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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2009-01-01 · No. 84 (2009) · p. Seite 15

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2009
Issue
No. 84 (2009)
Date
2009-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 drei Kinder entwickelten sich zu unserer Freude, die Praxis nahm ständig an Umfang zu. Ich war ein gesuchter Konsiliarius und ausübender Chirurg..." Hinzu kam, dass die Familie Hadda eine immer engere Bindung zu Breslau entwickelte, in der man "die Vorteile der Großstadt genießen und doch wie in einer Provinzstadt leben konnte". Eine Fülle kultureller Angebote, ausgedehnte Parks und Sportanlagen trugen dazu bei, dass sich die Familie in ihr wohlfühlte. Ihre wirtschaftliche Lage besserte sich zusehends, so dass sich auch ihr Traum von einem eigenen Haus verwirklichte. Nach einem Entwurf seines Bruders Moritz, der in Breslau als angesehener Architekt arbeitete, wurde es in der Stifterstraße 7 (Sochaczewska) errichtet. Auch seine beiden Privatpraxen und seine leitenden Tätigkeiten im Jüdischen Krankenhaus trugen dazu bei, dass alle Weichen für ein glückliches Leben der Familie Doktor Hadda gestellt waren. Die schlimmen dreißiger Jahre Doch der 30. Januar 1933 ist der schicksalsschwere Tag, an dem ein vergreister Reichspräsident von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte und damit den Weg für eine Weltkatastrophe ungeahnten Ausmaßes frei machte. Noch in der Nacht wurden Juden gejagt, geschlagen und verhaftet. Die Judenfeindlichkeit, die sich zunehmend gesteigert hatte, erhielt freien Lauf. In rascher folge wurden Verordnungen und Gesetze erlassen, die alle gegnerischen Kräfte der Nazis mundtot machten. Die ersten "Schutzhaftlager" wurden errichtet, und die Entrechtung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung nahm immer schlimmere Formen an. Noch glaubte Hadda an eine vorübergehende Ausschweifung, die sich wieder glätten würde. Auch gegen seine Familie richteten sich die Repressalien. Seiner durch ausgezeichnete Leistungen bekannten Tochter Lotte wurde zunächst die Teilnahme an der Abiturprüfung verweigert. Ein allgemeiner Protest erzwang ihre Zulassung, jedoch erklärte der Vorsitzende das Examen für nicht bestanden. Erst der Einspruch des größten . Teils der Lehrerschaft erwirkte ein mit Drei bestandenes Abitur, so dass Lotte Medizin studieren konnte. Als die Olympischen Spiele 1936 in Berlin vorüber waren, setzten die Repressalien nach kurzer Beruhigung der antisemitischen Ausschreitungen mit noch größerer Wucht ein. Das Jahr 1938 gestaltete sich zum Schicksalsjahr: Haddas beide Privatpraxen mussten geschlossen werden. Im Juni wurden die meisten jüdischen Männer in Breslau verhaftet, auch Hadda verbrachte zwei Monate im KZ Buchenwald. Nach Hause zurückgekehrt, behandelte er die in der Haft Verletzten und Erkrankten. Ab 1. Oktober verloren die meisten jüdischen Ärzte ihre Approbation und führten in der Folge ein kümmerliches Dasein. Der Chefarzt der Chirurgischen Abteilung des Jüdischen Krankenhauses, Dr. Siegmund Hadda, zählte zu den wenigen Ausnahmen, die als "Krankenbehandler" weiter praktizieren, jedoch keine "arischen" Patienten mehr behandeln durften. In diesen Augusttagen fuhr Hadda noch nach London, um für seine Familie eine Lebensgrundlage in England zu suchen. Ihm gelang es, wenigstens für seine drei Kinder eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten, so dass Hadda erleichtert wieder nach Breslau zurückkehrte. Doch die nach der "Reichskristallnacht" (9./10. November 1938) ausufernden Verfolgungen und Zerstörungen hinterließen bei Hadda einen tiefen Schock. Unter diesem Eindruck der Ereignisse operierte er mit den wenigen ihm verbliebenen Ärzten und Schwestern, oft unterbrochen von schikanösen Vorladungen und Gestapobesuchen. Noch einmal versuchte er, auch für seine Frau und sich selbst ein Ausreisevisum zu erhalten, doch vergebens. Er wollte das geforderte Bestechungsgeld von 2000 RM nicht bezahlen. So musste sich das Ehepaar Dr. Hadda am 31. März 1939 von seinen beiden Töchtern verabschieden, ohne zu wissen, ob sie einander Wiedersehen werden. Wenige Tage danach starb ihre Großmutter, Bertha Hadda, die auf dem neuen jüdischen Friedhof in Breslau beigesetzt wurde. Am 25. August 1939 gelang es seinem Sohn Georg durch eine Warnung eines Mitgliedes der Breslauer Reichsärztekammer buchstäblich in letzter Minute und auf abenteuerliche Weise mit Hilfe eines sehr entgegenkommenden Beamten, Deutschland in Richtung London zu verlassen. Die Eltern begleiteten ihn bis Hamburg. Als sie wieder nach Breslau zurückkamen, begaben sich Hertha und Siegmund Hadda in das Jüdische Krankenhaus, in dem sie nach dem Zwangsverkauf ihres schönen Hauses ein kleines Appartement bewohnen durften. Bei ihrer Ankunft erfuhren sie, dass das Klinikgebäude bis 31.8.1939 zu räumen sei. Hadda, der seit 1939 auch Leiter des gesamten Klinikums geworden war, oblag die schwierige Aufgabe der pünktlichen Räumung. Bei Nichteinhaltung des Termins drohte ihm die Einlieferung in ein Konzentrationslager. Alle Kranken mussten also in den benachbarten Häusern, in denen Juden wohnten, im jüdischen Altenheim und in der Landesirrenanstalt notdürftig untergebracht werden. Die sich dabei abspielenden herzzerreißenden Szenen rissen in Hadda tiefe seelische Wunden. Er selbst und seine Frau fanden bei Doktor Milch in der nahen Friedrich-Hebbel-Straße 4 (Kutnowska) eine bescheidene aber angenehme Unterkunft. Das Jüdische Krankenhaus, mit dem Hadda seit 1906 eng verbunden war, hatte aufgehört zu bestehen, und alle Mitarbeiter verließen tief deprimiert das Gebäude. In großer Hast zerschlugen die Nazitrupps alles, was daran erinnern konnte, dass hier ein jüdisches Hospital war, denn es blieb nicht mehr viel (Fortsetzung auf Seite 16) I

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