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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1976-09-01 · No. 40 (September 1976) · p. Seite 2

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1976
Issue
No. 40 (September 1976)
Date
1976-09-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Rabbiner Dr. B. BRILLING Lieber die Anfänge des Zionismus in Breslau Seit der Neugründung der Breslauer Jüdischen Gemeinde im 18. Jahrhundert haben sich die Breslauer Juden mit ihren im Heiligen Lande wohnhaften Glaubensgenossen verbunden gefühlt und Beiträge für ihren Unterhalt aufgebracht bzw. Zahlungen an die aus Erez Israel entsandten Boten entrichtet. Ich verweise auf meinen hebräischen, ln der Zeitschift "Sinai” 1940, Nr. 10—11 erschienenen Artikel: Uber die Beziehungen der schlesischen Juden zum Heiligen Lande vom 17. bis 19. Jahrhundert, sowie ferner auf meinen in den "Mitteilungen des Verbandes ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel” 1973 Nr. 34 erschienenen Aufsatz “Die Beziehungen der schlesischen Juden zu Erez Israel”. Im Laufe der Emanzipationsbewegung im 19. Jahrhundert wurden allerdings die Beziehungen auch der schlesischen Juden zum Heiligen Lande schwächer. Die Not der armen und frommen Juden in Erez Israel verlangte aber nach einer Fortsetzung der Geldunterstützung, so dass man gezwungen war, wieder auf die Sammlung von Geldern in den Gemeinden zurückzukommen, wobei allerdings neue Sammlungs-Methoden angewandt wurden. In Holland wurde eine spezielle Organisation “Pekidim und Amarkalim” (die spätere: Deutsch-Holländische Palästina-Verwaltung) unter Leitung der Gebrüder Akiba und Hirsch Lehren gegründet, die die Geldaufbringung in Westeuropa organisierte. Es handelte sich um eine besondere sog. Chalukka (d.h. Verteilungs- und Sammlungs) Organisation für die ln Palästina wohnenden Juden. Unter dem Einfluss der Propaganda der holländischen Zentrale und auch unter dem Eindruck von Berichten über die Not der Juden in Palästina fanden sich doch, besonders in orthodoxen Kreisen der jüdischen Gemeinden, viele einzelne Interessierte zusammen, die für die Aufbringung von Geldern für die Juden in Palästina sorgten. Innerhalb der Gruppe der orthodoxen Breslauer Juden, die sich besonders für das Heilige Land interessierten, wurde im Dezember 1865 von dem letzten Königlich preussischen schlesischen Oberlandesrabbiner Gedalja Tiktin und dem vereidigten Makler Ferdinand (Feibusch) Ehrmann ein Verein unter dem Titel “Ahabath Jeruschalalm” (auch genannt: Ahawas Jeruscholaim) gegründet. Der erste Paragraph der im Jahre des Erscheinens des "Judenstaates” (1894) erneuerten Statuten dieses Vereins lautete: "Zweck des Vereins “Ahabath Jeruschalaim” ist die Unterstützung der Israeliten der Heiligen Stadt, und zwar solcher, die durch Alter, Krankheit oder dergleichen an der Gewinnung ihres Lebensunterhaltes behindert sind, ferner an würdige Männer ohne Subsistenzmittel, welche sich dem Studium der Thora widmen”. Wie ersichtlich, hatte der Verein keine politischen Ambitionen, sondern war von religiösen Beweggründen und Wohltätigkeitsinteressen geleitet. Der Verein bestand bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. In den Jahren 1903—1905 wurden aufgrund seiner Tätigkeit (die in Sammlungen u. in der Erhebung von Mitgliedsbeiträgen, im Betrag von ca. 500 M Jährlich bestand) durchschnittlich jährlich 700 M nach Palästina überwiesen. Diese Vereinstätigkeit hatte aber nichts mit der inzwischen entstandenen, am Ende des 19. Jahrhunderts sich