Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2009
- Issue
- No. 84 (2009)
- Date
- 2009-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Dr. med. Siegmund Hadda s.A<i882 ws 1977» (Fortsetzung von Seite 15) Zeit,um es für die ersten Opfer des beginnenden Krieges aufnahmebereit zu machen. Im Vorhof der Hölle Dr. Hadda hatte nun große Mühe, unter den primitiven Bedingungen ein einigermaßen funktionierendes Behandlungszentrum zu schaffen. Aus den gut ausgerüsteten Gebäuden durfte nichts, aber auch gar nichts mitgenommen werden. Das Siechenhaus wurde zur Inneren Abteilung, eine in der Nähe vorhandene leerstehende kleine Privatklinik zur chirurgisch-gynäkologischen. Hadda glaubte, in dieser neuen Situation Weiterarbeiten zu können. Doch er sollte sich täuschen. Bald musste das Siechenhaus geräumt werden, so dass die Innere Abteilung in die Wallstraße (Pawla Wlodkowica) umzog. Die Gestapo beschlagnahmte die kleine Privatklinik, Behelfsräume mussten gefunden werden. Darin durften ausschließlich Juden und Ausländer behandelt werden, die sich in umliegenden Arbeitslagern befanden. Die Situation der Juden verschlechterte sich ständig. Das Tragen des Davidsternes ab September 1941 und die zwangsweise Annahme der Vornamen Sarah und Israel verschärfte die Diskriminierung. Juwelen und Edelmetalle, Pelze, elektrische Geräte, Radios und Optikartikel wurden zwangsweise eingezogen. Die Wohnungslage spitzte sich immer mehr zu, so dass in der Gegend um die Wallstraße viele jüdische Ehepaare zusammengepfercht wurden. Die Zahl der Suizide stieg von Tag zu Tag erschreckend und erhöhte sich noch, als die ersten "Aktionen", der Abtransport in die Todeslager, begann. Dadurch verringerte sich Hadda s Personal, so dass er ungelernte beschäftigungslose Jüdinnen als Hilfsschwestern anlernen musste. Im November 1941 traf ihn die Mitteilung, dass sein unverheirateter und in Breslau lebender Bruder Moritz verhaftet worden sei, um nach dem Osten abtransportiert zu werden. Tags zuvor hatten sie sich zum letzten Mal die Hand geschüttelt. 1942 wurde der 84-jährige in einem Altenheim lebende Vater Doktor Haddas in der Wallstraße kaserniert und im April 1943 in das KZ Theresienstadt abtransportiert, wo er kurze Zeit danach verstarb. Auf dem neuen jüdischen Friedhof an der Breslauer Flughafenstraße (ul. lotnicza), dessen Gräber zum größten Teil durch Strauchwerk überwuchert sind, findet sich eine Steinplatte an der Stelle der hier zur letzten Ruhe gebetteten Mutter Haddas, auf der die Namen des Vaters und des Bruders mit den Hinweisen auf ihre Deportation eingemeißelt sind. Im Mai 1943 erhielt Doktor Hadda den Auftrag, nach Sosnowitz (Sosnowice) zu reisen, um den dort fehlenden Chirurgen zu ersetzen. Er bekam dafür eine entsprechende schriftliche Erlaubnis. Die Fahrt mit dem Zug gestaltete sich für einen Mann mit Davidstern kompliziert und entwürdigend, da es Juden verboten war, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Trotz gemeinster Anpöbelungen erfüllte er seinen ärztlichen Auftrag und kehrte nach Breslau zurück, obwohl man ihm die Leitung der großen chirurgischen Abteilung antrug. Später stellte es sich als ein Glück für ihn heraus, denn alle 30.000 Insassen des Zwangslagers wurden in Auschwitz ermordet. Doch die fast unerträglich gewordenen Tage in Breslau waren auch für das Ehepaar Hadda gezählt. Täglich warteten sie nun im Gebäude der Synode auf ihren Abtransport nach Theresienstadt. Als am 10. Juni 1943 die letzten Kranken unter Schmährufen umherstehender Gaffer der ärztlichen Obhut Doktor Haddas entrissen wurden, gingen beide in Haft. Sie verbrachten noch acht Tage in der Wallstraße, in der sie von der entweihten Langhans'sche Storchensynagoge Abschied nahmen. Am 18. Juni 1943 brach für die letzten 18 Breslauer Juden, unter ihnen das Ehepaar Hadda, nach einer schlaflosen Nacht der bittere Deportationsweg nach Theresienstadt an. Früh um fünf Uhr trieben Gestapoleute das Häuflein ausgemergelter Gefangener von der Wallstraße aus auf Umwegen durch Seitenstraßen zu einem Hintereingang des Hauptbahnhofes, wo sie mit Transportzetteln beheftet und in Wagen dritter Klasse verfrachtet wurden. Hadda schreibt in seinen Erinnerungen: "...diese Fahrt beendete den wichtigsten Teil meines Lebens, sie bedeutete für mich den Verlust der Heimat. Obwohl nicht in Breslau geboren, war diese Stadt mir in 43 Jahren zur wirklichen Heimat geworden. Hier hatte ich meine Studienzeit froh...durchlebt, ich musste hart arbeiten, um mich selbst erhalten und meinen jüngeren Brüdern in ihrer Ausbildung helfen zu können.... In Breslau genoß ich nach vollendetem Studium meine fast zehn Jahre währende Vorbereitung auf den mir als Lebenszweck vorschwebenden Beruf des Chirurgen. Hier erwarb ich mir nicht nur das Vertrauenund die Freundschaft meines Chefs, hier strömten mir Patienten aus allen Kreisen der Bevölkerung Schlesiens zu. Und das Beste, hier fand ich meine Frau und hatte das Glück, drei Kinder zu unserer Freude heranwachsen zu sehen..." Nach zwölfstündiger Fahrt war Theresienstadt erreicht. Wie mag ihnen zumute gewesen sein, als sie den stacheldrahtgesäumten Zugang zum Lager