Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2009-01-01 · No. 84 (2009) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2009
Issue
No. 84 (2009)
Date
2009-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/7506414-7413367-7497336--718-7413373
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

6 Feld 24 auf dem jüdischen Friedhof in Cosel Es war in den Jahren 1943 - 44, als es keine jüdische Gemeinde mehr in Breslau gab, als nur noch an die 200 Mischehen dort lebten und die jüdischen Partner dieser Ehen und deren Kinder die einzigen Sterne waren, die noch in dieser dunklen Stadt leuchteten. Man hatte uns alle Gebäude weggenommen, das jüdische Krankenhaus, den Gemeindekomplex Wallstrasse mit dem "Storch", der ein Schuppen geworden war. Aber man gab uns grossmütig einiges Inventar an Betten, Instrumenten und nötigen Dingen, um eine Krankenstation in dem Verwaltungsgebäude des jüdischen Friedhofs in Cosel einzurichten. Eine Krankenstation für die jüdischen Teile der Mischehen und deren Kinder. Ich hatte das grosse Glück dort zu arbeiten, inmitten meiner Vorfahren, auf "dem guten Ort", wo man nicht soviel merkte von Hass und Verfolgung, trotzdem die Gestapo jeden Tag ihren Besuch dort abstattete. von Karla Wolff (geb. Grabowski) Naharija, Isr. So richteten wir im Verwaltungsgebäude des Friedhofs die Krankenstation ein. Die ehemalige Blumenhalle wurde der Operationssaal, es gab 3 Krankenzimmer, ein Ärztezimmer, Büro und Küche und im ersten Stock das Laboratorium und ein Isolierzimmer. Wir waren 4 Ärzte, 3 Krankenschwestern, eine Küchenchefin, ein Laborant, 2 Büroherren und ich war Mädchen für alles. Alle, die dort arbeiteten hatten einen Ausweis die Strassenbahn benützen zu dürfen, ich hatte noch einen Spezialausweis ein Fahrrad zu halten, denn ich war der Einkäufer. Auf einer meiner Fahrten begegnete ich einem Lastauto mit stehenden Männern, die alle einen weissen Stern auf Brust und Rücken trugen und ringsherum bewaffnete Soldaten. Ich traute meinen Augen nicht, gab es noch Juden in dieser Stadt? In unserer Nähe? Ich fuhr schnell hinter ihnen her und zeigte ihnen meinen Stern, aber eine Unterhaltung war natürlich nicht möglich. Jeden Tag erwartete ich das Auto und so erfuhr ich, dass es einige Arbeitslager um Breslau herum gab und das die Häftlinge auf verschiedenen Baustellen arbeiteten. Das waren Neuigkeiten für uns! Wir versuchten auf allen möglichen Wegen Verbindung mit diesen jüdischen Häftlingen zu finden, und es gelang uns auch. Ab und zu konnten wir auf den unmöglichsten Wegen ihnen mit ein wenig Essen, Medikamenten und sogar Gebetbüchern helfen. Mit dem Fahrrad war ich mehr beweglich. Wenn die Baustellen nicht zu weit waren, konnte ich in die Nähe kommen und in vereinbarten Verstecken Brot, Medikamente und Kleidung dort lassen. Nicht immer gelang es. Wir sammelten von allen Familien, was sie entbehren konnten. In einem Versteck fanden wir einmal einen Zettel, dass eine andere Gruppe jeden Morgen am hinteren Tor des Friedhofs zur Arbeit vorbei ging und sie baten dringend um verschiedene Sachen. Einer von uns stand vor 6 Uhr am hinteren Tor Wache und wenn sie kamen wurden die Päckchen durch das Gitter auf den Weg geworfen. Wir hatten alle Glück, dass es Soldaten waren, die als Wachtposten eingesetzt waren. Heute denke ich oft, es war uns wohl garnicht bewusst, was wir oft aufs Spiel setzten, um den Kontakt mit den jüdischen Häftlingen zu erhalten, um ihnen, soweit es möglich war, das Los zu erleichtern. Die Verordnungen wurden immer strikter, Menschen verschwanden und man hörte nichts mehr von ihnen. Manchmal bekam man eine Urne mit Asche zurück, sie seien an Herzschwäche oder ähnlichem gestorben. *• \ *9 Wk. Das Personal der Krankenstation auf dem Coseler Friedhof im Jahr 1943. Hinten von links: Dr Hayn, Dr. Hirsch-Kaufinann, Pfleger Löwy, Dr. Garnmann, Herr Widkan und Herr Schäffer vom Büro, Herr Elsner, der Hausmeister, Dr. Schüler. Zweite Reihe von links: Suse Gattei, Irene Paiser, Schwester Nora (?), Ruth Roth (?), Klara Grabowski und vorne Klaus (?) vom Labor. (Fortsetzung auf Seite 24)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.