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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2009-01-01 · No. 84 (2009) · p. Seite 17

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2009
Issue
No. 84 (2009)
Date
2009-01-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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durchliefen und sich bewusst wurden, dass nun auch das letzte bisschen Freiheit verloren war? Entwürdigende Unterbringung, entsetzliche hygienische Verhältnisse, ständige Drangsalierungen, Diebstähle durch das Wachpersonal und Schikanen auf Schritt und Tritt demoralisierten das im Lager getrennt untergebrachte Ehepaar Hadda. Hinzu kam, dass Hadda in den ersten Tagen vom Tod seines Vaters erfuhr und dadurch völlig den Mut verlor. Zum Glück fanden beide eine Betätigung: Doktor Hadda als Chirurg, Frau Hadda in der bescheidenen Porzellanmanufaktur. Doch die Angst, in die regelmäßig abgehenden Transporte nach Auschwitz eingereiht zu werden, beherrschte das tägliche Leben im Lager und steigerte sich noch, wenn Eichmann erschien. Dann mussten auch die Ärzte antreten und Eichmann bestimmte, wer bleiben durfte. Zweimal stand Hadda vor ihm! Dem Holocaust entronnen Am 3. Februar 1945 bot sich dem Ehepaar Hadda die unerwartete Gelegenheit, sich für einen Transport in die Schweiz zu melden. Nach kurzem Entschluss ging alles Hals über Kopf. Nach drei Tag- und Nachtfahrten mit dem Zug rief der Leiter des Bewachungskommandos: "Sterne abnehmen!" und der Zug rollte über Konstanz und Kreuzlingen in die Schweiz. Mit großem Jubel wurden die abgehärmten Insassen des Zuges empfangen. Nach zwölf Jahren unvorstellbarer Ängste, Qualen und Demütigungen schien es wie ein Wunder, gerettet zu sein. Das Telegramm der Eltern ließen Georg und Lotte, die in England lebten, in Freudentränen ausbrechen und teilten es sofort der in den USA lebenden Schwester Eva mit. Nachdem sich Hertha und Siegmund Hadda einige Wochen in einem Bergdorf erholt hatten und die neu gewonnene Freiheit genossen, erhielt Doktor Hadda von der Fremdenpolizei in Bern die Weisung, beim Chefarzt des Städtischen Krankenhauses vorzusprechen. Mehr als ein Jahr arbeitete er in bestem Einvernehmen mit dem leitenden Chirurgen dieser Klinik. Aber das Ehepaar Hadda wollte nicht in der Schweiz bleiben. Zunächst zog es sie zu den Kindern nach England. Aber ihr Aufenthalt währte nur kurze Zeit, denn ihr Ziel war die USA. Anfang April 1947 erreichten sie mit dem polnischen Motorschiff "Batory" New York, wo sie Tochter Eva in die Arme schloss, die für die Eltern nach einem kurzen Aufenthalt in einer Sammelunterkunft eine kleine Wohnung angemietet hatte. Doktor Hadda stand im 65. Lebensjahr imd vor der Aufgabe, sich eine neue Existenz zu gründen. Viele ungelöste Fragen quälten ihn. Würde er die Zulassung als Arzt erhalten? Kämen auch Patienten, um sich behandeln zu lassen? Wovon sollte er sich eine Praxis einrichten? Ob er die Prüfung vor der Kommission bestehen würde? Da kam ihm im Zulassungsgespräch zu Hilfe, dass er die Namen seiner Lehrer von Mikulicz und Gottstein erwähnte. Wer bei diesen weltweit anerkannten Chirurgen studiert hatte, musste auch ein Könner seines Fachs sein! So konnte er sich endlich eine neue Lebensgrundlage schaffen. Seine Praxis ließ sich zunächst nur schleppend an. Doch nach und nach erweiterte sich sein Patientenkreis, so dass er trotz seines Alters einen ausgefüllten Tagesablauf hatte. Ehemalige Kollegen, von ihm in Breslau Operierte fanden sich ein und erwiesen ihm noch nach so vielen Jahren Anerkennung und Dankbarkeit. Im 77. Lebensjahr gab Doktor Hadda seine Praxis auf. Sein Berufsleben hatte sich erfüllt. Nachdem 1970 seine Frau Hertha verstarb, lebte er bis zu seinem Tode allein und widmete sich der Aufarbeitung seiner Erinnerungen. Seine drei Kinder wusste er 17 in gesicherten Verhältnissen: Georg hatte sich in New York eine gute Position in eigener Praxis aufgebaut. Eya lebte mit ihrem Mann in Florida und Lotte mit Familie in England. Doch eine Verbindung zwischen ihnen war immer gegeben. Im 95. Lebensjahr starb Doktor Siegmund Hadda in New Gardens/New York. Er betrat nie mehr deutschen Boden, obwohl er Breslau, Schlesien und Deutschland liebte und hier seine glücklichsten Jahrzehnte verbrachte. Es hielt ihn der für uns schmerzhafte Gedanke fern: "Ich würde (bei einem Besuch in Deutschland - der Autor) in jedem Manne mittleren oder höheren Alters den Mörder meiner Lieben vermuten". Das Schicksal dieses außergewöhnlichen Arztes und standhaften Humanisten sollte auch im polnischen Wroclaw nicht vergessen werden. Der Laumann-Verlag Dülmen gab 2001 eine von Dr. Barbara Genzow verfasste Lebensbeschreibung heraus, die den angesehenen Chirurgen würdigt und die zu lesen jedermann empfohlen werden kann. Darin legt Doktor Hadda Rechenschaft über seine ethischen Grundsätze ab, denen er sich stets und überall verpflichtet fühlte. Dem Verlag und der Autorin sei für die Genehmigung zur Nutzung des Büchleins als Quelle für diesen Beitrag gedankt. Dipl.-Päd. Günter Christmann Götzingerstraße 21, 01855 Sebnitz Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Senfkorn Verlages Alfred Theisen, Görlitz Mit Nachdruckerlaubmis des Autors und Herausgebers - i. A. Ingrid Hüfner, Redaktionsassistentin. "Sächscische Landesärztekammer - Redaktion Ärzteblatt Sachsen" Ärzteblatt Sachsen 3/2006 J I

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