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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2009-01-01 · No. 84 (2009) · p. Seite 9

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2009
Issue
No. 84 (2009)
Date
2009-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 Palästina gekommen waren, hatten sich längst zu sehr im Land eingelebt, um es nach dem Holocaust und Zweiten Weltkrieg wieder verlassen zu wollen. Und die wenigen, die den Holocaust überlebt hatten und nach Kriegsende aus Europa nun nach Erez Israel kamen, wussten ebenfalls nur allzu genau, warum sie Deutschland und Osteuropa verlassen hatten. Die wenigen Juden, die in Breslau und Niederschlesien das Kriegsende erlebt hatten, befanden sich im Übrigen in derselben Situation wie die deutsche Bevölkerung in diesen Gebieten insgesamt: auch sie mussten im Laufe des Jahres 1945 das nunmehr polnische Territorium verlassen. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Leben in Palästina und im jungen unabhängigen Staat Israel nach 1948 leicht gewesen wäre. Im Gegenteil: Deutsche Juden standen vor den Klippen einer ihnen fremden Sprache, anderer Gebräuche, höchst unsicherer Berufsaussichten und mussten sich mit den Tücken eines anderen Klimas auseinandersetzen. Und auch nach der Gründung des Staates Israel entwickelte sich im Lande seiner feindlichen Nachbarstaaten wegen alles andere als ein Sicherheitsgefühl. Die aus Deutschland stammenden Juden blieben in Palästina bzw. Israel eine distinkte soziale Gruppe, besser bekannt unter ihrem Spitznamen >Jeckes<. Über dessen Herkunft gibt es zahlreiche Erklärungen und auch Witze. Schon von daher wurden die Jeckes bald ein beliebtes Objekt der Kabarettisten, sie waren sozusagen »die Ostfriesen von Palästina«, wie die langjährige, selbst aus Deutschland stammende Chefredakteurin der >Israel- Nachrichten< Alice Schwarz-Gardos es einmal formulierte. Von jeher waren die Jeckes in zahlreichen Einwanderervereinen in Palästina organisiert. Die Bereinigung der Einwanderer aus Mitteleuropa< (hebr. >Irgun Olej Merkas Europa<, heute: Bereinigung der Israelis mitteleuropäischer Herkunft<) beispielsweise, kurz der Irgun, konnte 2007 auf ihr 75jähriges Bestehen zurückschauen. Noch vor Hitlers >Machtergreifung< gegründet, erlangte der Irgun seine wirkliche Bedeutung erst durch die fünfte Alijah, das heißt die sogenannte »Alijah der Jeckes«. Diese Vereine und Verbände gaben denn auch ein Vorbild ab für den Verband der Breslauer. Die Olim aus Deutschland wollten gewissermaßen beides - ihre deutschen Traditionen und Gewohnheiten beibehalten und zugleich integrale Mitglieder des Jüdischen Staates werden. Dies ging naturgemäß nicht ganz ohne Konflikte ab, vor allem hinsichtlich der öffentlichen Verwendung der nach dem Holocaust tabuisierten oder gar offen angefeindeten deutschen Sprache. Bei den früh, unmittelbar nach Hitlers >Machtergreifung< emigrierten Juden ohne eigene Erfahrungen mit Drangsalierung und Terror war das Verhältnis zur deutschen Sprache zunächst unbefangen, bis dann nach der Shoah das ganze Ausmaß der Verbrechen bekannt wurde und alles Deutsche, eben auch die Sprache, mit einem sichtbaren Stigma versehen war. Die Anhänglichkeit vieler Jeckes an die deutsche Kultur musste in jenen Jahren so manche Bewährungsprobe bestehen. 3. Breslauer und schlesische Juden in Erez Israel Was hielt und hält nun die Breslauer Juden zusammen, in Israel, aber auch weltweit? Die Antwort auf diese Frage schien in den Anfangsjahren zu selbstverständlich zu sein, als dass sie überhaupt gestellt zu werden brauchte. Bezeichnenderweise tauchte sie in den Mitteilungen erst in einer Jubiläumsnummer aus dem Jahre 1983 - mithin 25 Jahre nach der ersten Ausgabe - erstmals explizit auf! Die Gründung des Berbandes ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel e. V.< im Jahre 1958 war in erster Linie motiviert von der sozialen Verantwortung der schlesischen Olim und ihre gegenseitige Unterstützung, erst in zweiter Linie Ausdruck eines Erinnerungsdiskurses. Der langjährige Vorsitzende des Verbandes, Dr. Wilhelm Seev Freyhan (1883-1965), setzte sich zum Ziel, mit Hilfe des Verbandes »den neuen Einwanderern aus Breslau behilflich zu sein, alte Verbindungen wieder aufzunehmen, ihnen Arbeit zu beschaffen und Verwandte zu suchen, vor allem aber den Bedürftigen geldliche Unterstützung zu gewähren«. Freyhan sah in der Verbandsgründung keine Isolation, sondern vielmehr die »Befruchtung einer sozialen Tätigkeit, die dem gesamten Staat nur nützlich sein« könne: »Das Auffinden von Jugendfreunden und Verwandten und der Anschluss an diese muss nicht gleichzeitig zu einer Absonderung von neuen Freunden führen, muss durchaus nicht - besonders hier in Israel - einer Consolidierung der gesamten Volksgemeinschaft in Israel entgegen stehen, wie von den Gegnern befürchtet wurde.« Freyhan formulierte den Zusammenhang zwischen sozialem Handeln und Gedenken an anderer Stelle wie folgt: »Der Verband ehemaliger Breslauer ist kein Vergnügungsverein. Seine Gründung war dem Bemühen einzelner ehemaliger Breslauer zu verdanken, welche in sich die Verpflichtung fühlten, in irgend einer geeigneten Form das Andenken an die alte Heimatgemeinde zu ehren. Sie glaubten, dies nicht würdiger tun und ihre Dankbarkeit für das, was ihnen die Gemeinde von Jugend an geboten, nicht besser beweisen zu können, als durch die Fortsetzung der sozialen Tätigkeit, durch welche sich gerade die Gemeinde Breslau besonders ausgezeichnet hat.« Der Verband verstand sich also wesentlich als »ein Verbindungsglied zwischen den ehemaligen >Breslauern< [...], welche durch das Naziregime in alle Teile der Welt zerstreut wurden«. Diese Verbindung von Heimatbezug und (Fortsetzung auf Seite 10)

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