Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2009
- Issue
- No. 84 (2009)
- Date
- 2009-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/7506414-7413367-7497336--714-7413369- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2 Drei Besuche in Breslau Erster Besuch Die Familie meiner Frau und meine Familie stammen alle aus Breslau, obwohl meine beiden Großväter in Kempen geboren waren und erst wenige Jahre vor dem ersten Weltkrieg nach Breslau gezogen sind. 1990, gerade noch bevor die Kommunisten ihre Herrschaft in Polen beendeten, wurde ich von der Universität Wroclaw eingeladen, einen Vortrag auf dem Gebiet Biochemie zu halten. Wir flugen von New York nach Warschau und nach längerem Aufenthalt in Warschau weiter mit einem DC3 Flugzeug nach Breslau. Der Flugplatz in Breslau, wenn man ihn so nennen kann, war nur ein kleiner Streifen ebener Erde, ohne viele Gebäude oder Paraphernalia für Gepäck oder Wartegelegenheiten. Wir wurden bei einem Professor der Mathematik einquartiert, da es damals sehr wenige anständige Hotels gab. Der Professor hatte ein ganz modernes, schönes Haus und er erzählte uns, wie er mit Bestechungen von Bauleuten, die für die Regierung arbeiteten, es fertig gebacht hatte, sich so ein Haus hinstellen zu lassen. Alle Baumaterialien waren gestohlen, denn es gab einfach keine Möglichkeit, sie zu kaufen. Als das Haus ungefähr ein Drittel fertig war, kam eines Tages der Meister ganz aufgeregt zu dem Professor, die Erde hätte sich gesenkt, zusammen mit dem Fundament des Hauses. Was tun? Der Professor fand einen Fachmann, einen Ingenieur, der den Boden untersuchte und feststellte, dass der Boden sich überhaupt nicht gesenkt hätte. Es stellte sich heraus, von Dr. Hans Fisher dass die Firma, die die Bausteine hergestellt hatte, die Regierung betrogen und alle Steine um ein paar Zentimeter kürzer gemacht hatte! 1990 konnte man überhaupt nicht auf den Cosel-Friedhof gehen - er war vollkommen verwüstet. Die Lohestraße war so voll von Brennesseln, dass man sich auch nicht viel zu suchen wagte. Ein paar Gräber, wie das von Lasalle, Haber, der Mutter von Edith Stein, waren in ziemlich gutem Zustand, aber alle anderen waren in einem schlechten Zustand. Als Kind ging ich in die Jüdische Schule in der Wallstrasse, eine Abteilung der Rhediger Schule, die neben der Storch- Synagoge lag. Ich fand es sehr ironisch, dass nach so vielen Jahren die Fensterscheiben in dem Schulgebäude noch immer ihren Mögen Dovid hatten, das heisst, sie waren nicht zerstört worden, weder von den Nazis noch von den Kommunisten! Wir trafen keine Juden, versuchten bei der "Gemeinde" anzurufen, aber niemand antwortete. Mein Vortrag auf der Universität war gut besetzt und war scheinbar auch verstanden worden, denn ich beantwortete fast eine Stunde lang Fragen der Schüler und Professoren. Der Rektor der Universität veranlasste den Bibliothekar, nachzuforschen, ob man Dokumente meines Vaters und Schwiegervaters, die beide dort ihren Dr. Jura abgelegt hatten, finden könnte. Als wir nach dem Vortrag in die Bibliothek kamen, empfing uns der Leiter mit herrlich weißen Kopien der Abschlußzeugnisse und Diplomen unserer zwei Väter. Ein englisch und deutsch sprechender junger Mann von der Universität führte uns durch Breslau. Gerade zu dieser Zeit war ein Verzeichnis der Straßennamen von Breslau und ihrer heutigen polnischen Namen veröffentlicht worden. So fanden wir die Wohnungen meiner Großeltern Gottheiner, die auf der Wallstraße gewohnt hatten, wie auch die Wohnung von Justizrat Hirschberg, der Großvater meiner Frau. Letzterer wohnte direkt am Storch- Synagogenhof, Wallstraße 5. Wir fuhren am früheren jüdischen Krankenhaus vorbei, wo meine Großeltern später im Altersheim wohnten bevor sie nach Theresienstadt, über Tormersdorf, abgeschoben wurden. Von Breslau flugen wir über Warschau nach Rom. Das war ein Kulturschock! Zweiter Besuch Dieses Mal erreichten wir Breslau am 10. Juni 1999 per Bahn von Krakow. Wir wurden am Bahnhof in Breslau von einer Wissenschaftlerin und ihrer Tochter, die Freunde meines Schwagers, Carlos Hirschberg, Chef der Abteilung Molekular und Cellular Biologie an der Boston Universität, School of Dentistry, erwartet und zum Hotel Wroclaw gefahren. Das Hotel war relativ modern und airconditioned und in der Nähe der Wohnung unserer Bekannten. Es war geplant, dass wir Herrn Lagiewski, ein polnischer Historiker, der sich mit der jüdischen Geschichte Breslaus befasst hat,