von uns selbst werden — unerklärlich, wie so vieles, was wir kurzweg mit den Begriffen etwa der “Mystik” oder der “üblichen Wunder” zu identifizieren versuchen. Das Wunder aber besteht wohl generell darin, dass sich dieses gedankliche Mosaik so zusammenfügt als hätte es von Beginn an so sein müssen, dass wir diese jeweiligen Resümees Stück für Stück in unserem Gedächtnis “verstauen”, ohne lange darüber nachzugrübeln, dass eben diese Sammlung zum Bleibenden gehört, an dem auch wir selbst Teil haben. Das ewig Bleibende, von Generation zu Generation seit Jahrtausenden überliefert! Da gelangt man sehr leicht zur Frage, ob nicht gerade diese Tatsache unserem Judentum neben allen äusseren Schwierigkeiten, die es zu überwinden galt und gilt, in eklatanter Weise zum Überleben verholfen hat? — Und dass wir uns besonders während dieser Wochen der Einkehr und Besinnung solche Frage stellen, hängt wohl ebenfalls sicher nicht nur von äusseren Gegebenheiten ab. Und dennoch sind sie es, die uns jetzt erneut zu aktueller Erkenntnis geführt haben: Musste nach der glücklichen Geiselbefreiung in Entebbe nicht noch ein zweites, gravierendes Geschehen erfolgen, das uns zurückführt zum “biblischen” Denken? Wer vermöchte hier an einen blinden Zufall zu glauben, als sich das plötzliche öffnen des “guten Grenzzauns” mosaikgleich an das von höchster Nächstenliebe getragene Wagnis der “Aktion Jonatan” anfügte? — Man hat so oft von “christlicher Nächstenliebe” gesprochen, wollte verdrängen, dass es Moses war, der in seinem 3. Buch (“Wejikra” 19/18) prägnant formulierte “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst”. (Eine modernere Übersetzung bezeichnet bekanntlich diesen Nächsten als einen, der “so ist wie du”). Wir Heutigen aber haben hier in Israel das Glück, einmal mehr dieses urjüdische, uralte, wunderbare Wort in seiner praktischen Erneuerung mitzuerleben, seit Wochen alltäglich durch die Massenmedien zu sehen und zu hören, wie Nächstenliebe geübt wird an Verwundeten, an Alten und Schwachen, an Kindern und Flüchtlingen aus der Hölle eines nicht enden wollenden blutigen Bürgerkriegs im Nachbarland Libanon. Schon bei dessen Beginn gelang es keinem von uns, sich für die neugeschaffene politische Konstellation, weil vielleicht für uns günstig, zu erwärmen, denn wir wussten und wissen es, “Ob dem Falle deines Feindes freue dich nicht, und ob seinem Sturz juble nicht dein Herz”, sagen die “Sprüche” (Mischle 24/17), auch diese goldnen Worte waren von Kind auf “in uns drin”. Und was — von allem Vorstehenden abgesehen — wäre dieses “Mosaik” bezüglich der schon erwähnten “Aktion Jonatan”, erinnerten wir uns nicht der Klage Davids um seinen gefallenen Freund Jonatan, dieser klassischen Zeile “Leid ist mir um dich, mein Bruder Jonatan”? Zusammenhänge allüberall, hinweg über Zeiten und Grenzen bis hin zum Schicksalsschlag des jungen Helden Jonatan Netanjahu s.A. in Entebbe. — Was indessen, um nochmals darauf zurückzukommen, d. "Grenzzaun” und den Verkehr mit den Menschen “wie du und ich” betrifft, so lässt sich nur von Herzen hoffen, dass nach diesen ersten BLEIBENDE tastenden Versuchen einer gutnachbarlichen Verständigung nun im neuen Jahr vielleicht endlich sich ein Weg eröffnen möge, der — um es ganz vorsichtig zu sagen — eines Tages zum