Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2008-01-01 · No. 83 (2008) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2008
Issue
No. 83 (2008)
Date
2008-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/7506414-7413342-7497326--690-7413346
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4 Salo Alfred Sklarz schreibt: Ich möchte hiermit einige von meinen Erinnerungen an meine Haft im Konzentrationslager Buchenwald wiedergeben. Am Freitag, den 11 November 1938, um etwa 6.30 morgens, kam ein Polizist in Uniform in meine Wohnung, Breslau, Yorkstr. 13, um mich zu verhaften. Er erlaubte mir, mich anzuziehen und, da ich Lehrer und Schulbibliothekar war, meine dringendsten Schulangelegenheiten schnell zu ordnen. Dann führte er mich zum Polizeirevier Gräbschenerstrasse, wo meine Personalien auf ein Formular aufgeschrieben wurden. Viele andere Verhaftete waren schon da. Von dort wurde ich mit anderen im Lastauto ins Polizeipräsidium gebracht, und dort standen wir bis um zum Nachmittag herum. Mittags wurde Suppe ausgeteilt. Später mussten die Vehafteten antreten, und, auf beiden Seiten von bewaffneter Polizei und S.A. begleitet, marschierten wir unter dem Johlen und den Spottrufen der Bevölkerung zum Güterbahnhof, wo wir in einen Personenzug getrieben wurden. Wir fuhren die ganze Nacht hindurch - um die Fenster zu öffnen und um auszutreten, war die Erlaubniss der mit Karabiner bewaffneten Eskorte erforderlich - und kamen am Morgen des 12. November in Weimar an. Mit dem Kommando: "Mützen ab! Augengläser ab!" wurden wir die Treppe vom Bahnsteig hinuntergejagt, die zu einer Passage unter den Bahnsteigen führte. Dort mussten wir uns gegen eine Wand stellen, und S.A. Männer begannen nun mit Stricken und, soweit ich weiss, auch Stöcken und Gewehrkolben, auf die zusammengedrängten Menschen einzuschlagen. Ich erhielt auch einen Schlag auf die Oberlippe und den Hinterkopf. Nach einer Weile wurden wir in vollkommen eingedeckte Lastautos getrieben und nach längerer Fahrt hielten wir vor einem Gebäude mit einem Gittertor. Man trieb uns aus den Autos heraus und im Laufschritt durch den Torweg über einen freien Platz, wo Haufen von geteertem Schotter lagen. Ich war einer von denen, die darüber zu klettern hatten. Schliesslich mussten wir uns in langen Reihen zum Abzählen u.s.w. anstellen. Haar und Bart wurden abgeschoren. Nach langem Stehen, was, wie das Ein-und Ausladen, für die älteren und schwächeren Häftlinge eine grosse Qual war, mussten wir uns auf den frisch geschotterten und geteerten, unebenen Boden setzen. Austreten war nicht erlaubt, und die Qual für viele war gross, manchmal unerträglich. Verschiedene Häftlinge bekamen wilde Fusstritte oder wurden geschlagen. Von den Rohholzbaracken, die uns aufnehmen sollten, war Nr. 4 gegen Abend fertiggestellt, und Nr. 5 erst am nächsten Tag. Ich kam in Nr. 4. Ich fand Platz, wo ich konnte, auf dem nackten Fussboden im Mittelraum. Bald konnte man hören, wie einige Häftlinge, die den Kopf verloren hatten, mit Schlägen zum Schweigen gebracht wurden. Es dauerte lange, bis einige Ordnung herrschte. Ich fand einen 'Schlafplatz' auf der untersten eines dreistöckigen Pritschengestells an der Hüttenwand. Man 'schlief ohne Decken, vollangezogen, auf den nackten Pritschenbrettern. Die Hütten waren überfüllt, und bei dem Gedränge und dem unvermeidlichen Lärm, war Schlafen so gut wie unmöglich. Am nächsten Morgen begann der 'Alltag'. Man bekam einen Metall-napf und -löffel. Sehr bald lernte man, da der 'Kaffee' ungeniessbar war, sich ganz früh am Waschhaus nach Wasser anzustellen, weil dieses nur um diese Tageszeit heraufgepumpt wurde. Früh gab es heissen 'Kaffee' und 'Teichbrot', später Syrup. Manchmal wurden Heringe ausgegeben, die bei dem Wassermangel doppelt quälenden Durst verursachten. Noch später konnten allerlei saure Konserven, Keks und anderes mehr für teures Geld gekauft werden. Das Mittagessen war im allgemeinen schmackhaft gekocht, aber die Menge war nicht ausreichend. Die Tage vergingen in ziellosem Hin- und Hergehen und mit Aufpassen auf Ankündigungen, in denen Häftlinge zur Entlassung oder aus anderen Gründen ans grosse oder kleine Tor bestellt wurden. Am 24 (?) November wurden Karten zur Benachrichtigung unserer Angehörigen ausgeteilt und der Text über den Lautsprecher diktiert. Der Aufenthalt in den Hütten wurde immer unangenehmer, da durch Erkältungserscheinungen (Husten, Niesen, Räuspern und - Speien) Krankheiten verbreitet wurden. Ich selbst hatte wochenlang einen quälenden Husten, gegen den der Arzt in der Krankenbaracke (dem Waschhaus) nichts tun konnte. Viele, darunter auch ich, bekamen durch die Nahrung einen sehr unangenehmen Durchfall, der durch den Zustand der Latrinen (siehe darüber später) noch lästiger wurde. Durch den Schmutz, den die Insassen von dem ungeschotterten "Judenplatz" an ihren Schuhen hereinbrachten, wurden die ungedielten Barackengänge uneben und gefährlich. Wegen der höchst unzulänglichen Heizung konnte ich, ebenso wie alle anderen, weder Kleider noch Schuhe ablegen (woher hätte man Senkel genommen, wenn die alten gerissen wären?), wegen des Wassermangels konnte man sich nie waschen, ausser im Schnee, und der war bald zu schmutzig und unappetitlich, und rasieren, oder die wenig Taschentücher, die ich hatte und die ich übernacht in meinen Mantel einknöpfte, um sie trocknen zu lassen, waschen zu lassen, war vollends ein Luxus. Als mir einmal in Gedränge meine Brille heruntergerissen wurde und beide Bügel brachen, war es wunderbarer Glückfall, als einer meiner Schüler, der mit mir verhaftet war, mir ein Stück Schnur brachte, so dass ich meine Brille wieder benutzbar machen konnte. Die Latrinen waren entsetzlich, dennoch konnte man sie am Tage wenigstens benützen. Nachts aber durften nicht mehr als eine bestimmte kleine Anzahl von Häftlingen austreten gehen, und auch diese hatten beim Verlassen der Hütte und vor der Rückkehr dorthin ihre Zahl dem SS Posten auf dem Wachturm zu melden, Diese Posten mussten durch Hutabnehmen gegrüsst werden, wenn man ihnen vorbeiging. Ich weiss das Datum nicht mehr, an dem ich an Spätnachmittag zum Paketempfang in das Badehaus des Hauptlagers geführt wurde. Ich musste mein Paket offenen: der Inhalt, Wäsche und eine alte Wolldecke, wurde untersucht und mir gegeben. Auf dem Rückweg zum "Judenlager" kam ich an wimmernden Gestalten vorbei, die auf dem geschotterten Appellplatz lagen und die ich wegen der Dunkelheit nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.