Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2009
- Issue
- No. 84 (2009)
- Date
- 2009-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Mitteilungen des Verbandes ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel e. V. 1958-2009 Mit der ebenso intensiven wie kontroversen Diskussion über ein in Berlin zu errichtendes "Zentrum gegen Vertreibungen" ist in den letzten Jahren das Thema Flucht und Vertreibung wieder stärker in das öffentliche Interesse in Deutschland gerückt. Zwar ist man von Programmatiken wie »Schlesien bleibt unser«, dem ursprünglichen Motto des Treffens der Schlesischen Landsmannschaft 1985, mittlerweile weit entfernt, aber die Debatte um Restitutionsforderungen deutscher Vertriebener hat in den deutschpolnischen Beziehungen der letzten Jahre viel Porzellan zerschlagen. In den Vertreibungsdebatten der letzten paar Jahrzehnte ist - wenn man nur das Beispiel Schlesiens herausgreift - die Tatsache weitgehend, um nicht zu sagen: völlig unbeachtet geblieben, dass Breslau zum Zeitpunkt der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 mit über 20 000 Mitgliedern die drittgrößte Jüdische Gemeinde im Deutschen Reich, nach Berlin und Frankfurt am Main, besaß und dass Schlesien eine Reihe kulturell und historisch höchst bedeutsamer jüdischer Gemeinden umfasste. Das schlesische Judentum wurde von den Nationalsozialisten nicht nur fast völlig ausgerottet, auch seine Geschichte nach 1933 ist abgesehen von wenigen Ansätzen und einer ersten Monographie aus der Feder des amerikanischen Osteuropahistorikers Abraham Ascher, der als Kind aus Breslau fliehen musste, noch immer nicht angemessen und erschöpfend geschrieben. Eine wichtige Quelle für die Geschichte der Breslauer und allgemein der schlesischen Juden sind vor diesem Hintergrund der »Verband ehemaliger Breslauer und von. Dr. Ingo Loose Schlesier in Israel e. V.< und sein Mitteilungsblatt, das im Jahr 2009 auf sein einundfünfzigjähriges Erscheinen und weit über 80 Ausgaben zurückblicken kann. Dies allein ist schon Grund genug, die Mitteilungen selbst zum Gegenstand der Betrachtung zu machen. 1. Emigration schlesischer Juden nach Palästina nach 1933 Man neigt aus heutiger Sicht leicht zu der Annahme, dass sich die Juden in Zeiten wachsender Bedrohung und Bedrängung in den letzten Jahren der Weimarer Republik und erst recht nach der nationalsozialistischen >Machtergreifung< 1933 wie selbstverständlich zur Emigration nach Palästina gewandt hätten. Diese Annahme ist aber leider nur zum Teil richtig. Eine Statistik über die Tätigkeit der Auswandererberatungsstelle der Breslauer Synagogengemeinde zwischen 1924 und 1933 lässt erkennen, dass Palästina als Emigrationsziel bis 1932 praktisch keine Rolle spielte. Die Situation änderte sich auch nach 1933 nicht schlagartig. Dabei ist zu bedenken, dass viele Mitglieder der bürgerlich-wohlhabenden Breslauer Gemeinde wie die übrige bürgerliche Mitte der deutschen Juden dem - wie man heute weiß - furchtbaren Irrtum erlagen, Hitler und die Nationalsozialisten seien nur ein kurzes Kapitel, das man gleichsam aussitzen könne. Die Breslauer Juden fühlten sich wie übrigens die überwältigende Mehrheit der deutschen Juden auch zuvörderst als Deutsche, und der Zionismus war Anfang der 1930er Jahre letztlich noch immer eine kleine Minderheitsbewegung, die von der Mehrheit der liberalen jüdischen Kreise abgelehnt wurde. Insgesamt verließen zwischen 1933 und 1939 immerhin knapp 60.000 Juden Deutschland und gelangten nach Palästina. Der überwiegende Teil davon waren Kinder und Jugendliche bzw. jüngere Erwachsene, diejenigen also, die darauf hoffen konnten, sich in der Emigration noch ein neues Leben aufbauen zu können. Es ist jedoch unmöglich zu sagen, wieviele der insgesamt knapp 10.000 Breslauer Juden, die bis 1940 Deutschland verließen, nach Palästina gelangten. Viele jüdische Emigranten, die in Ländern Europas Zuflucht vor der Verfolgung gesucht hatten, wurden im Zweiten Weltkrieg von ihren Peinigern wieder eingeholt und doch noch in die Ghettos und Vernichtungslager deportiert. Auch fehlen in Israel entsprechende genauere statistische Angaben über die Herkunftsregionen, so dass man auf Spekulationen angewiesen bleibt. Viel wichtiger für den vorliegenden Zusammenhang sind jedoch die zwei Traditionen, die die Breslauer Synagogengemeinde von jeher auszeichneten: Einerseits eine nennenswerte jüdische Presse, vor allem ein bedeutendes Gemeindeblatt, und andererseits das herausragende soziale Engagement innerhalb der Gemeinde. 2. Die Jeckes in Palästina/Israel vor und nach der Shoah Am Anfang der Geschichte der »ehemaligen Breslauer in Israel« nach dem Zweiten Weltkrieg stand nicht etwa der Blick zurück, sondern der Blick nach vorn. Die Juden, die in den 1930er Jahren nach