Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2008
- Issue
- No. 83 (2008)
- Date
- 2008-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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21 schreiben, wie wir Deutschland verlassen haben. Anni und ich waren in den Jahren 1934-35 auf 'Hachschara1, um ein Zertifikat für die Auswanderung nach Erez-Israel zu erhalten; ich als Gärtner und Anni als in der Landwirtschaft und später im Haushalt Ausgebildete. Im August 1935 erhielt Anni die Nachricht, dass ihre einzige Schwester, die bereits zwei Jahre vorher nach Palästina ausgewandert war, dort unter tragischen Umständen gestorben sei. Das warf unsere Pläne um, denn ihre Mutter wollte sie nun nicht fahren lassen. Wir waren damals schon verlobt und so gab auch ich meine 'Hachschara' auf unmd damit die Möglichkeit, ein Zertifikat für die Einwanderung nach Palästina zu erhalten. So kehrten wir beide nach Breslau zurück. Ich war damals zusammen mit meinem Vater im kaufmännischen Beruf tätig, bis sich die Lage für Juden immer mehr verschlechterte und ab Sommer 1938 war auch dies nicht mehr möglich. Bei einer meiner Reisen als Handelsvertreter, als ich an den Geschäften die Schilder sah: "Der Deutsche grüßt 'Heil Hitler'" und "Juden unerwünscht" oder "Juden und Hunden ist der Eintritt verboten", war ich verzweifelt und als ich bei einem Büro der Deutschen Einheitsfront vorbei kam, riß ich dort das Schild "Der Deutsche grüßt 'Heil Hitler' herunter und zerriß es in kleine Stücke. Dies wurde beobachtet und man lief mir nach und ich wurde in das Büro der Deutschen Arbeitsfront zurückgebracht. Dort wurde die Polizei benachrichtigt, die mich ins Gefängnis brachte. Ich wurde von der Gestapo verhört und nach zwei Monaten Gefängnisaufenthalt kam ich vor ein Sondergericht und wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Als ich diese Zeit hinter mir hatte, es war im Februar 1939, bestand die Gefahr, dass die Gestapo, anstatt mich freizulassen, mich in ein Konzentrationslager verschleppen würde. Meine Eltern hatten jedoch eine Vorbuchung für die Ausreise nach Schanghai für mich gebucht und auf Grund dessen wurde ich freigelassen, mit der Anweisung, dass ich mich bei der Polizei in Breslau zu melden hätte. Ich war nun bei der Gestapo auf der Liste und 'eligible' (geeignet) für ein Einreisepermit in das Kitchener Refugee Camp in England. Auf meine Bewerbung erhielt ich einen positiven Bescheid. Unterdessen bemühte sich Anni um ein 'Domestic Permit' für England und das traf dann auch beinahe zur selben Zeit ein, wie ich mein Permit erhalten hatte. So waren wir in der glücklichen Lage, dass wir im Juli 1939 Deutschland zusammen verlassen konnten. Meine Eltern und mein einziger Bruder blieben in Deutschland zurück und trotz ihrer Bemühungen, gelang es ihnen nicht, aus Deutschland auszuwandern. Da wir erst im Juli 1939 nach England gekommen waren und im September 1939 bereits der Krieg begann, war jede Verbindung zwischen uns abgebrochen und ich konnte nichts für sie tun. Wie ich durch das Rote Kreuz erfahren habe, wurden meine Eltern nach Theresienstadt verschickt und von dort aus nach Polen in ein Vernichtungslager. Ich habe nichts mehr von ihnen gehört. Das gleiche gilt für Annis Mutter. Dies sind meine persönlichen Erlebnisse, die ich damals durchgemacht habe. In Großbritannien blieben wir bis 1948 und nach der Proklamation des jüdischen Staates sind wir dann im Juli 1948 in Israel eingewandert. Große Ausstellung über die Geschichte von Breslau ... Herr Müller gab mir Ihre E-mail-Adresse und Telefonnummer. Er weiß, dass unser Museum die große Ausstellung über die Geschichte von Breslau vorbereitet. Unser Direktor, Herr Maciej Lagiewski, schrieb viele Bücher, die die Problematik der Breslauer Jüdischen Gemeinde betreffen. Ich hoffe, dass Sie diese Veröffentlichungen kennen. In dem Rahmen unserer Ausstellung möchten wir auch diese Thematik präsentieren. Aus diesen Gründen suchen wir Malerei- und Graphikgegenstände, persönliche Andenken und Dokumente, Handwerk- und andere Objekte, die mit der Geschichte von Breslau verbunden sind. Vielleicht haben Mitglieder des Verbandes ehemaliger Breslauer oben genannte Objekte von Breslau. Wenn es möglich wäre, möchten wir eventuelle Objekte leihweise bis zu einem Jahr erhalten. Wir hoffen, dass unsere Kooperation möglich ist. Wir planen, die Ausstellung dieses Jahr im Oktober zu eröffnen. Vielen Dank für die 'Mitteilungen' und den Gedanken, uns zu helfen. Unsere Adresse: Muzeum Miejskie, Wroclawia, 50-107 Wroclaw, ul. Sukiennice 14/15, Tel.: 0048/71 /347.16 90.91 - an mich, und Tel.: 347 16 92 - an Direktor Lagiewski. Wir beabsichtigen, Ihnen das Buch zu senden und bitten um Ihre Adresse. Mit freundlichen Grüßen Halina Rozen-Okolska