Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2009-01-01 · No. 84 (2009) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2009
Issue
No. 84 (2009)
Date
2009-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/7506414-7413367-7497336--724-7413379
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

12 Die Mitteilungen des Verbandes ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel e. V. 1958-2009 und oberschlesischer Geschichte, das erst durch die neuere Forschung erst wieder mühsam dem Vergessen entrissen werden muss - Isi Aschheim, Arnold Zweig, Ludwig Meidner, Max Tau, Alfred Kerr sind nur einige wenige Beispiele, deren Zahl beinahe beliebig vergrößert werden könnte. Allerdings markierten die Nachrufe der späten 1960er und der 1970er Jahre zugleich auch einen Generationswechsel in Israel: Die Generation der Juden, die als Erwachsene Deutschland hatten verlassen müssen (bzw. noch können), verstarb und diejenigen, die entweder schon in Israel geboren waren oder als kleine Kinder aus Deutschland emigriert waren, verliehen dem Verband der Breslauer und insbesondere den Mitteilungen den einen oder anderen Wandel. Was nun die zahlreichen geschichtlichen Darstellungen über Juden in Breslau und ganz Schlesien, vor allem aus der Feder Bernhard Brillings, anbetrifft, so kapituliert der Leser gleichsam vor der schieren Menge, dem Umfang und der Bandbreite, die es hier zu beschreiben gäbe: Keine schlesische Synagogengemeinde, kein wichtiges Ereignis der jüdischen Geschichte in Schlesien, das im Laufe der Jahre nicht eine Würdigung in den Mitteilungen erfahren hätte. Kein Kaleidoskop könnte farbenprächtiger ausfallen, weil die hier erinnerten Gemeinden und Geschichten angefüllt sind mit persönlichen Erinnerungen, wie sie sonst nur selten Eingang in die Geschichtsschreibung finden. Ein weiteres erwähnenswertes Element der Mitteilungen waren die Bemühungen um eine deutsch-jüdische, genauer müsste man sogar von einer deutsch-polnisch-jüdischen Aussöhnung sprechen. Schwieriger als die (Fortsetzung von Seite 11) persönliche schien dabei die offizielle >Normalisierung< der deutsch-israelischen Beziehungen. Besonders deutlich wurde dies bei der Ernennung von Rolf Friedemann Paul zum ersten bundesdeutschen Botschafter in Israel Mitte der 1960er Jahre. Der gewesene Wehrmachtssoldat Paul, immerhin Ritterkreuzträger im Zweiten Weltkrieg, rief massive Proteste und Demonstrationen in Israel hervor. Die Grußworte des >Verbandes ehemaliger Breslauer in Israel« wiederum heben sich deutlich ab von den Spannungen, die die Person Rolf Pauls' (1915-2002) in Israel zunächst auslöste. Man hieß ihn herzlich willkommen und verband mit seiner Arbeit die Hoffnung, die Förderung der Kulturarbeit, der Toleranz und des Friedens gegenseitig voranzubringen: »Wenn auch unsere in der ganzen Welt verstreut lebenden mehr als 2000 Mitglieder die ersten Opfer eines mörderischen Regimes und die ersten Heimatvertriebenen waren, wenn wir auch in unserer alt-neuen biblischen Heimat und viele von unseren Mitgliedern in anderen Staaten eine neue Heimat gefunden haben, mit der sie aufs innigste verbunden sind und der sie für alle Zeit sich zu Dank verpflichtet fühlen - so glauben wir doch - trotz allem, was unsere ehemaligen Landsleute - das deutsche Volk - uns angetan hat - den Repräsentanten Deutschlands, unserer ehemaligen Heimat in imserem Lande herzlich empfangen und ebenso herzlich begrüßen zu sollen.« Zum Kontext der Aussöhnung gehört auch, dass sich die Mitteilungen zunehmend für Artikel aus Deutschland öffneten. Der Abdruck deutscher Artikel lässt sich interpretieren einerseits als Zeichen für eine gewisse Öffnung in Richtung Deutschland, andererseits aber auch als Ausdruck des Generationswechsels in Israel. Der Wiederabdruck von Artikeln, die zuvor in deutschsprachigen Medien publiziert worden waren, vor allem zu den Themen Antisemitismus« und Neofaschismus«, war daneben auch eine Orientierung über die Lage in Deutschland im direkten Vergleich mit Israel. Dies ging freilich niemals soweit, das Existenzrecht der Juden in Deutschland anzuzweifeln oder sie zur Alijah aufzufordern. Deutlich wurde aber auch, dass man - aus guten Gründen - den eigenen Lebensweg für den richtigen hielt. * Seit den 1990er Jahren und erst recht nach der Jahrtausendwende konzentrierten sich die Mitteilungen zunehmend auf die Veröffentlichung neuerer Forschungen über die Geschichte der Juden in Deutschland und in Breslau bzw. Schlesien im Besonderen. Auf diese Weise versuchten auch die Mitteilungen, in der Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Holocaustleugnung ihren bescheidenen Beitrag zu leisten. Im Übrigen blieb der Verband selbst »der einzige Landsmannschaftsverband, welchem es gelungen ist, eine Zeitung von so hohem Niveau, innerhalb einer Zeitspanne von über 50 Jahren herauszugeben« - worauf man in der Jubiläumsausgabe Nr. 80 (im Jahre 2006) mit berechtigtem Stolz verwies. Für die Geschichts- und Sozialwissenschaften ist die Themenvielfalt der Mitteilungen nicht nur für sich genommen von Interesse, sondern auch und gerade im Rahmen einer übergeordneten Erscheinung, die man in Zeiten einer wachsenden Globalisierung beobachten kann: dass nämlich der Orts- bzw. Regional- und Heimatbezug in einer Welt zunehmender Mobilität nicht nur eine konstante Größe darstellt, sondern sogar

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.