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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1982-01-01 · No. 50 (1982-1983) · p. Seite 21

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1982-1983
Issue
No. 50 (1982-1983)
Date
1982-01-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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ROSENB (Anm, d. Red.) Herr Wolfgang Weidel aus Neuss, Herausgeber d. Rosenberger Nachrichten, hat in seiner Broschüre anlässlich des Jubiläums der Patenschaft Arnsberg-Rosenberg, dankenswerterweise auch einen umfangreichen Artikel u. Bildmaterial über die Juden in Rosenberg O/S. veröffentlicht. Aus diesem Artikel geben wir nachstehend einen Auszug der unsere Leser bestimmt sehr interessieren wird ... In den zwanziger und dreissiger Jahren stieg die Zahl der jüdischen Einwohner rstpide an. Den zugewanderten jüdischen Bürgern wurde jedoch nichts geschenkt. Man versuchte, und das mit Erfolg, Ansprüche geltend zu machen, die normalerweise gar nicht bestanden. Bevor Pfarrer Maiss 1837 starb, vermachte er der Stadt ausstehendc Messalienreste, von deren Zinsen Gebetbücher angeschafft und an bedürftige Kinder verteilt werden sollten. Da fünf der Schuldner ihre Besitztümer in der Zwischenzeit an jüdische Zuzügler veräußert hatten, verlangte man die Bezahlung von den neuen Besitzern. Da sie sich weigerten, ausstehende Messintentionen zu beglechen, zumal es ihre religiösen Prinzipen verletzte, strebte die Stadt einen Prozess an, in dessen Verlauf sie verpflichtet wurden, allen den Christen obliegenden Pflichten nachzukommen, mit Ausnahme der Stolgebühren. Im Jahr 1844 waren in Rosenberg schon 285 Einwohner jüdischer Religion. Die Anzahl ist im Vergleich zum Jahr 1820 um 60% gestiegen. In den nächsten 17 Jahren wuchs die Anzahl auf 307 an. Im Kreis w'aren es 1861 510 Personen, ohne Rosenberg, davon 245 in Landsberg. Der Rest wohnte verstreut in 32 Dörfern des Kreises. Grasenau (Kraskau) hatte seine Eedeutung als jüdische Gemeinde verloren, seitdem man wieder in den Städten leben durfte und Rosenberg nebst Landsberg ihre eigenen Bethäuser hatten. Es lebten in Kraskau nur noch 10 jüdische Einwohner In Landsberg klettere die Anzahl mosaischer Mit. bürger von 1858 bis 1861 um 34 Personen. In dei zweiten Hälfte des XIX. Jahrh. waren die Zahlen leicht rückgängig. Im Jahr 1900 lebten in Rosen berg 236 Einwohner jüdischen Glaubens, fünf Jahre später jedoch nur noch 142. Der Kreis Rosenberg hatte im Jahr 1910 lediglich 269 jüdische Einwohner zu verzeichnen. Neun Jahre spätei schrumpfte die Anzahl weiter: Rosenberg hatte 1919 — 112 jüdische Personen und Landsberg 121 Im Jahr 1931 schmolz die Anzahl jüdischer Seelen in Rosenberg auf 107. Jetzt nochmals zurück ins Jahr 1869. In dieser Zeit erwarb der Kaufmann Oskar Cohn aus Breslau das Kämmereigut Wa. chowitz (Stoberquellt für 22.850 Taler. Am 4.11.1885 stirbt Kaufmann Abraham Karmcinski und vermacht dem Krankenhaus 3.000 Mark. Zwei Jahre später, am 15. Juni stirbt im Alter von 98 Jahren eine der ältesten Rosenberger Bürgerinnen — Fanny Breslauer. Am 1.7.1863 erliess der Synagogenvorstand in Landsberg einen vom Magistrat gebilligten Aufruf um Spenden für den Bau einer Synagoge. Die Spenden waren so reichlich, dass mit dem Bau 1864 begonnen werden konnte. Am 14.09.1865 wurde das Gotteshaus feierlich eingeweiht. In die 1814 erbaute Rosenberger Synagoge wurde in der Nächst von 20. auf den 21. Februar 1850 ERG O/S eingebrochen