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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1982-01-01 · No. 50 (1982-1983) · p. Seite 23

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1982-1983
Issue
No. 50 (1982-1983)
Date
1982-01-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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HANS KRIEG ZUM GEDENKEN HERB JACOB WEISS, ÜBERLEBENDER DES KONZENTRATIONSLAGERS BERGEN-BELSEN, BEZEUGT: In meiner Funktion als Judenältester des Konzentrationslagers Bergen Belsen erklärte ich hiermit, dass der Herr Hans Krieg vom 11. Januar 1944 bis 9. April 1945 in dem Judenaustauschlager Bergen Belsen war. Gerne wiil ich bestätigen, dass der Herr Hans Krieg, von Beruf Tonkünstler und Komponist, durch seine musikalischen pädagogischen illegalen Tätigkeiten viel dazu beigetragen hat, die Campbewohner, speziell die holländischen Juden, (die numerisch gesehen die gross, te Anzahl ausmachten) geistig zu stützen. Dadurch, dass er mit den Kindern ihre alten Volkslieder gesungen hat, hat der Herr Krieg einen positiv aufbauenden Kontakt mit ihrem Geburts'and und ihrem Judentum erfolgreich aufrecht erhalten. Diese Tatsache hat auf die Eltern und auf die andern Insassen eine sehr gute psychische Wirkung gehabt. Die singenden Kinder riefen zwar wehmütige, aber doch angenehme Erinnerungen hervor und hatten eine hoffnungsvolle, erlösende Reaktion auf die Zuhörer. Mehr noch als durch das Singen mit den Kindern erreichte der Herr Krieg mit seinen eigenen Gesangsvorträgen in den Baracken, seinem Singen während Fliegeralarmwachen und andern Ge. legenheiten. Das Zuhören seiner beseelten und tief empfundenen Vorträge war immer eine Quelle die das entsetzliche Leid milderte und Freude und neue Widerstandskraft gab. Der Herr Krieg war also ein nicht zu unterschätzender Faktor, der in hohem Masse dazu beigetragen hat, das moralische und psychische Niveau im Camp solange wie möglich hochzuhalten, resn. den allgemeinen geistigen Niedergang aufzuhalten. Der Herr Amerongen, bekannter Zionist: (aus einem Abschiesbrief, anlässlich meines Transpor. tes vom Konzentrationslager Westerbork nach dem Lager Bergen Belsen geschrieben) “... die imponierendste Figur unserer Baracke 68 ist der Musiker Hans Krieg, seine Figur ist im ganzen Lager bekannt. Mit seiner Tasche voller Musikbücher und Kompositionen geht er von Baracke zu Baracke, um den Kindern Stunde zu geben. Abends nach dem Campabendrot so zwischen den Betten, sieht man Hans Krieg im Lichtschatten einer Kerze, die man in einer dunklen Ecke auf einen Tische gestellt hat, — ein Bild wie von Gerhard Dou gemalt. Das Licht verbreitet einen milden Glanz und gibt dem Ganzen eine märchenhafte Stimmung. Um ihn herum Bitzen die Kinder, und in den Gängen zwischen den Betten versperren zahlreiche Zuhörer den Weg. Immer ist es: ‘Ach, Herr Krieg, ‘Das Pintele’, oder: ‘Singen Sie doch wieder das Liedchen: ‘Wie trinkt de? Kaiser Tee?’ Und immer wieder ist Krieg bereit, die Bitte zu erfüllen, und zum soundsovielten Ma le wiederholt er ein jüdisches oder hebräisches Lied, denn das ist sein Fach. Kaum hat er die ersten Akkorde auf seiner Guitarre angeschlagen, so verändert sich wie mit einem Zauberschlage sein ganzes Wesen. Er singt und spricht seine Lieder nicht, er erlebt sie. Seine tiefe, durch und durch musikalische Stimme durchzittert die Umgebung, und jeder ist sofort im Bann. Gefesselt hört man zu. Auch diejenigen, die nichts davon verstehen, — und das sind sehr viele von den Aelteren. Die Jugend, ja, die kennt viele jüdische Lieder. Er ist der Mann, und ihm allein ist es zu danken, dass die westerborker Jugend Hebräisch singt... und wie! ebenso leicht und mit ebensolchem Vergnügen wie die niederländischen Lieder. Wenn man die Kinder sieht, wie sie Hebräisch singend durch das Camp ziehen, — und wenn man dann weiss, dass sich unter ihnen Kinder aus den assimiliertesten Familien befirden, dann hat man eines der latenten Positiva des Camps wahrgenommen. Und Wie prächtig nie Kinder singen können, ist uns deutlich geworden, als unter seiner Leitung ein Kinderchor anlässlich einer Ausstellung von Kinderhandarbeiten sich hören liess. Alle Kinder sind Beine Freunde der Freundinnen. Vielen hat er einen Namen gegeben. Immer wenn er meine Aelteste sieht, ist es: ‘Das Häschen!’, und sofort ist er bereit, den Wunsch der Kinder zu erfüllen, die eine oder anders Melodie auf der Blockflöte zu spielen Alle Kinder werden dadurch sogleich angelockt und es ist eine Freude, allein zuzusehen, wie er tätig ist. — gleich dem Rattenfänger von Hameln...” (Mitgeteilt von Frau SOPHIE EVEN-PINA, Haifa) nrmnimmiiEE DAS BERLINER JUEDISCHE MUSEUM IN DER ORANIENBURGER STRASSE Von unserem stark interessierten Mitglied, Bernhard Staudacher aus Stuttgart, ist