Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2009
- Issue
- No. 84 (2009)
- Date
- 2009-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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später am Nachmittag treffen sollten. Am nächsten Morgen fingen wir unsere Tour mit unserer Bekannten, Anna, an indem wir zum Friedhof an der Lohestraße fuhren. Seit unserem letzten Besuch 1990 war ein kleines Museum errichtet worden, das interessante Auskunft über die jüdische Gemeinde in Breslau veröffentlicht. Der Friedhof selbst war auch etwas gepflegter, trotzdem die meisten Gräber noch immer schwer zu erreichen und die Grabsteine meistens umgeworfen waren. Anna, die mit meinem Schwager Carlos Hirschberg schon im Jahr zuvor das Grab von Justizrat Hirschberg, dem Großvater meiner Frau Ruth, geborene Hirschberg, ausfindig gemacht hatte, brachte uns jetzt dorthin. Mit Putzmitteln, Wasser und Bürste wollte sie den Grabstein säubern, der ebenfalls umgefallen lag. Neben dem Grab ihres Großvaters war das Grab von Ruths Schwester, die einen Monat vor der Auswanderung der Hirschberg Familie nach Chile an Diphtherie gestorben war. Sie war in dem Grab beigesetzt worden, das für Frau Justizrat Hirschberg, die mit nach Chile ging, bestimmt gewesen war. Als wir im Begriff waren, den Friedhof zu verlassen, trafen wir einen jungen Mann, er hieß Arthur, ein Pole aus Krakow. Er hatte in München gearbeitet und dort das Buch von Willy Cohn "Die Juden aus Breslau" gelesen. Er war ganz hingerissen von dem Material und war auf dem Friedhof, um kleine Steine auf das Grab von Willy Cohns Vater zu legen! Er bat, mich später zu treffen, um ihm mehr über Breslaus jüdische Vergangenheit zu erzählen. Am nächsten Tag, einem Schabbat, gingen wir zur Wallstraße, wo angeblich in der Alltagssynagoge gebetet werden sollte. Wir kamen pünktlich um 9.30 Uhr an. Es waren 14 Männer und 8-10 Frauen da. Ein älterer Herr fing an, zu davenen, aber ließ Kaddisch und Borchu aus und wiederholte die Amida nicht. Ich ging zu ihm und fragte ihn, warum er nicht alles sagte; er versicherte mir, dass kein Minyan da sei. Er zeigte auf einen Mann und sagte, er wäre nicht beschnitten, ein anderer hätte keine jüdische Mutter, usw. Die meisten wären aus Mischehen, meinte er. Meine Frau sah einen Mann hereinkommen, sich hinknien und sich dann bekreuzigen bis ihm scheinbar ein Licht aufging, dass man das hier nicht machte! Wir hofften, dass der Rabbiner, der erwartet wurde, etwas Ordnung in diese Kehilla bringen würde. Wir verzichteten auf den Kiddusch nach dem Gottesdienst, da es stark regnete und wir zurück ins Hotel laufen mussten. Anna zeigte uns die Jahrhunderthalle, wo Hitler oft seine Reden hinausgebrüllt hatte. Das Gebäude war in ziemlich schlechtem Zustand und war leer, wie der ganze große Platz davor. Wir gingen auch in die Markthalle, wo Gemüse, Obst und Blumen verkauft wurden. Meine Frau hatte viele schöne Erinnerungen dort, wo sie mit ihrer Großmutter einkaufen gegangen war. Apropos Großmutter, wir besuchten die Wohnung ihrer Großeltern Hirschberg, die auf der Wallstraße, gegenüber der Storch- Synagoge lag. Mit kleinen Veränderungen war die Wohnung in gutem Zustand und die Leute, die jetzt dort wohnten, waren gern bereit, sie uns zu zeigen. Nicht aber die Leute, die in der Wohnung der anderen Großeltern meiner Frau (Landsberger) wohnten: Sie öffneten kaum die Tür und als Anna mit den Leuten sprach, verweigerten sie uns den Eintritt. Anna meinte, diese Leute hätten die Wohnung nach dem Krieg einfach "besetzt" und hatten Angst, dass man jetzt vielleicht einen Anspruch auf sie erheben könnte. Sonntag Nachmittag fuhren wir mit dem Zug von Breslau nach Berlin. Wir teilten ein Abteil mit einem deutschen Ehepaar; er war Lehrer im Ruhestand. Oft hatte er seine Schulklasse nach Israel, Krakow und Auschwitz gebracht. Dritter Besuch Am 6. Juli 2008 flogen wir, unsere 3 Kinder mit ihren Familien, meine Frau und ich - 17 Personen - nach Krakow. Montag, den 7. Juli verbrachten wir in Krakow und sahen uns die jüdischen Teile der Stadt sowie die Jagellonische Universität an. Am nächsten Morgen fuhren wir mit einem gemieteten Kleinbus nach Auschwitz, wo wir fast den ganzen Tag verbrachten. Als wir das Lager verließen, drehte sich unser polnischer Fahrer zu mir und sagte: "Vor etwa zwei Wochen führte ich eine jüdische Familie aus den Vereinigten Staaten nach Radom, wo sie herstammten. Als wir das Haus der Großeltern fanden, stieg der Enkelsohn die Treppe hinauf und klingelte. Zu seinem Erstaunen öffnete ein Israeli die Tür. Er hatte diese Wohnung von der polnischen Regierung zugewiesen bekommen." Die Ironie unseres Fahrers war klar: "Ihr Juden (Israelis) bescheisst sogar eure eigenen Leute." Da unser Fahrer schon vorher keinen besonders guten Eindruck auf mich gemacht hatte, war ich fast darauf vorbereitet, so eine Geschichte von ihm zu hören. "Ja," sagte ich ihm, "für jeden Juden, der so etwas getan hat, gab es wahrscheinlich hunderttausend Polen, die (Fortsetzung auf Seite 4)