Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2008-01-01 · No. 83 (2008) · p. Seite 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2008
Issue
No. 83 (2008)
Date
2008-01-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/7506414-7413342-7497326--708-7413364
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

22 H ATI KVA e.V. Dresden Aktion SUhnezeichen - Friedensdienste Zur Geschichte der deutsch-jüdischen Gemeinde von Breslau 1. Juden lebten möglicherweise in Breslau schon vor 1000 Jahren. Erste eindeutige Belege stammen aus der Zeit des Neuaufbaues der Stadt durch überwiegend deutsche Siedler aus verschiedenen Gegenden des Heiligen Römischen Reiches nach den Verwüstungen durch die Mongolen (um 1244). Über verschiedene Etappen der Vertreibung, Verbannung und Wiederansiedlung der Juden berichten die Chroniken. Viele der bis zum Holocaust in der Stadt ansässigen Familien konnten ihre Ahnenreihen mehrere Jahrhunderte zurückverfolgen. 2. Die Synagogengemeinde zu Breslau, als E i n h e i t s g e m e i n d e liberaler und konservativer Juden, war für viele jüdische Gemeinschaften in den anderen Städten und deutschen Ländern das große Vorbild. Die Synagogengemeinde bildete den religiösen Mittelpunkt, war zugleich ein Forum für Auseinandersetzungen der verschiedenen Richtungen, aber auch ein Ort für innerjüdische Toleranz und Solidarität. 1910 waren 3,8 % der Einwohner Breslaus jüdisch. Für 1925 gab das statistische Amt der Stadt 23,240 Israeliten an. Bereits im Jahr 1934 war jedoch die Zahl auf 20,202 gesunken. Von dem 1854 gegründeten Jüdisch- Theologischen Seminar/Fr änkelsche Stiftung gingen bedeutende Impulse der Wissenschaft des Judentums aus, die noch heute weltweit nachwirken. Es erlangte als Ausbildungsstätte von Rabbinern und Religionslehrern auch in Zusammenarbeit mit der Breslauer Universität hohes Ansehen und trug mit zur Emanzipation in die deutsche Gesellschaft bei. Die Rolle, die Breslaus Juden in der bürgerlichen Gesellschaft der Stadt bis zum Beginn des ersten Weltkrieges, in dessen Zeit sowie in abgeschwächter Weise in den Jahren der Weimarer Republik gespielt haben, lässt sich sehr eindrucksvoll anhand der Gräber der bedeutenden Wissenschaftler, Künstler, Kommunalpolitiker und Kaufleute verdeutlichen, die sich auf den beiden heute noch vorhandenen Friedhöfen befinden. Die'jtidisch-deutsche Gemeinde ist durch Vertreibung und Ermordung ihrer Mitglieder völlig ausgelöscht worden. Auch die wenigen Überlebenden der Shoa, die zuvor von den Nationalsozialisten ihrer deutschen Staatszugehörigkeit beraubt worden waren, mussten - selbst wenn sie von den polnischen Behörden als Opfer eingestuft wurden - nach Kriegsende die Stadt, ihre Heimat verlassen. Juden aus Breslau, ihre Kinder und Kindeskinder leben heute in einer Vielzahl von Staaten der Welt. Ihre Zahl, so auch die im Verband ehemaliger Breslauer Juden in Israel, wird naturgemäß immer kleiner, aber dennoch bleibt für sie das ehemalige Breslau ihre Heimat. Eine ganz besondere Beziehung gibt es natürlich zu den beiden in der polnischen Stadt erhaltenen Friedhöfen. 3. Der Friedhof an der ul. Slezna (früher. Lohe- Strasse) besteht seit 1856. Die letzte Beisetzung fand am 12.8.1942 statt. Seit 1975 ist er als "Museum der Grabmalkunst" Bestandteil des Städtischen Museums. Sein Erhalt ist im besonderem das Verdienst des heutigen Direktors, Dr. M. Lagiewski, der im sozialistischen Polen, als die großen innerstädtischen deutschen Friedhöfe ohne Rücksicht auf kulturhistorischen oder anderen Wert einzelner Grabanlagen liquidiert wurden, seinen Bestand sicherte. Trotz des großen Einsatzes für diese wertvolle Anlage leidet er weiter unter dem natürlichen Verfall. Dennoch ist er für Besucher aus aller Welt immer ein "Guter Ort", der zum Verweilen, Nachdenken und sich Sammeln einlädt. 4. Der Friedhof an der Ul. Lotnica (früher: Breslau-Cosel, Flughafenstrasse), dem das Engagement von AKTION SÜHNEZEICHEN - FRIEDENSDIENSTE und HATIKVA e.V. gemeinsam mit polnischen Partnern dient, wurde Anfang des 20. Jh. im Stil der damaligen Friedhofskultur repräsentativ, parkähnlich gemeinsam mit einem christlichen Pendant angelegt und galt seinerzeit mit all seinen, heute größtenteils nicht mehr existenten Gebäuden als eine vorbildliche und gelungene Anlage. Seine Größe bot für die zu dieser Zeit wohlhabende uncf aufstrebende Gemeinde, die untrennbar mit der Stadt verbunden schien und sich auf dem Höhepunkt ihrer emanzipatorischen Entwicklung befand, auf Jahre hinaus genügend Platz. Für Deutsche der Nachkriegsgenerationen ist es eine besondere Verpflichtung, wenigstens Teile des Friedhofes wiederherzustellen und dauerhaft zu einem "Guten Ort" zu machen. mmm

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.