Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2009
- Issue
- No. 84 (2009)
- Date
- 2009-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Am nächsten Morgen, Freitag, fuhren wir durch Breslau, um unseren Kindern und Enkeln noch andere Stellen zu zeigen. Wir fuhren am früheren jüdischen Krankenhaus vorbei. Wie schon erwähnt, wohnten meine Großeltern Gottheiner hier, bevor sie nach Theresienstadt verschickt wurden. Wir besuchten wieder die Jahrhunderthalle, die seit unserem letzten Besuch im Jahre 1999 renoviert wurde und in einem guten Zustand war. Dann fuhren wir zur Wallstraße, zum Storch und zur jüdischen Gemeinde, die in dem gleichen Haus ist, in dem die Hirschbergs früher ihre Wohnung hatten. Durch Anna, die uns weiter begleitete, hatten wir verabredet, dass uns jemand in der Storch-Syngoge Einlaß gewähren würde. Ein jüdischer Mann von ungefähr 60 Jahren emfing uns im Hof vor der Synagoge und öffnete die große Tür zur Synagoge. Er sprach gut Englisch, so dass meine Enkelkinder und Kinder alles verstehen konnten. Er erzählte uns die Geschichte der Juden Breslaus und antwortete auf Fragen, die ihm gestellt wurden. Die Synagoge ist noch immer nicht fertig renoviert, weil es an Geld fehlt und da sie so groß ist und nur wenige Juden zum Gottesdienst kommen, wird sie meistens nur für Konzerte und Aufführungen benutzt. Zum Schluß sagte er mit trauriger Stimme: "Ja, hier ist seit Jahrzehnten kein Gottesdienst mehr abgehalten worden." Mein älterer Sohn, David, schaute auf seine Uhr, sah, dass es 2 Uhr nachmittags war und meinte, wir könnten eigentlich Mincha davenen. In unserer Familie waren neun Männer und mit dem Mann, der uns in die Synagoge geführt hatte, waren wir zehn und hatten einen Minyan. Wir fanden ein halbes Dutzend Siddurim und daveneten Mincha. Als wir uns verabschiedeten hatte unser Führer Tränen in den Augen. Er lud uns ein, am nächsten Morgen, Schabbat, um 9.30 Uhr zum Gottesdienst in der früheren Alltagssynagoge zu kommen. Er fügte hinzu, dass kein Rabbiner da sei und wahrscheinlich auch kein Minyan. Wir versicherten ihm, dass wir unseren eigenen Minyan mitbringen würden (9 Männer!). Pünktlich um 9.30 Uhr waren wir an Ort und Stelle. Es waren vielleicht 12 Männer und 10 Frauen in der Alltagssynagoge. Sie sassen ziemlich benebbicht da und warteten wer weiß auf was. Einer meiner Enkelsöhne stellte sich aufs Omed and fing an Schacharit zu davenen. Ein zweiter Enkelsohn und ich leinten und mein Schwiegersohn Mark Joseph hatte Maftir. Mein Sohn David davenete Mussaf. Jeremy, ein anderer Enkelsohn, sang Ein Kelauhenu. Wie er bei Oleynu anlangte, kam ein junger Mann auf mich zu und sagte in gutem Englisch, dass einige der Ansässigen mich bitten würden, ein Dvar Torah zu bieten, er würde es vom Englischen ins Polnische übersetzen. Wie konnte man 'nein' sagen? Die Parasha war Balak, und so erzählte ich kurz die Geschichte, wie Balak den Bileam herholte, um Israel zu verfluchen. Aber es nützte nichts, denn G"tt wandelte den Fluch in Segen. Und dann erzählte ich, dass ich vor 70 Jahren in demselben Gebäude in die Schule ging, und trotz Hitler und seinen Nazis sind wir heute 18 Mann hoch, Chai, eine starke, jüdische Familie, die alles überwunden hat und wieder in Breslau zu Besuch ist, während die Nazis und ihre Helfer nicht ihr tausendjähriges Reich durchgeführt haben. Unser jüngster Enkelsohn, Benjamin, stand auf und sang herrlich 'An'nim Zemirot' und beendete damit den Gottesdienst. Viele weinten und 5 schüttelten uns die Hände. Wir aßen dann ein koscheres Mittagessen mit der Chevrah, sangen Zemirot und bentschten. Gegen 3 Uhr nachmittags gingen wir ins Hotel zurück. Am nächsten Morgen, Sonntag, stiegen wir in unseren Bus und fuhren nach Prag. Am Montag sahen wir uns Prag an und am Dienstag fuhren wir nach Theresienstadt. Nachdem wir durch die Anlage und das Museum gegangen waren, fand ich einen Archivar, der mir auf seinem Computer die Statistiken unserer. Verwandten suchte, die in Theresienstadt gewesen waren. Drei meiner Großeltern, beide Gottheiners und meine Großmutter Fischer sind in Theresienstadt an Krankheit und Hunger gestorben; auch meine Tante Hilda Hauschner, die Mutter des Redakteurs dieser Zeitung. Zwei Tanten meiner Frau haben Theresienstadt überlebt und sind nach dem Krieg nach Chile bzw. den USA ausgewandert. Der Archivar fand alle ohne große Mühe und druckte mir Kopien der Einzelheiten über alle ab, so dass ich diese meinen Enkelkindern geben konnte. Unsere Reise war sehr emotionell für uns Alle. Meine Enkelkinder sprechen noch öfters darüber und ohne Zweifel hat sie das Miterlebte sehr berührt. Am Mittwoch, den 16. Juli flogen wir in die Vereinigten Staaten zurück. Dr. Hans Fisher, Professor Emeritus, Rutgers University fisher@aesop.rutgers.edu 216 North 3rd Avenue Highland Park, NJ 08904!