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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2008-01-01 · No. 83 (2008) · p. Seite 6

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2008
Issue
No. 83 (2008)
Date
2008-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Der Novemberpogrom 1938 in Breslau und Schlesien Nach dem „Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich im Frühjahr 1938 war die Jüdische Synagogengemeinde zu Breslau, die 1933 über 20 000 Mitglieder gezählt hatte, mit über 16 000 Angehörigen noch immer die v i e r t g r ö ß t e jüdische Gemeinschaft im nationalsozialistischen Herrschaftsbereich (nach Berlin, Wien und Frankfurt am Main). Im Gegensatz zu den zahlreichen schlesischen Landgemeinden, die im Angesicht des nationalsozialistischen Terrors schon bald nach 1933 den massiven Wegzug ihrer Mitglieder zu beklagen hatten, war der Emigrationsdruck auf die großstädtische Breslauer Gemeinde geringer. Wie der amerikanische, selbst aus Breslau stammende Historiker Abraham Ascher in seiner sehr persönlich gehaltenen Untersuchung über die Breslauer Juden im nationalsozialistischen Deutschland zu Recht hervorgehoben hat (vgl. die Rezension im vorliegenden Heft), zeichneten sich die Breslauer Juden nach 1933 erfolgreich dadurch aus, dass sie einerseits die Hilfs- und Wohlfahrtseinrichtungen der Gemeinde stärkten und andererseits einen „jüdischen Wirtschaftssektor" herausbildeten, sich also auf die gegenseitige Solidarität der Glaubensbrüder besannen. So vergleichsweise erfolgreich dieses Zusammenstehen in den 1930er Jahren auch war, so unausweichlich fand es seine Grenze dort, wo die Nationalsozialisten von der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Diskriminierung und den zahllosen antisemitischen Verordnungen und Drangsalierungen zu massiver Gewalt übergingen, wie sie sich im Novemberpogrom 1938 in ihrer ganzen Brutalität zeigte. Die Deportation polnischer Juden Vorangegangen war dem Pogrom der Versuch der Gestapo, Ende Oktober im ganzen Reich aller Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit habhaft zu werden und sie nach Polen zu deportieren („Polen- Aktion"). Am 27./28. Oktober 1938 wurden auf diese Weise über 17 000 polnische Juden, von Dr. Ingo Loose die teils schon jahrzehntelang in Deutschland gelebt hatten, über die deutsch-polnische Grenze getrieben, davon allein ca. 1500 Menschen aus Breslau. Allerdings waren die Menschen auch in Polen alles andere als willkommen. Wie Abraham Ascher aus persönlicher Erinnerung schreibt, verweigerte sogar das polnische Konsulat in Breslau den Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit jegliche Unterstützung. Einen willkommenen Vorwand für den Pogrom bot das von der „Polen-Aktion" maßgeblich motivierte Attentat von Herschel Grynszpan auf den Legationssekretär Ernst vom Rath am 7. November 1938 in Paris. Die Kommentare in den ausländischen Zeitungen waren durchsetzt von der berechtigten Befürchtung, die Nationalsozialisten könnten kollektive Vergeltung an den Juden in Deutschland üben. Derlei Verzweiflungstaten seien, so hieß es mehrheitlich, nicht nur sinnlos, sondern schädlich, denn - so schrieb der Warschauer „Haynt" am 9. November 1938 - „die blutrünstigen Judenfresser warten nur auf solche Dinge, um sich mit verdoppelter Brutalität auf die Juden stürzen zu können". Der Verlauf des Pogroms in Breslau Wie in praktisch allen anderen deutschen Städten wurde auch in Breslau die deutschjüdische Symbiose von den nationalsozialistischen Satrapen in der Nacht vom 9. auf den 10. November endgültig zerstört. Die deutschen Juden standen allerorts ganz buchstäblich vor dem Scherbenhaufen ihrer Existenz und ihrer Lebensentwürfe. Neben der liberal ausgerichteten Neuen Synagoge, die völlig ausbrannte und von der nur die Außenmauern stehenblieben, wurden unter Einsatz von einigen Hundert SS-Männern (wohingegen in den meisten anderen Städten die SA für den Pogrom verantwortlich zeichnete) auch zahlreiche weitere Gebäude der Gemeinde zerstört oder demoliert, daneben über 500 Geschäfte von Juden, was illustriert, wie stark die mittlerweile zusammengeschrumpfte jüdische Gemeinschaft sich wirtschaftlich in den Jahren nach 1933 hatte behaupten können. Die anderen Synagogen, die orthodoxe „Zum weißen Storch" und die Synagoge in der Schule am Rehdigerplatz, wurden nicht niedergebrannt (einzig um die benachbarten Gebäude in „arischem Besitz" nicht zu gefährden!), aber ihre Inneneinrichtung samt den Torahrollen fast völlig zerstört und profaniert. Die ebenfalls verwüstete „Altglogauer Schule" in der Gartenstraße gegenüber dem Schauspielhaus konnten die „Volksgenossen" anschließend gegen Eintrittsgeld besichtigen und sich vom Furor des angeblichen „Volkszornes" überzeugen. Knapp 2500 Juden wurden in Breslau verhaftet, das heißt ca. ein Fünftel der gesamten jüdischen Bevölkerung, darunter auch zwei Drittel des Gemeindevorstandes. Sie mussten sich auf dem Polizeipräsidium einfinden und wurden dann - teils unter zynischem Beifall vorbeikommender Passanten - zum Bahnhof getrieben, von wo sie nach Weimar ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert wurden. Unter den 30 000 sogenannten „Aktionsjuden", die die Zahl der Häftlinge in den Konzentrationslagern schlagartig verdoppelten und die die KZ fortan auch zu einem integralen Teil des jüdischen Schicksals in Deutschland machten, befand sich auch Salo Alfred Sklarz, dessen Bericht über seine Verhaftung und anschließende zweimonatige Haft im KZ Buchenwald in den vorliegenden Mitteilungen abgedruckt ist. Nach seiner Freilassung konnte er sich, seine Frau und seine Kinder nach England retten, aber eine Anzahl seiner Familienangehörigen wurden wenige Jahre später im Holocaust ermordet. Ausländischen Besuchern drängte sich neben fassungslosem Entsetzen und Abscheu vor allem ein Wort auf, das auch die Berichterstattung der internationalen Presse prägen sollte: Mittelalter. Augenzeuge des Zerstörungswerkes wurde beispielsweise der seinerzeit sehr bekannte jüdische Boxmeister Schepsel Rotholz aus Warschau, der als Mitglied einer polnischen

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