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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1982-01-01 · No. 50 (1982-1983) · p. Seite 22

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EINE ANTHOLOGIE DEUTSCHSPRACHIGER AUTOREN IN ISRAEL „Heimat ist anderswo” nennt sich dieses im letzten Sommer erschienene, gut ausgestattete Taschenbuch der Herderbiicherei” (Freiburg), herausgegeben von Frau Alice Schwarz-Gardos. Redakteurin der ISRAEL-NACHRICHTEN, Tel- Aviv, der einzigen deutschsprachigen Tageszeitung in Israel. — Wie sehr dieser Band dem allgemei nen literarischen Interesse entsprach, Ja, wie “überfällig” er fast schon schien, geht bereits aus der Tatsache hervor, dass vom Herder-Verlag sofort die Vorarbeit zu einem zweiten vergrösserten Band aufgenommen wurde, der demnächst erscheinen soll. — Der Präsident des P.E.N.-Zentrums der BRD schrieb zu diesem ersten Band ein Geleitwort und umriss damit die Situation der noch in ihrer Muttersprache schreibenden Schriftsteller (innen) in Israel, hier 19 an der Zahl, die da in Gedichten tund Erzählungen von einst und jetzt und insbesondere von ihrer altncuen Heimat ISRAEL künden: Vom ersten Eingewöhnen nach den bekannten Anfangsschwierigkeiten, vom ungewohnten Existenzkampf im subtropischen Klima,- und, — wie könnte es anders sein, — die Texte sprechen nicht nur vom eher optimistischen Aufbauwillen, sondern sind vielfach emotional betrachtet bis hin. zu heute ans Nostalgische gemahnende Erinnerungen. Ist doch das Sich- Erinnern eines Menschen das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann, ähnlich wie die Sprache der Mutter, die ersten Laute, die das Kind in sich aufnimmt, für immer seine innere Heimat bedeuten, — Keinesfalls ist hier m. d. Buchtitel d. “geographische” Heimat fixiert, d. war ja vorbestimmt, war im Grund, d. Sehnsucht jedes jüdischen Menschen nach seiner “Ur-Heimat” (von UR kam ja Erzvater Abraham!), sondern gemeint ist in dieser Titelwahi die unverlierbare geistig-seelische Heimat jedes Schreibenden und Denkenden — trotz Verfolgung und erzwungener Auswanderung.. Sowohl Martin Buber als auch Max Brod sahen sich nie als Emigranten, sondern immer als “Heimkehrer”. Zum Buchinhalt sei 'vor allein der einführende Essay “Die Einsamkeit der deutschsprachigen Schriftsteller ln Israel”, von Alice Schwarz-Gardos de profundis erarbeitet, erwähnt, weitere prominente Namen sind Max Brod, Werner Kraft, Schalom Ben-Chorin, Erich Gottgetreu, Herbert Freeden Fritz Naschitz, Margarita Pazi, Ester Hoffe, Lola Landau, Ephraim Pistiner, Werner Bukofzer, Jenny Aloni und viele Andere (derunter auch die Unterzeichnete), leider aus räumlichen Gründen hier nicht detailliert anzuführen; unserer unvergessenen Netti Voleslaw-Cohen sei hier besonders gedacht.. In ihrem weiteren Beitrag “Arnold Zweig und Max Brod” führt Alice Schwarz-Gardos noch einmal “aus dem Brunnen der Vergangenheit” (Th. Mann) das Gewesene herauf, sehr eindrucksvoll! — Es ist ihr Verdienst und das des lobenswerten Verlags, in dieser Anthologie endlich diese leisen, aber eindringlichen Stimmen zu Gehör gebracht zu haben! Alle die, die nicht namentlich genannt werden konnten, mögen es bitte entschuldigen.