Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2008
- Issue
- No. 83 (2008)
- Date
- 2008-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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:SAW erkennen konnte. Die Appelle, bei denen die Häftlinge gezählt wurden, dauerten vom Anfang der Haftzeit abgesehen, nicht zulange. Denn die Anzahl der Häftlinge begann bald sich zu vermindern, hauptsächlich durch Entlassungen. Wir, die wir unsere eigenen, meist ausreichenden Kleider hatten sahen oft, wie die "alten" Häftlinge in ihren dünnen, gestreiften Kleidern froren, zitterten und stampften. Abgesehen von dem angangs erwähnten Vorfall im Weimarer Bahnhof, bin ich selbst nicht misshandelt worden, ich habe aber verschiedene Misshandlungen anderer mit angesehen. Das erschütterndste Ereigniss meines Aufenthalts jedoch fand am 21. Dezember 1938 statt, als am Abend ein Mann erhängt wurde. Die jüdischen Häftlinge mussten Antreten und die "Zeremonie" mit ansehen, den Aufmarsch der SS auf taghell erleuchteten Appellplatz, die Exekution, und den Abmarsch. Tage vorher hatten die Vorbereitungen dafür begonnen, und vielleicht zwei Tage danach hing das Opfer noch am Galgen. Wie ich später hörte, wurde ich indirekt durch diese Hinrichtung betroffen, da alle Entlassungen ihretwegen verschoben wurden. Am Donnerstag, dem 5. Januar 1939, wurde ich endlich zur Entlassung auf gerufen. Wir wurden strengstens gewarnt, über unsere Erlebnisse in Buchenwald nicht zu reden, "denn unser Arm reicht weit, auch ins Ausland", hiess es. Wir wurden dann in einen Raum geführt, wo ein Arzt uns auf Schwielen oder sonstige Spuren von Misshandlungen untersuchte, mussten uns dann rasieren und etwas unterschreiben, ohne dass uns Zeit gelassen wurde zu lesen was wir unterschrieben. Wir bekamen ein Formular, das wir sofort nach unserer Ankunft der Gestapo einzuhändigen hatten. Wir wurden zu einer Baracke ins Hauptlager geführt und bekamen dort unser Fahrgeld abgezählt in die Hand. Da wir eine sehr grosse Gruppe waren, wurden wir angewiesen, mit verschiedenen Zügen zu fahren. Motorbusse brachten uns zum Bahnhof Weimar (Fahrpreis RM 1.-), wo Damen des Erfurter Jüdischen Hilfskomitees uns mit Kaffee und Brötchen erfrischten. Am Freitag, dem 6. Januar 1939, 6 Uhr morgens, fast auf die Minute genau zwei Monate nach meiner Verhaftung, sah ich meine Frau und meine zwei kleinen Kinder wieder. 11 n&er& L’tvsvr &cfirdhei/v Chanan Choresch schreibt: Im Jahre 1924 kam ich als Sechsjähriger in das jüdische Waisenhaus Rehdigerheim. Später wurden zwei Stockwerke von der Volksschule übernommen und der Rest blieb für die Waisen, die dann auch in der Wohnung des Waisenhausdirektors untergebracht wurden. Ich ging acht Jahre in die Schule, habe viele Lehrer und Schüler kennen gelernt, und erinnere mich daher deutlich an mein Leben dort. Die Schulvmg schloss ich 1933 ab imd suchte mir Arbeit. Zu meinem Glück traf ich auf die Adresse von Dr. Freyhan - sein Büro war auf der Gartenstrasse 51. 2_ Jahrelang arbeitete ich dort täglich von 7 Uhr früh bis 7 Uhr abends an allerlei Büroarbeiten, bis 1935/36. Während dieser Zeit ging ich am Schabbat in die Bachadgruppe und kam dadurch mit dem Chaver Josef Walk in Verbindung. Mit seiner Hilfe kam ich nach Frankfurt in die Jeschiwa von R. Hoffmann, wo ich ein halbes Jahr lernen konnte. Dann zog ich für \_ Jahre in die Hachschara nach Gehringshof. Das war alles mit der Unterstützung vom Waisenhaus und von der Gemeinde in Berlin (ich bin in Berlin geboren). Am 15ten Juli 1937 erhielt ich das Zertifikat und wanderte nach Palästina aus. Am Hafen in Haifa empfang uns ein Chawer von Kibbutz Rodges, und durch seinen Antrag gelangte ich nach Kibbutz Tirat Zwi, der sich gerade zu der Zeit im Bet Sche'an Tal ansiedelte. Von 1937 bis 1954 war ich Mitglied in Tirat Zwi. Ich heiratete im Jahre 1947, aber letzten Endes konnte meine Gattin das schwere Klima dort nicht vertragen. Ich wandte mich also an Bekannte aus Masu'ot Jitzhak, die ihre Hachschara in Tirat Zwi vor ihrer Ansiedlung in Gusch Etzion vollendet hatten. Ich schlug ihnen vor, dass wir uns an sie anschliessen, u. zwar in Gusch Sapir (ihr neuer Ansiedlungsort nach ihrer Befreiung aus dem Gefangenenlager in Jordan). Wir wurden im Jahre 1954 dort angenommen, und konnten dort ein neues Leben finden. Es ist uns gelungen drei Kinder, eine Tochter und zwei Söhne, zu erziehen, und auch sie leben heute in Masu'ot Jitzhak, mit ihren Kindern und Enkeln. Als einsame Waise kam ich ins Land, aber heute, mit G'ttes Hilfe, haben wir es erreicht, eine glückliche Familie mit Enkeln und Urenkeln zu gemessen, und wir danken dem Ewigen. Ich brauche nichts weiter, denn ich habe Sinn und Genugtuung im Leben gefunden. Wir gratulieren Chanan Choresch zu seinem 90ten Geburtstag, und wünschen ihm und seiner Gattin dauernde gute Gesundheit und weiter Freude an der Familie bis 120. Er arbeitet noch heute für den Kibbutz, d.h. für das Land - und wir bewundern ihn. die Redaktion *** ...Wir freuen uns jedesmal sehr über die "Mitteilungen" und hoffen ihr Weiterleben mit beigelegtem Check unterstützen zu können. Seit 4 Jahren tauchen in Breslau, auf Strassen, Plätzen, Brunnen und Brücken kleine Bronzefiguren auf, eine Art Heinzelmännchen, auf polnisch "Krasnoludki" (d.h. rote Leutchen, weil sie im Original eine rote Zippelmütze tragen!). Von ihnen erzählt man sich, dass sie heimlich gute Taten fördern und somit helfen, Unmögliches möglich zu machen. Mir scheint, dass bei Ihnen auch so eine "Krasnoludek" sitzt und dafür sorgt, dass Ihre grosse Arbeit so gute Früchte trägt! Mit herzlichen Grüssen, Erica Risch und Wolfgang Schwarz Dr Wolfgang Schwarz Landau/Pfalz, D.B.R. Chanan Choresch (einst Hans Hirsch) Masu'ot Jitzhak.