FRIEDEN führen würde! Und abschliessend: Versucht man einmal während der Feiertage, an denen uns keine weltliche Tätigkeit beherrscht, ein Fazit all dieser Gedankengänge und überall sichtbar werdenden Zusammenhänge zu ziehen, so kommt man ja unweigerlich darauf, wie beglückend es für uns in dieser Zeit bleibt, die Dinge parallel zum Einstigen so zu sehen, wie es “Moshe Rabenu” damals vom Blickpunkt der ihm vorgeschriebenen “Pisgah” (Gipfel) aus zu sehen befohlen war; die ewig aktuelle Antwort rundet unser Mosaik, nämlich die, dass der Blick erst nach all dem unsagbar Schweren, das jederzeit zu bestehen war und ist, frei wird, zu sehen, zu begreifen, was gemeint war, auch hier und heute in den Tagen eines sich überstürzenden Geschehens. Wir selbst werden zu dankenden und hoffenden Teilhabern des ewig Bleibenden, von Geschlecht zu Geschlecht leitend, ermahnend, richtungsgebend. Immer wieder erfahren wir es, dass das als Ende einer Epoche Bezeichnende zum positiven Beginn eines Neuen wird. Das gibt viel Hoffnung, auch jetzt, auch für das vor uns liegende Jahr als ein historisch noch unbeschriebenes Blatt. In einem früher entstandenen Gedicht, “Rösch hanikrah”, durfte ich selbst Ähnliches aussagen und füge die dort abschliessenden Zeilen — in gebührender Bescheidenheit — hier an: “Welle sich mit Welle tauscht — . Der Ruinen stumme Mär / kündet dem, der tiefer lauscht: Grenze, Fehde, Heldende — Neubeginn, Geschickes Wende —” So auch heute — möge sich alles nur zum Guten wenden! FRIEDA HEBEL v mm arp am mm mm msm esaar tcm eov Jom mos* juw a Landestreffen der Centra Auch in diesem Jahr war das Landestreffen in Schoresch mit ca. 170 Personen ein ausserordentlicher Erfolg. Punkt 12 Uhr mittags fand an dem Gedenkstein der Kölner und Rheinländer eine würdige Feier statt. Raw Israel Löwenstein, Jerusalem fand passende Worte, die von Herzen kamen und das furchtbare Geschehen unter der Nazi-Herrschaft beleuchteten. Erich Lewin sprach das Gebet für die Baum-Pflanzung. Anschliessend fand im Gästenhaus Schoresch ein gemeinsames Mittagsmahl statt, das Ernst Freudenthal leitete. Dr. Kaufmann, der Präsident der CENTRA, begrüsste die Gäste, anschliessend sprach Botschaftsrat Rückriegel im Aufträge des Deutschen Botschafters, dann Pastor Achenbach, der mit seiner Gattin zum 16ten Male Israel besucht. Rabbiner Israel Löwenstein hatte nochmals in einer kurzen Ansprache bei der Tafel des ausgesprochen, was ihn ln dieser Stunde bewegt. Erich Lewin hatte in seinem Schlusswort die grosse Verpflichtung zum Ausdruck gebracht, die wir in der heute so schweren Zeit dem Lande und dem Judentum gegenüber zu erfüllen haben. Mit dem gemeinsamen Singen des Schir Hamaloth und des Tischgebetes, endete der offizielle Teil der Feier. Die Teilnehmer blieben in zwangloser Weise bis 4 Uhr Nachmittags zusammen und genossen die schöne Umgebung. Alle Anwesenden waren beeindruckt von dem gelungenen Treffen. Als Vertreter Jerusalems nahm Nachmann ben Jakow, als Vertreter Haifas Herr Badler teil. Dr. Me-Sehaw, der Ehren-Vorsitzende der Leipziger, wurde nochmals anlässlich seines 80. Geburtstages geehrt. Die technische Vorbereitung hat Imanuel Egra organisatorisch ausgezeichnet besorgt. ANSPRACHE VON RABBINER ISRAEL EGON LÖWENSTEIN (JERUSALEM) BEIM GEDENK¬ AKT IM