ausbreitenden politischen Bewegung des Zionismus zu tun, die damals in Breslau ebenso wie im übrigen Deutschland nur wenig Anhänger und Sympathisanten fand. Über den Beginn der zionistischen Bewegung ln Breslau haben Dr. H. P. (Hans Prinz) in der letzten Nummer der “Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland” vom 30. Apr. 1937, sowie Salo Translateur in den "Mitteilungen des Verbandes ehemaliger Breslauer in Israel” Nr. 10/11 (1966) berichtet. Danach war der Gründer und erste Leiter der zionistischen Ortsgruppe in Breslau der Zahnarzt Dr. Hillel Hugo Schachtel, der Verfasser des bekannten “Zionistischen Merkbuchs” geb. 1876 in Krotoschin), der im Jahre 1933 von Breslau nach Palästina ausgewandert ist, wo er 1949 starb. Als weitere Vorstands-Mitglieder aus der Gründungszeit werden Otto Cohn, Leo Grünthal, Dr. Ernst Kalmus, Lazar Felix Pinkus und Dr. Sandler genannt. Die erste öffentliche Versammlung der Ortsgruppe fand nach diesen Berichten im Sommer 1898 in Liebichs Festsälen statt. Aus einem Bericht in der Oktobernummer des Jahrgangs 1897 der Zeitschrift des Centralvereins deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens “Im deutschen Reich” (in der auch ein Artikel über den Baseler Zionistenkongress mit der für den C. V. selbstverständlichen Ablehnung der zionistischen Ideen gebracht wurde) erfahren wir, dass bereits während des ersten Baseler Zionistenkongresses (21.—31. August 1897) einige Anhänger des Zionismus in einer öffentlichen Versammlung in Breslau auftraten. Die Initiative zu dieser ersten öffentlichen Versammlung in Breslau im Jahre 1897, die sich mit dem Zionismus beschäftigte, dürfte wohl kaum aus den Kreisen der Breslauer jüdischen Gemeinde gekommen sein, deren Mitglieder, ohne Unterschied ob konservativer oder liberaler Richtung, den Zionismus ablehnten. Die Initiative dürfte auf persönliche Verbindungen mit Berliner Zionisten zurückführen sein. Zu den bekanntesten Berliner Zionisten gehörte danach neben Prof. Heinrich Loewe, dessen Urgrossvater in Breslau Rabbiner gewesen war, (s. darüber meinen Artikel über die Vorfahren des Prof. Heinrich Loewe in der “Allgemeinen Wochenzeitung der Juden in Deutschland” vom 15.5.1952) der 1862 in Berlin geborene Schriftsteller Willi Bambus, der sich besonders für die Jüdischen Kolonien in Palästina interessierte. Der Einberufer der Breslauer Versammlung war nämlich ein Breslauer Kaufmann namens Brieger, der (nach einer wohl richtigen Vermutung von Herrn Heinz Brieger aus Hannover) mit Hugo Brieger identisch sein dürfte, der mit einer Schwester von Willi Bambus verheiratet war. Dieser dürfte seinen Schwager auf den Zionistenkongress aufmerksam gemacht haben. Es war sehr mutig von diesem Herrn Brieger, angesichts der den Zionismus ablehnenden Haltung der Breslauer Juden, diese auf den Zionistenkongress hingewiesen und sogar eine Versammlung einberufen zu haben, die zum Kongress Stellung nehmen bzw. für ihn eintreten sollte. Die Versammlung fand am 26.8.1897 im “Weissen Storch” in der Wallstrasse statt. Obwohl die Teilnehmer nur durch Karten eingeladen worden waren und in der Presse keine Propaganda gemacht war, scheinen sich doch genug Interessenten eingefunden zu haben, denn der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Als Referent hatte sich ein Kaufmann Hirschfeld (über den ich leider bisher nichts Näheres erfahren konnte) zur Verfügung gestellt, der die Ziele und Zwecke der zionistischen Bewegung darstellte und zu einer Sympathiekundgebung für den Kongress aufrief. Diesem