-Dieser 1. Bad umfasst 190 Seiten, der zweite darf mit Spannung erwartet werden.- Frieda Hebel (Mitglied d.P.E.N.-Club London u. Jerusalem) „TORE ZUM JUDENTUH” In Kuerze wird im Verlag Ariel, Haifa, ein Handbuch mit obigem Titel in 3 Sprachen erscheinen u. z. in iwrith, englisch u. deutsch fuer Frauen und Maedchen, die zum Judentum uebertreten wollen. Das Buch ist verfasst von Frau Valerie Altmann, aus Breslau, die heute unberufen 89jaehrig, noch geistig sehr rege ist. Sie hat in muehevoller Kleinarbeit durch ihre Taetigkait diesem Buch zum Druck verholten. Sie hat im Laufe von Jahren bereits sehr viele Frauen und Maedchen fuer das Judentum vorbereitet. Das Rabbinat in Haifa hat ihre T.aetigkeit genehmigt und in besonderer Weise anerkannt. Der Ober-Rabbiner von Haifa, Schaar Jischuw Cohen, wird zu diesem Buch ein Vorwort schreiben. Wir freuen uns Frau Altmann fuer diese Taetigkeit, fuer ihre Liebe und Waerme mit der sie ihr Werk bearbeitet, herzlichst zu gratulieren. Sie hat damit die Fruechte ihrer langjaehrigen Arbeit gesehen. Weiter in Ruestigkeit von Herzen. Wie wir erfahren, wird in Haifa-Achusah ln Kürze ein Ulpan (Lehrstätte) für Übertritte zum Judentum eröffnet. Dieser soll auf den Namen von Frau Valerie Altmann benannt werden. EHRUNG In Nr. 43/49 unseres Blattes wurde von unserem Verband zum Hinscheiden von Berta Daniel, Haifa, eine Wuerdigung gebracht. Jetzt fand zum 2. Jahrzeitstag der eben Genannten in den Grundschulklassen der Biramschule auf dem Carmel wo sie zuletztz Direktorin war, eine Gedenkfeier statt, wobei ein Zimmer auf ihren Namen benannt wurde. Wir sind erfreut, dass diese Ehrung dieser grossen Erziehe»« in Form eines wuerdigen Gedenkens zuteil geworden ist. W AS ÄUS SH Eine umfangreiche Korrespondenz führen wir — unter anderem erhielten wir letzthin auch einen ausführlichen Brief von Prof. Erwin Herper (O/S, Santiago, Stuttgart). Wie Prof. Herper uns schreibt, war er 1933 — 1938 bei der Kulturbundarbeit ln O/S tätig, in Chile leitete er u. a. ein Jtid. Kammerorchester und einen Synagogenchor. In Stuttgart wurde er in den Vertrauensausschuss der Jüd. Gemeinde gewält u. beschäftigt sich mit der Revision der Gemeindesatzungen, hält vor verschiedenen Gremien Vorträge u. betätigt sich weiterhin auch musikalisch. Mit vielen trifft er zusammen, so auch mit einem früheren Freund und Mitschüler Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. Oskar Seidlin von der Indiana State Univ. in Bloomington. über diesen schreibt er folgendes: Prof. Dr. Dr. h.c. Oskar Seidlin alias Koplowitz ist am 17. Februar 1911 in Königshütte O/S als Sohn des Holzgrosshändlers Heinrich Koplowitz (Mitbesitzer der Fa. W. Sternberg) u. seiner Ehefrau Johanna geb. Seidler geboren. Er besuchte die Vorschule u. das Staatl. Gymnasium zu Königshütte. Nach Auflösung dieses durch die Abtretung der Stadt an Polen, besuchte er das Realgymnasium in Beuthen, war Stud. phil. an der Universität Freiburg/Brsg. u. Frankfurt j M. Nach der Emigration Universität Lausanne u. Basel, hier promovierte er zum Dr. phil. u. war als freier Schriftsteller tätig bis zur Emigration in die USA. Viele Ehrungen u. Auszeichnungen durfte Prof. Seidlin in Empfang nehmen. Phi