Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2009
- Issue
- No. 84 (2009)
- Date
- 2009-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/7506414-7413367-7497336--725-7413380- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
13 eine wieder relevantere und stärker identitätsstiftende Aufgabe einnimmt. Der Beitrag der Jeckes - und damit auch der Breslauer - für den modernen Staat Israel ist größer und wichtiger, als man landläufig in Deutschland wie auch in Israel oftmals annimmt. Dieser Beitrag erschöpft sich nicht in der Liste, die sich in der einschlägigen Literatur zu diesem Thema immer wieder finden lässt, als da wären die tausend Bauhaus-Häuser in Tel Aviv, die vielen Ärzte und das Krankenkassensystem oder auch die Reform im Presse- und Bankwesen sowie im Einzelhandel. Namentlich die ehemaligen Breslauer Juden in Israel brachten etwas mit, was über alle die genannten Dinge weit hinaus ging und empirisch doch schwer zu messen ist: Die Tradition sozialen Engagements, die man auch in Zeiten tödlicher Bedrohung aufrechterhielt und in die kulturelle und Wertevielfalt Israels einbrachte, zugleich aber auch die Toleranz, sich als Sachwalter einer jahrhundertelangen jüdischen Geschichte in Schlesien zu verstehen und doch weder die polnische Realität dieser Gebiete noch die Wandlungen in Deutschland nach 1945 zu negieren. Die seit nunmehr fünfzig Jahren erscheinenden Mitteilungen ehemaliger Breslauer in Israel sind ein eindrucksvolles Zeugnis dafür. Der erneute Generationswechsel und das Sterben der letzten Holocaustüberlebenden und Zeitzeugen stellen unausweichlich die Frage nach der Zukunft der Mitteilungen. Für Grabreden besteht jedoch kein Anlass. Womöglich ist es nicht (nur) Ironie der Geschichte, sondern auch eine glückliche Fügung, dass man in Israel in den letzten Jahren, wo die Kultur und das geistige Erbe der Jeckes im Lande immer mehr zu verschwinden droht, genau diesem Erbe wieder ein wachsendes Interesse entgegenbringt. Es wäre sehr zu wünschen, wenn die Überlegungen von Erfolg gekrönt würden, die Mitteilungen zu digitalisieren und auf diese Weise einem breiteren Leser¬ und Interessentenkreis in und außerhalb Israels zugänglich zu machen. In Israel und in Deutschland befindet man sich zur Zeit auf der Suche - in Israel nach den kulturellen Wurzeln seiner Einwanderer, in Deutschland nach der jüdischen Kultur, deren immenser Verlust zwischen 1933 und 1945 vielen erst Jahrzehnte nach dem Holocaust bewusst wird. Zu dieser Suche hier wie dort haben die ehemaligen Breslauer in Israel und die Mitteilungen viel beizutragen, und es besteht kein Zweifel daran, dass dieser Beitrag auch in Zukunft seinen immensen Wert nicht verlieren wird. Dr. Ingo Loose Humboldt-Universität zu Berlin r££££f£££££££££f£££f££f£f£f££££f£rrr£ff££££f£££f£f£££££f£ff£££ff£££££££££££££££££££f££££r££££££f££f£££££££££££££££££fff££££££££££££££f££££££££££££££££££f££££££££££££££££££££f£f££££££fff££££££££££££££********r******************** Festung Europa 70 Jahre nach Evian - Menschenrechte und Schutz von Flüchtlingen Das Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin, der Förderverein Pro Asyl e.V. und der Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilde im deutschen Bundestag luden vom 30. Juni bis zum 1. Juli 2008 zu einer Tagung mit dem Titel "Festung Europa", der sich zugleich als Programm erwies. Vom Standpunkt ausgehend, dass die Konferenz von Evian im Juli 1938, auf der über die Auswanderung deutscher Juden beraten werden sollte, letztlich ergebnislos verlief und keine Auswanderungsmöglichkeiten schuf, sondern die europäischen Juden der Ermordung im Holocaust auslieferte, wurde die heutige Asylpolitik Europas beleuchtet - ein Vergleich, der aus Sicht des Beobachters an allen Ecken und Enden nicht nur hinken musste, sondern schlichtweg nur schwer zu rechtfertigen ist. Zumal die Diskussionen in der Hauptsache um die Undurchlässigkeit derGrenzen und Menschenrechtsverletzungen bei der Migrationskontrolle geführt wurden, ohne Ursachen und mögliche politische Strategien zu beleuchten. Sicher ist das Thema von herausragender Relevanz. Sicher ist jedoch auch, dass - hier analog zu 1938 - Europa nicht in der Lage ist, alle Flüchtlinge aufzunehmen, die es, aus welchen Gründen auch immer, nach Europa drängt. Neben persönlichen Erfahrungsberichten gab es historische und aktuelle Beleuchtungen der Thematik, die teilweise höchst differenziert die Komplexität der Problematik vor Augen führten. Es überwog jedoch die Unzufriedenheit mit der Situation, sicher auch aus dem Gefühl der Hilflosigkeit heraus und mit dem steten Blick auf die historische Verantwortung Deutschlands, die zu merkwürdig anmutenden Lösungsansätzen verleitete: So erklärte Karl Kopp von Pro Asyl, man möge um Einwanderung überhaupt zu ermöglichen das "Kulleraugenprinzip" erwägen - ein Vorschlag, der zwar gut gemeint doch an die Willkür der Vergangenheit erinnert, die wir in unserem demokratischen Rechtsstaat überwunden zu haben glaubten. Gezeigt hat die Tagung eins: Es ist dringend notwendig, Kriterien für eine gesteuerte Einwanderungspolitik zu definieren, die auch Hilfe- bzw. Schutzsuchenden gerecht wird. Nikoline Hansen "Die Mahnung", 8/9 2008