Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2009
- Issue
- No. 84 (2009)
- Date
- 2009-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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4 Drei Besuche in Breslau (Fortsetzung von Seite 3) unsere Juden betrogen haben." Er wurde ganz rot im Gesicht und wechselte das Thema. Wir stiegen wieder in unseren Bus und fuhren in Richtung Breslau. Unterwegs hielten wir für anderthalb Stunden in Oppeln, jetzt Opole, an, wo mein Schwiegervater, Erich Hirschberg, als Richter amtiert hatte bis er als Jude abgesetzt wurde und nach Berlin übersiedelte, bis zu seiner Auswanderung nach Chile. In einem Antiquariatsladen fanden wir eine Landkarte der Stadt aus den dreißiger Jahren und suchten dann die Straße, in der die Hirschbergs gewohnt hatten. Wir fanden die Straße, aber das Haus stand nicht mehr. Wir aßen ein verspätetes Mittagessen in Oppeln und machten uns dann auf, um nach Breslau zu fahren, dem letzten Teil unserer Reise. Am Mittwoch kamen wir gegen Abend im Hotel an. Ich war überrascht, sehr viele Japaner und Südkoreaner zu sehen. Der Hotelportier erzählte mir, dass zwei große Betriebe, ein japanischer und ein südkoreanischer, an die 10.000 Polen in Breslau beschäftigen. Beide Firmen produzieren Computer Software. Der Eindruck bei dieser dritten Begegnung mit Breslau war ganz anders als die beiden vorigen. Die Stadt war sauber, hell, anständige Straßen und der jahrzehntelange schwarze Ruß aus den vierziger Jahren war entweder weggewaschen oder weggestrichen. Am Donnerstag holte uns Anna ab, sie hatte uns bei unserem zweiten Besuch herumgeführt. Wir hatten unseren Bus und fuhren erst zum Friedhof Cosel, der jetzt auch wieder ziemlich ordentlich aussah, jedenfalls von aussen. In der Nähe des Eingangs zum Friedhof liegen die Gräber der heutigen jüdischen Gemeinde. Es gab viel freies Gelände, denn die früheren Gräber waren meistens nicht mehr da. Es gab wenig, das noch auf die Vergangenheit hindeutete. Eine bedeutende Ausnahme war eine hohe Gedenksäule mit folgender Inschrift: 'Zur Erinnerung an die jüdischen Soldaten Breslaus, die ihr Leben fürs Vaterland hingaben, 1914-1918'. Nach wenigen Minuten fanden wir die Namen der vier Brüder meiner Mutter, geborene Gottheiner, die alle vier im ersten Weltkrieg gefallen waren. Nach dem Tod des dritten Bruders schickte die Armee ein Telegramm an das Regiment, indem der vierte Bruder diente, damit er aus der Armee entlassen würde. Aber es war schon zu spät. Auch er fiel kurz bevor das Telegramm ankam. Dieses Denkmal mit den Namen unserer Familie ging uns sehr nahe. Vor allem, als wir uns bewusst wurden, dass mein Großvater, der seine vier Söhne "dem Vaterland" geopfert hatte, selbst 1942 in Theresienstadt an Hunger gestorben war! Von Cosel fuhren wir zu der Lohestraße, zum anderen jüdischen Friedhof. Trotzdem dieser in vieler Beziehung in besserem Zustand ist, lassen sich noch lange nicht mit einiger Leichtigkeit Gräber finden und besuchen. Das Grab des Großvaters meiner Frau, Justizrat Hirschberg, hatten wir schon bei unserem zweiten Besuch finden können. Er war einer der angesehensten Personen der jüdischen Gemeinde Breslaus, deren Gräber der polnische Historiker Lagiewski ausfindig gemacht hatte. Wir gingen zu dem Grab und nachdem ich dem polnischen Wärter ein gutes Trinkgeld gegeben hatte, brachte er uns zwei Eimer Wasser und eine Bürste, so dass wir die Grabsteine säubern konnten. Wie schon vorher erwähnt, war das Grab der Schwester meiner Frau neben dem Grab des Großvaters. Wir säuberten beide Grabsteine so gut es ging und stützten sie soweit wir konnten. Dann suchten wir das Grab der Mutter des Großvaters, da wir herausgefunden hatten, dass sich ihr Grab ebenfalls in der Nähe der anderen zwei Gräber befand. Nach langem Suchen fanden wir es. Die Inschrift auf dem Grabstein war ganz in Hebräisch, anders als die Inschrift auf den Grabsteinen des Großvaters und der Schwester meiner Frau, die teilweise auf Deutsch und teilweise auf Hebräisch war. Wir säuberten auch diesen Stein und hatten ungefähr anderthalb Stunden damit verbracht. Als wir den Ort verließen, sagte mein jüngster Enkelsohn, knapp 7 Jahre alt, "Grandpa, bist du sehr traurig? Ich bin es und werde mich immer daran erinnern und es auch meinen Kindern erzählen, dass wir hier gewesen sind!" Der Wärter, der nach dem Trinkgeld besonders hilfsbereit war, kam zu mir, als wir die Gräber der Verwandten meiner Frau verließen und zeigte mir die gesamte Liste der Gräber auf dem Friedhof Lohestraße. Leider war keine Spur von meinem Großvatger Fischer, der auch hier begraben war.