uns eine Schrift zum Andenken an das Berliner Juedische Museum zugegangen. (“Stadtgeschichtliche Pub. likationen” herausgegeben von Berlin Museum). Wir erlauben uns auf diesem Wege ihm fuer das sinnige Geschenk zu danken, zeigt es uns doch dass dieses Werk, trotz Zerstoerung und Untergang, durch den Katalog, der ausgezeichnet angeordnet ist, in unserem Herzen unvergesslich ist. Wir lesen von der Gruendungsversammiung, im Jahre 1929 im Hotel “Kaiserhof”. Es ist uns unmoeglich alle beruehmten Namen, die dort erscheinen, aufzuzaehlen. Hermann Simon hat sich durch die Herausgabe des Katalogs ein grosses Verdienst erworben. Stellvertretend fuer alle wollen wir nur Dr. Moritz Stern, den 1. Bibliothekar nennen, dann Dr. Karl Schwarz, Sallf Kirschstein, Prof. Dr. Max Liebermann, RA. Sammy Gronemann, Dr. Max Osborn, Dr. Aron Sandler, Georg Tietz, Theodor Wolff, sowie Arnold Zweig. Im Jahre 1934 hat Erna Stein-Blumenthal aus Kfar Jedidja, früher Breslau, an fuehrendei Stelle im Museum gearbeitet und war noch vor einem Jahr in Berlin zur Einweihung des neuen Museums. James Rosenfhal, der in Jerusalem wohnt, und viele Jahre Korrespondent der Knesseth fuer die Zeitung “Faaretz” war, hat in jungen Jahren an dem Aufbau des Museums teilgenommen. Im gleichen Blatt finden Sie eine Wuer digung zum Hinscheiden von Erna Stein — Blumenthal. Die Bekanntmachung: “Der Juedische Museumsverein ist aufgeloest” vom 27.12.1939, unterschrieben: Amtsgrichtsrat a.D. Walther Israel Michaelis” weckt in uns traurige Stimmung. Um so mehr freuen wir uns unseren Lesern mitteilen zu koennen, dass durch den Katalog der Geist des Juedischen Museums in Berlin weiterlebt. PROBLEME DER JUEDISCHEN FAMILIENFORSCHUNG IM FRUEHEREN OBERSCHLESIEN i Von Dr. WOLF S. MATSDORF, Jerusalem Die “Jewish Genealogy Society of Greater Washington” hatte dieser Tage in Jerusalem ein Seminar ueber juedische Genealogie mit grosser Beteiligung von den Vereinigten Staaten, Kanada, England und anderen Laender. Der Zweck der Zusammenkunft war, Erfahrungen auszutauschen ueber Mittel und Wege, zuverlaessige Quellen fuer Familienforschung festzustellen. Ueber eine Woche trafen sich regelmaessig die Teilnehmer mit Sachverstaendigen und hatten Gelegenheit, die vielen Nachforschungszentralen in Jerusalem zu besuchen wie die Register bei Yad Vashem, der Juedischen National Bibliothek, den Zentral Archiven fuer die Geschichte des juedischen Volkes, des Joint Distribution Committees, des israelischen Staats-Archivs, der historischen Archive der Stadt Jerusalem, der Ministerien des Innern und der Religion, dem Nachforschungsbuero fuer vermisste Verwandte oder der Zentral Zionistischen Archive. Unter den Berichten gab es Information ueber Quellen und Nachforschungen in Europa, einschliesslich Deutschland und Polen. Hinsichtlich der Moeglichkeiten, im frueheren Oberschlesien oder Schlesien Dokumente oder Synagogen- oder aehniches Material zu erhalten gab es leider wenig Information. Hinsichtlich des juedischen Friedhofs in der Lohestrasse in Breslau berichtete ich, dass Herr Heinz Kuehn, der Direktor der Friedrich Ebert Stiftung in Bonn, mir mitgeteilt hat, dass er diesen Friedhof besucht habe und Blumen am Grabe Ferdinand Lassalle’s niedergelegt habe; es bestehe auch die Absicht, das schwarze Marmorgrab in einem besonderen Masse als Gedenkstaette der deutschen Arbeiterbewegung herzurichten. Herr Kühen schrieb mir auch, dass der Friedhof total zerstoert sei und nur wenige Graeber sich noch in einem leidlichen Zustand befinden. Der Friedhof ist verschlossen und wird von einem Waechter bewacht. Nach Auskunft der Kommunalverwaltung besteht keine Absicht, den Friedhof einzuebnen und zu profanieren. Ich berichtete auch, dass ich versucht hatte, durch die “Geschichte des Naional-Sozialismus in Hamburg”, deren Forscher regelmaessig Polen besuchen, Information ueber meine Vorfahren, die in Breslau, Rosenberg, Kreuzburg, Schoenfeld und Pitschen lebten, Dokumente zu erhalten. Ein Brief von Professor Dr. Werner Jochmann, dem Direktor, enthaelt u. a. folgende Mitteilung; “Niemand in Polen hat bisher die Akten der juedischen Gemeinden in Schlesien — soweit Sie vorhanden sind — planmaessig durchgesehen. Und bisher liess sich auch kein wissenschaftlich qualifizierter juengerer Forscher finden, der diese Durchsicht uebernehmen koennte. Eine solche Arbeit ist mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden. Im Moment sind wir alle ziemlich ratlos, wie wir zu einem Erfolg kommen koennen.” Soweit die Spezialisten, Vielleicht gibt es unter den Lesern dieser so wichtigen Zeitschrift fruehere Schlesier, die Erfahrung auf diesem Gebiete haben und bereit sind, dem Schriftleiter, Erich Lewin, weitere Mitteilungen zu uebersenden. 89

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