Beta Kappa 1957, Forschungsprofessur Berlin 1959, Guggengende Zeilen entnommen: NEN WURDE heim — Fellow 1962/63, Goldene Goethe-Medaille des Goethe-Instituts 1963, Ohio State Univ. Re. gents, Prof. 1966 — 1972, Preis f. Germanistik im Ausland der Deutschen Akademie f. Sprache u. Dichtung 1968, Ehrendoktor der Univ. Michigan 1969, Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Göttingen 1973, Eichendorff- Medaille der Eichendorff Gesellschaft 1974 Oberschlessischer Kulturpreis 1975, Georg-Dehio.Preis der Stadt Esslingen 1983. Diese vielen Ehrungen sind dem hochqualifizierten Germanisten zuteil geworden, dessen Vater Heinrich Koplowitz an der bekannten zionistischen Konferenz in Kattowitz teilgenommen hat. Oskar Seidlin begann seine Sternstunde mit Jugendbüchern u. einem Gedichtband, bis in den fünfziger Jahren der grosse Durchbruch erfolgte. Der Briefwechsel Arthur Schnitzler — Otto Brahm. ihm folgte von Goethe zu Thomas Mann u. Versuche über Eichendorff, hier werden neue Aspekte u. Beziehungen eröffnet, welche das Buch zu einem aufregenden Abenteuer werden lässt, welches um so grösser wird, je mehr man es liest (Deutschlandfunk). Desgleichen folgen eine Fülle wissenschaftlicher Beiträge. Der Laudatio bei der Preisverleihung des Oberschlesischen Kulturpreises 1975 an Prof. Dr. Seidlin, in Würdigung seiner hervorragenden Leistungen auf dem Gebiet der Eichendorff-Forschung in Düsseldorf im Auftrag der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen d. Prof. Horst Neumann von der Univ. Freiburg (Schweiz) hält, sind fol- Vor einem Jahr hat Max Tau den Oberschi. Kulturpreis erhalten. Oskar Seidlin setzt heute die Reihe der Preisträger fort. Ein amerikanischer Staatsbürger jüd. Abstammung aus Königshütte O/S wird hier geehrt, ein Literaturwissenschaftler von. internationalem Ansehen, dem wir eine Vielzahl bedeutender Arbeiten über Werke der Dichtkunst von Goethe bis Thomas Mann verdanken, darunter Aufsätze über den Schlesier Gerhart Hauptmann u. ein berühmtes Buch über Eichendorff. Wenn Schlesier oder Ostpreusse zu sein soviel bedeutet wie vertrieben sein aus dem Land der Geburt, dann kann es für das Wort “Schlesier” eigentlich nur die Steigerung „Schlesischer Jude’” geben. Wir ehren einen Mann, der ein Stück unserer eigenen Geschichte, zugleich aber auch ein Stück Geschichte der jüdisch-deutschen Intelligenz in diesem Jahrhundert verkörpert. In diesen Tagen hat hier in Düsseldorf der Maidanek-Prozess begonnen. Seidlins Familie wurde in den Vernichtunglagern ausgelöscht. Ihm selbst gelang die Flucht über die Schweiz in die Vereinigten Staaten. Dort ist er nach harten Jahren der Eingewöhnung einer der angesehensten akademischen Lehrer u. einer der kompetentesten Vermittler deutscher Kultur geworden. Wer ins Exil geht, nimmt seine Sprache mit sich u. oft genug nichts als die Sprache. Sie bewahrend, rettet er seine Identität. Sie vermag Heimat nicht zu ersetzen, aber sie repräsentiert sie. Aus den Werken der Dichter klingt ihre Stimme. Der Emigrant mag sie als Zuspruch u. Tröstung, aber auch als Einspruch gegen seine Vertreibung, als Zustimmung u. als Gegenstimme hören. 22

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