Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2009
- Issue
- No. 84 (2009)
- Date
- 2009-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Die Mitteilungen des Verbandes ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel e. V. 1958-2009 Kosmopolitismus ist durchaus wörtlich zu verstehen: Die neue Heimat, der Staat Israel, unterschied sich in seiner Größe nicht wesentlich von der Provinz Schlesien, war sogar noch etwas kleiner, und die internationale Ausrichtung ergab sich wie selbstverständlich durch die Mitglieder, deren Zahl in den 1970er Jahren auf allen Kontinenten einige Tausend betrug. Ortsgruppen und Vereine ehemaliger jüdischer Breslauer gab es eine ganze Reihe: Neben Gruppen in Israel bestanden Vereinigungen in Los Angeles, New York, London, Birmingham und andernorts. Daneben existierte bereits seit 1955 noch ein Verein ehemaliger Oberschlesier e. V. in Israel, mit dem man später jedoch fusionierte. 4.Die Mitteilungen des Verbandes ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel e. V.< Auch mit der Schaffung eines Mitteilungsblattes nahm man ganz bewusst eine Tradition der Breslauer Gemeinde wieder auf. In bewusster Anknüpfung an das Breslauer Jüdische Gemeindeblatt und die Jüdische Zeitung für Ostdeutschland sollten die Mitteilungen dem sozialen Engagement im weitesten Sinne dieses Wortes untereinander dienen. Wie der Verband selbst, so ging auch sein Mitteilungsblatt auf die Initiative von Dr. Wilhelm Seev Freyhan zurück, der es bis Mitte der 1960er Jahre herausgab und leitete. Alle nachfolgenden Herausgeber (Erich Elieser Lewin und Mordechai E. Hauschner) sorgten nicht nur für eine beachtliche Kontinuität, sondern vermochten den Mitteilungen darüber hinaus einen jeweils besonderen Charakter (Fortsetzung von Seite 9) zu verleihen. Erich Elieser Lewin beispielsweise, der die Mitteilungen nach Freyhans Tod über zwanzig Jahre lang bis 1986 herausgab, sorgte seit den 1960er Jahren für eine starke Erweiterung der Mitteilungen, die teilweise bis auf über 30 Seiten anwuchsen; »sein besonderes Verdienst war es, den Kontakt zu den überall in der Welt verstreuten ehemaligen Breslauer Juden aufzunehmen und zu erweitern«. * Beginnt man die Lektüre bei der ersten Ausgabe und liest sich chronologisch durch alle Ausgaben hindurch, dann sticht in den ersten Jahren vor allem eine Rubrik ins Auge: Suchanzeigen für Verschollene. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass schon in den ersten drei Jahren die Korrespondenz des Verbandes in die Tausende ging. Das Wissen um das Schicksal vieler Angehöriger und Freunde war in den 1960er Jahren noch äußerst lückenhaft, teilweise ist dies noch heute der Fall. Rabbiner Bernhard Brilling, vor 1939 Gemeindearchivar der Breslauer Synagogengemeinde und nach dem Kriege in Münster ansässig, regte damals an, »eine Liste der deportierten Breslauer Juden durch Befragung der am Leben befindlichen anzulegen«. Zu diesem Zweck riefen die Mitteilungen ihre Mitglieder und Abonnenten zur Einsendung aller relevanten Informationen auf. Bis zu einem gesicherten, wenn auch beileibe nicht lückenlosen Forschungsstand über die Deportationszüge aus Breslau und Schlesien in die Gettos und Vernichtungslager sollten jedoch noch Jahrzehnte vergehen. Interessant an den vielen Hundert privaten Suchanzeigen ist vor allem die Entwicklung hin zu einer Art Breslauer Netzwerk, denn neben vielen unbeantworteten Anzeigen gab es ja auch Glücksfälle, in New York, Los Angeles oder Buenos Aires oder auch in Israel im fünf Kilometer entfernten Nachbarort einen früheren Freund, Bekannten oder gar Verwandten wiederzufinden. Als zweiter großer Themenschwerpunkt finden sich zahlreiche Artikel über verschiedene Facetten der NS-Verfolgung in Schlesien und in ganz Deutschland, die zeigen, wie präsent die Erinnerung an die Shoah und die Verfolgungsgeschichte in Breslau war. Dazu gehörte nicht zuletzt auch der alltägliche Antisemitismus in Deutschland, den viele Leser noch aus der Zeit lange vor 1933, erst recht danach erinnerten, so dass Reminiszenzen an die Zeit in Breslau und Deutschland alles andere als rosarot, vielmehr ambivalent waren. Ein wichtiger Teil dieses Themenbereiches waren auch Beratungen zu allen Fragen der Restitution und Wiedergutmachung in der Bundesrepublik, aber auch verschiedentlich Warnungen vor Betrügereien. So wurden die Breslauer Holocaust-Überlebenden und Angehörige in Israel in den 1960er Jahren verschiedentlich aus Deutschland angeschrieben, gegen Zahlung bestimmter Geldsummen für die Pflege von Grabstätten auf den jüdischen Friedhöfen in Schlesien sorgen zu können - nicht wenige bezahlten, aber kaum jemand wusste, dass die Friedhöfe von Cosel und an der ehemaligen Lohestraße in Breslau - nun Wroclaw - in jenen Jahren öffentlich überhaupt nicht zugänglich waren. Allerdings musste man auch hinsichtlich der juristischen Entschädigungspraxis in Deutschland über bedrückende Erfahrungen berichten. So war es bis in die 1960er Jahre hinein »anerkannte Praxis«, dass sogenannte »Goodwill-