Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2008
- Issue
- No. 83 (2008)
- Date
- 2008-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 Suchanzeige Darf ich Sie noch um Ihren Rat bitten in einer Familienangelegenheit. Vielleicht haben Sie eine Idee, wo wir nähere Informationen zu folgenden Mitgliedern meiner Familie finden könnten, die auch aus dem früheren Breslau, dem heutigen Wroclaw stammten: Leontine (Loni) Dambitsch, geborene Meyer sei. A. Geboren 18.09.1889 in Grünberg /Schlesien Wohnorte: Breslau 13, Moritzstrasse 35 danach: Breslau, Brandenburger Straße 35 Letzte Anschrift vor der Deportation (laut Vermögensakte vom 27. 2. 1943 aus dem Staatsarchiv Wroclaw, ehemals Breslau): Breslau I, Wallstrasse 13 (Ort der Jüdischen Gemeinde Breslau, von wo aus zentral alle Breslauer Juden in die Konzentrationslager deportiert wurden). Sie musste Zwangsarbeit als "Näherin" (vermutlich für Wehrmachtsuniformen) leisten bei der Firma "Max Steinmetz - Fabrik für Uniformen und Berufskleidung. Breslau I, Schweidnitzer Straße 38-40". Leontine Dambitsch war verheiratet mit meinem Großonkel Felix Dambitsch sei. A. Tuch/Seidenhändler in Breslau Wohnorte: s. o. Geboren 20.06.1872 in Liegnitz Mitglied der 1919 gegründeten Heinrich Graetz-Loge LXXXI. 853 (Adressbuch 1928/29 des Unabhängigen Ordens B'nai Brith) Gestorben 15.09.1938 in Breslau (Neuer Jüdischer Cosel-Friedhof) Einziger Sohn von Felix und Leontine Dambitsch war mein Onkel Werner Wilhelm Dambitsch sei. A. Musiker (Saxofonist, Gründer des E.J.O., des Ersten Jüdischen Jazzorchesters im Rahmen des "Jüdischen Kulturbundes" der Nazis von 1933 -1938). Von seiner Witwe aus New York habe ich eine Reihe von Fotos und Programmen und wenige Briefe in Gedichtform kurz vor der Emigration erhalten, die das "E.J.0." und seine Geschichte dokumentieren. Laut "Liste der aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossenen Juden und jüdischen Mischlinge" am 17. 08. 1935 ausgeschlossen. Die Claims Conference hat mir darüber hinaus in Kopie kürzlich einen Auszug aus dem antisemtischen >Lexikon der Juden in der Musik< zugänglich gemacht, in dem in dem mein Onkel ebenfalls genannt wird. Geboren 23.06.1913 in BreslauEmigriert aus Breslau im April 1938 via Hamburg über Kuba in die USA Naturalisiert in den USA als Warner W. Danby Gestorben 13.12.1983 New York Aus der Vermögensakte geht hervor, dass Leontine Dambitsch ihre Wohung in der Wallstraße 13 am 29. Juni.1943 zwangsweise räumen musste. Am 7. Juli 1943 wurden NSDAP und Wohn- und Liegenschaftsamt informiert, dass nunmehr die "Wiederbesetzung der abgeschobenen Jüdin Leontine 'Sara' Dambitsch" erfolgen könne: "Die Wohnung ist leer und steht zu Ihrer Verfügung". Daraus schließe ich, dass meine Großtante vermutlich zwischen Juli und November 1943 (?) zunächst ins KZ Theresienstadt deportiert worden sein muss; Nach Familieninformationen ihres einzigen Sohnes Werner Wilhelm Dambitsch sei. A nach 1945 soll seine Mutter Leontine vermutlich ermordet worden sein am 23.01.1945 im KZ Auschwitz (4 Tage vor der Befreiung durch die Rote Armee am 27. 01. 1945) Wir suchen darüber hinaus Fotos und Dokumente sowie weitere Informationen zu Antiquariat und Sortiment N. (Nanny) Samosch, Breslau I (heute Wroclaw in Polen), Kupferschmiedestrasse 13/Ecke Schuhbrücke 27 aus der Zeit vor 1945. Die Schwester meines Großvaters Dr. Ludwig Dambitsch sei. A. war meine Großtante Rosa Samosch, geborene Dambitsch sei. A. (geboren 1874 in Liegnitz -1918 in Wien oder Breslau); sie heiratete im Jahre 1900 in Breslau den Prokuristen in der Hutfabrik Joh. Heinrich Itta, Samuel Samosch, danach Wien, wo ihr einziger Solan, mein Onkel Fritz Heinrich Samosch sei. A. (geboren 16.10.1901 in Wien - 29.3.1983 in Amsterdam) geboren wurde. Nach dem sogenannten "Anschluß" Österreichs an Nazi-Deutschland 1938 flüchtete er aus Wien mit seiner Ehefrau in die Niederlande, kam dort 1942 - 1943 ins KZ Westerbork zum Weitertransport ins KZ Auschwitz. Nach eineinhalb Jahren gelang es seiner christlichen Ehefrau, ihn frei zu bekommen, allerdings wurde er vorher durch die Nazis zwangssterilisiert. Mein Onkel Fritz Heinrich Samosch hatte 1934 laut Testament von seiner Tante Rosalie Samosch, gemeinsam mit seinen Vettern Hans Samosch sei. A. und Walter Samosch sei. A., jenes Antiquariat und Sortiment N. Samosch (gegründet 1844 und damals seit drei Generationen in Familienbesitz) geerbt. Im August 1937 war das Antiquariat durch einen dort beschäftigten Buchhändler namens "Herbert Pfizner" "arisiert" (wie das die Nazis nannten) worden (Akten zum genauen Vorgang der "Arisierung" aus dem Sächsischen Staatsarchiv Leipzig liegen mir vor). 1945 ist das Haus in Breslau, heute Wroclaw in Polen, durch Bombeneinwirkung zerstört worden (davon habe ich mich bei einem Besuch 2006 überzeugt). Auf der Flucht von Breslau nach Wien 1937 allerdings sollen Walter und Hans Samosch wertvolle Bücher, Drucke, Judaica, Privilegien der Juden in Böhmen und Mähren sowie alte Landkarten mitgeführt haben - so lautet die Auskunft der bis heute hochbetagt in den Niederlanden lebenden zweiten Ehefrau von Fritz Heinrich Samosch, Frau Deetje-Maria Brandsma Beelt (vormals Samosch-Beelt). Dieser könnte 1996 ihr zufolge dann möglicher Weise durch >Christie's< Wien zur Auktion gelangt sein. Das Problem: Die Inventarliste des Antiquariats wurde 1937 durch die Nazis mit konfisziert, so dass ein Nachweis für unsere Familie unendlich schwer ist. Ich hoffe, ich falle Ilmen mit meinen Fragen nicht zur Last. Es ist nur unendlich schwer, in Polen genaue Informationen zu erhalten, weil das deutsch-polnische Verhältnis auf politischer Ebene eben doch noch immer sehr belastet ist. Mit besten Grüßen, David Dambitsch Albiger Weg 03 14129 Berlin Germany Telefon und Telefax: 004930 - 773 62 41 mobil: 0049172-384 28 29 e-mail: daviddambitsch@aol.com