JAAR KEDOSCHIM (Märtyrerwald) des K.K.L., am 18. MAI, 1976. ZN EHREN DER JÜDISCHEN GEMEINDEN IN DEUTSCHLAND, DIE IN DEN JAHREN 1933 BIS 1942 ZERSTÖRT WURDEN (ZUSAMMENFASSUNG) Wir stehen beim Gedenkstein für die Gemeinden Köln—Rheinland, die stellvertretend sind, für alle Gemeinden ln Deutschland, die durch barbarische Hände zerstört wurden. Jeder von uns denkt in dieser Stunde an seine Gemeinde, an sein Elternhaus, an seine Synagoge — an alles das, was uns einmal geformt hat. Wir gedenken mit Stolz an die grosse Leistung des einstigen Judentums in Deutschland, die ihren hervorragenden Ausdruck in dieser Stunde an seine Gemeinde, an sein Eiden hat. Hervorragender Ausdruck dieses Judentums war ihr Gemeindebewusstsein. Zu dem Bibelvers im 5. Buch Moses, Kap. 33, Vers 5: “Jachad Schiwte Jisrael”, der v. der Einheit der Stämme Israels spricht, sagt Rabbi Schimon ben Jochai, dessen Jahrzeitstag wir heute in Meron gedenken; Das gleicht einem, der zwei Schiffe bringt, sie zusammenbindet und veranktert. Er stellt sie auf im Herzen des Meeres und baut auf ihnen einen Palast. Solange die Schiffe aneinander gebunden sind, bleibt der Palast bestehen, trennen sich die Schiffe, kann auch der Palast nicht bestehen. Im Herzen des Meeres, in den Stürmen der Verbannung, waren die Gemeinden unser Palast — sie waren die Wohnung & Symbol unserer Einheit auch in der Nacht der Zerstörung. Heute gedenken wir dieser Gemeinden & ihrer Bewohner, die Märtyrer werden mussten, Heilige Israels. Wenn die Frage auftaucht, ob die Heilige genannt werden können, denen das Recht der Entscheidung versagt war und die keine “Berera” hatten, so muss an die Entscheidung des grossen Maimonides gedacht werden, der entschieden hat: “Wer immer getötet wird, weil er Jude ist, ist ein Kadosch — ein Heiliger”. Wir gedenken damit eines Judentums, dessen Charakteristik die Treue zum Erbe unserer Väter u. die Weltoffenheit war. Wir sind in das Land unserer Väter zurückgekehrt und bauen uns eine neue Heimat im Gedenken und in Treue vor Gott und vor unserer Geschichte. Und wieder müssen wir kämpfen, nur weil wir Juden sind. Wenige Freunde begleiten uns in diesem Ringen und mit Genugtuung dürfen wir feststellen, dass sich auch heute wieder einer aus ihrem Kreis in unserer Mitte befindet. Dieser Wald ist ein Symbol für den Neubeginn des Aufblühens unserer Erlösung “Reschit zmichat G’ulatenu”. Auf die endgültige Erlösung hoffen wir und um ihre Verwirklichung ringen wir. SPÄTERE BEGRÜSSUNGSREDE AN DER TAFEL Nach Begrüssung von Paster Achenbach und Frau sowie dem Vertreter der deutschen Botschaft. Vergangenen Schabbat aus der Tora: “Ihr soll Freiheit ausrufen im Land unter seinen Bewohnern”. Um diese Freiheit ringen wir. Aber diese Freiheit ist besonderer Art. Es geht um die Freiheit der “Ebenbildlichkeit des Menschen im Bilde Gottes”, d.h. um das "Mensch” sein. Das ist die Freiheit wie wir sie verstehen — Menschen sein zu dürfen im ethischen Sinn der Bedeutung dieses Wortes. Wir rufen die, die sich als unsere Freunde betrachten — Pastor Achenbach und die Vertreter der deutschen Botschaft auf — uns in diesem Ringen zu helfen. Unsere Hoffnung ist auf den Frieden gerichtet. Unser Wunsch uns nächstes Jahr mit Gottes Hilfe in einer Welt des Friedens aufs Neue versammeln zu dürfen. S