Antrag schloss sich der Rabbinatskandidat Dr. Ephraim Finkei an (geb. 1863 in Tarnopol / Galizien), Schüler des Breslauer Rabbinerseminars (von 1888-1896), und Verfasser zahlreicher Artikel und wissenschaftlicher Arbeiten, auch in hebräischer Sprache. Diese beiden Anhänger des Zionismus konnten aber auf dieser Versammlung anscheinend keine Befürworter für ihren Antrag finden, der noch nicht einmal zur Abstimmung zugelassen wurde. Hier stiess die zionistische Bewegung in Breslau auf ihren jüdischen Hauptgegner, nämlich auf den bereits erwähnten, 1893 in Berlin gegründeten Centralverein deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens, der die zionistische Idee als eine für die Emanzipation der deutschen Juden schädliche Richtung ansah, die die vorhandenen Möglichkeiten der Gleichberechtigung untergraben konnte. Die Breslauer Ortsgruppe des Centralvereins entstandte daher ihr Mitglied, den cand. Jur. Paul Posener, als Sprecher bzw. Diskussionsredner zu dieser Versammlung. Posener scheint damals einen bekannten Namen gehabt zu haben; er batte an der Breslauer Universität Jura studiert und erhielt 1899 zugleich mit dem 1876 in Breslau geborenen und 1956 in Jerusalem verstorbener Ismar Freund, (später Juristischer Beirat der Berliner jüdischen Gemeinde, Initiator des Preussischen Landesverbandes im Jahre 1922, Verfasser eines Werkes über "Die Emanzipation der Juden ln Preussen”, Berlin 1912), einen Preis für die Lösung einer von der Breslauer Juristischen Fakultät gestellten Aufgabe. Später ging Posener nach Berlin, wo er als Verfasser juristischer Werke lebte; er war dort Herausgeber d. Wochenschrift “Juristen weit” sowie Redakteur der Zeitschrift "Völkerrecht und Bundesstaatsrecht”. Posener verhinderte nun — wohl im Auftrag der Breslauer Ortsgruppe des Centralvereins — die Annahme der geforderten Sympathieerklärung für den Zionistenkongress. Er erklärte, dass er kein Zionist, aber auch kein Feind der Zionisten sei, und bat, keine Diskussionen über den Zionismus anzustellen, wobei er auf den Centralverein und die (bereits vorher im Jahre 1886 gegründete) erste jüdische Breslauer Studentenverbindung “Viadrina” hinwies, da er wohl der Meinung sein schien, dass diese Vereinigungen für die ihm richtig erscheinende Lösung der Judenfrage in Deutschland einträten. Er freue sich allerdings darüber, dass man erstmalig in Breslau eine jüdische Versammlung begrüssen könne, die sich mit der Judenfrage befasse, und schlug die Gründung eines Jüdischen Rede- und Diskutierclubs vor, der sich ausschliesslich mit dem Judenproblem beschäftigten solle. Nach seiner Rede beschloss man, zu diesem Zweck innerhalb von 8 Tagen eine Versammlung einzuberufen, die am 29.8. in dem selben Lokal unter dem Vorsitz des Herrn Posener stattfand. Leider sind die Namen der Teilnehmer nicht angegeben, die nach längerer Debatte als Zweck des Rede- und Diskutierclubs “die Sammlung aller derjenigen Elemente, welche Interesse an der Judenfrage haben”, festlegte. Die erste Versammlung sollte in der Woche nach dem Ende des Laubhüttenfestes stattfinden. Ob diese Sitzung stattgefunden hat, bzw. ob dieser Club vielleicht unter einem anderen Namen weiterexistiert hat, konnte ich bisher nicht feststellen. Vielleicht hat dieser Club seine Fortsetzung in dem von Tranlateur (in seinem oben erwähnten Artikel) erwähnten “Diskutierclub Graetz” gefunden, der regelmässig Abende mit -Diskussionen veranstaltete. Rabbiner Dr. BERNHARD BRILLING, Muenster i/Westf. 2

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