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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2009-01-01 · No. 84 (2009) · p. Seite 22

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2009
Issue
No. 84 (2009)
Date
2009-01-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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22 Reaktionen auf den Novemberpogrom in der jüdischen Presse in Polen 1938/39 Reichsluftfahrtministerium , auf der die Einrichtung von Gettos intensiv diskutiert wurde. Mit besonderer Empörung reagierte daher die jüdische Presse in Polen, als in deutschen Behindertenheimen für jüdische Patienten faktisch Gettos eingeführt wurden. Im Dezember kennzeichnete sie die nationals ozialistischen Diskriminierungsmaßnahmen dergestalt, dass die Deutschen das mittelalterliche Getto gleichsam neu erfinden würden. Für viele Juden in Ostmittel- und Osteuropa waren die deutschen Juden seit dem 19. Jahrhundert in vielerlei Hinsicht ein Vorbild gewesen. Nim jedoch wurde allen bewusst, dass mit dem Novemberpogrom eine Epoche ihr grausames Ende gefunden hatte: "Das war einmal... die jüdische Glanzepoche in Deutschland" titelte Idishe bilder Anfang Dezember 1938. Waren sich Ost- und Westjuden auch vielfach fremd geblieben, der immense Verlust der "jüdischen Glanzepoche" in Deutschland wurde im polnischen Judentum wie ein persönlicher Verlust empfunden. Auch die Flüchtlingsfrage nahm man als Herausforderung für das Zusammengehörigkeitsgefühl der Juden insgesamt wahr und überlegte, ob nicht möglicherweise das "Weltjudentum" die "Kontribution" bezahlen solle. Auffällig an der gesamten Berichterstattung ist der Mangel an Bildmaterial von dem Zerstörungswerk. Während des Pogroms waren zahlreiche Ausländer verhaftet worden, die Plünderungen, Brandstiftungen und Misshandlungen von Juden fotografiert hatten. Was in den Zeitungen gedruckt wurde, vor allem in Idishe bilder, waren zumeist ältere Aufnahmen der Synagogen, die nunmehr in Ruinen lagen. Demgegenüber kursierten nur sehr wenige Bilder von den Zerstörungen, allen voran die Aufnahme einer verwüsteten Filiale der Berliner Schirm-Fabrik Eugen Lichtenstein, die in zahlreichen Zeitungen abgedruckt wurde. Ende November schwächte sich die Berichterstattung dann ein wenig ab. (Fortsetzung von Seite 21) Verschiedentlich zeigte sich im weiteren Verlauf die Hoffnung, der Stern der Nationalsozialisten würde nach dem Fanal des Novemberpogroms zu sinken beginnen. Die Isolation, in der sich das "Dritte Reich" nach dem Pogrom in der Weltöffentlichkeit befand, ja schon die (vorübergehende) Abberufung des amerikanischen Botschafters aus Berlin führte zu Spekulationen, dass der Druck des internationalen und vor allem USamerikanischen Protestes Hitler und Goebbels zum Einlenken würde bewegen können. Eine ähnliche Hoffnung begleitete auch das Verhalten Englands, wegen des Münchener Abkommens und der englischen Palästinapolitik jedoch in etwas geringerem Maße. Allerdings schossen in den Tagen nach dem Pogrom auch wilde Spekulationen ins Kraut, etwa dass Wehrmachtsführer Goebbels wegen des Pogroms zum Rücktritt aufgefordert hätten. Überhaupt versuchte man auch die kleinste Form von Protest oder Widerstand in Deutschland aufzufinden und aus ihr eine wachsende Opposition gegen das NS- Regime herauszulesen. So registrierte etwa Hayntige nayes aufmerksam, dass über hundert Christen wegen ihrer Solidarität mit den Juden verhaftet worden seien. Nasz Przeglad berichtete darüber, dass der Pogrom bei der deutschen Minderheit in Polen auf einhellige Ablehnung gestoßen sei. Hatte schon der enttäuschende Ausgang der Flüchtlingskonferenz in Evian vom Juli 1938 die Emigrationsproblematik weiter verschärft, so umso mehr der 9. November. Die jüdischen Zeitungen diskutierten in den folgenden Wochen Dutzende Länder als potenzielle Emigrationsziele - in der Befürchtung, Polen könnte in Bezug auf seine jüdische Minderheit einen ähnlichen Weg wie das nationalsozialistische Deutschland einschlagen. Niemals war zudem die Hoffnung größer, angesichts der humanitären Katastrophe, die sich buchstäblich vor aller Augen in Europa abspielte, England dazu bewegen zu können, endlich die "Tore von Erez Israel" zu öffnen. Schwer zu überschätzen waren die Hoffnungen von buchstäblich Millionen osteuropäischer Juden auf den Ausgang der Londoner Konferenz im Februar 1939, die die Palästinafrage einer Lösung näher bringen sollte. In den Wochen und Monaten nach dem Pogrom wandelten sich jedoch die Zeitungsrubriken: Aus Berichten wie "Flüchtlingshilfe" wurden solche über Flüchtlinge und Emigranten. Dies zeigt, dass die deportierten Juden Anfang 1939 nur mehr Teil eines viel größeren, polnischen und europäischen Problems geworden waren. Insgesamt betrachtet hatten die Deportation der polnischen Juden aus Deutschland, das Attentat Grynszpans sowie der Novemberpogrom nur für einige Wochen die Aufmerksamkeit von dem Thema abgelenkt, das 1938 die Überschriften der meisten jüdischen Zeitungen in Polen bestimmt hatte: die britische Palästinapolitik und die arabischen Gewalttaten in Erez Israel. Mit Ausnahme der von England noch im November 1938 initiierten Kindertransporte, über die in der jüdischen Presse in Polen euphorisch berichtet wurde, hatte nicht einmal der Novemberpogrom dazu geführt, die Zahl der jüdischen Emigranten signifikant zu erhöhen. Und so blieb auch die Lage der polnischen Juden prekär, ohne dass jemand hätte ahnen können, dass der eigentliche "Zivilisationsbruch" (Dan Diner) des Holocaust erst noch bevorstand. In furchtbarer Weise bewahrheitete sich die Prognose, mit der Hayntige nayes bereits am 15. November 1938 getitelt hatte: "Was Deutschland mit den Juden getan hat, wird es auch England, Frankreich und anderen Ländern antun." Dr. Ingo Loose Humbold-Universität zu Berlin

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