und Gegenstände im Wert von 150 Talern entwendet. Am 14. Juni (an anderer Stelle wird Juli angegeben) 1887 trifft das Haus des Gebets ein grösseres Unglück: es wird Opfer der Flammen. Doch schon am 5. Oktober des gleichen Jahres wird unter Rabbiner Biumfeld der Grund, stein zum Neubau eines schönen gemauerten Gotteshauses gelegt. Es ist mit drei Kuppeln gekrönt, seine Dächer glitzern in der Sonne zum Lob des Herrn und sind schon von weitem zu sehen. Familie Schlesinger hat sich um den Neubau besonders verdient gemacht. Aus dem Jahre 1931 ist uns eine Urkunde erhalten geblieben, die der Prediger und Kantor Erich Lewin für den Magistrat erstellt hat. Ihr Text lautet: “Wir haben bei dem Umbau des Rathausturmes eine Schrift gefunden, die unsere Vorfahren dort niedergelegt haben. Aus dem Jahr 5581. Heute bekunden wir, dass in dieser Gemeinde sich 33 Haushaltungen befinden (107 Seelen); der grösste Teil davon sind Kaufleute, 3 Ärzte (Dr Matzdorf, Dr. Preihs und Dr. Süssbach. Anm. d. Schriftl.), 1 Rechtsanwalt. Die Vorsteher der Gemeinde sind: Herr Edmund Lehrer, Herr Siegmund Baginsky und der Arzt Herr Dr. Süssbach Wir haben in dieser Gemeinde ein Gotteshaus, das im Jahre 5649 erbaut wurde und einen Friedhof. Die Vorsteher der Beerdigungsgesellschaft sind: Herr Hermann Breitbarth und Herr Alfred Freund An der Spitze des Frauenvereins stehen Frau Val- Iv Schlesinger und Fräulein Amalie Böhm, die Schriftführerin ist Frau Hedwig Wartenberger. Der Jugendbund wird geleitet von dem Lehrer und Kantor Erich Lewin und von Kurt Translateur. Dfese Gemeinde steht unter dem Bezirksrabbinat des Herrn Rabbiner Dr. Feinberg, Gross Strehlitz. Dies schreiben wir in einer sehr schweren Zeit, 13 Jahre nach dem Weltkrieg, unter der Führung des Reichspräsidenten von Hindenburg — Gott möge seine Tage lang werden lassen — 10 Jahre nachdem diese Stadt zur Zeit der Abstimmung sich für Deutschland entschied. Heute einen Tag nach dem Schlussfeste de» Jahres 5692 seit Erschaffung der Welt.” Dann kam die unglückselige Zeit, die den Has* gesät hat und Unheil erntete. Das Volk wurde verblödet und aufgewiegelt, einen neuen Feldzug gegen alles Nichtarische zu führen. Der schwarze Aushängekasten des “Stürmers” am alten Kino am Ring, wiederholte fast in jeder Nummer Märchen über Ritualmorde, die Juden begangen haben sollen. Aufgeblähte Emotionen endeten mit der Kristallnacht und der endgültigen Verjagung und Vernichtung jüdischer Bürger, die einst mltgeholfen haben, aus Rosenberg ein wohlhabende» und beliebtes Städtchen an der Ostgrenze Deutschlands zu machen. Heute sind wir alle vertrieben und alle denken gern und mit gewisser Wehmut an Stadt und Kreis Rosenberg zurück. Am 1.12.1980 feierte Hein* Neumann in Schfeah bei Sicliron-Jaakow seinen 60. Geburtstag. 100 Gäste waren erschienen, aus verschiedenen Kontinenten, darunter etliche alte Rosenberger. Als sie der Heimat Grenzwiese und ihrer Kreisstadt Rosenberg gedachten, wurde so manches Auge feucht. Ob der letzte Rosenberger Kantor Erich Lewin auch an der Feier teilnahm, ist* mir nicht bekannt. Bestimmt werden wir es aus den “Mitteilungen des Verbandes ehemaliger Breslauer (und Schlesier) in Israel”, deren unermüdlicher Schriftleiter er ist, erfahren. Wir Rosenberger aber bleiben Rosenberger, ganz gleich wo wir wohnen, ob Juden oder Christen. Die Mauer, die der Hass aufgebaut hat, soll aber die Liebe wieder abreissen. Es heisst in der Schrift: “Dann kehrt der Herr wieder mit deiner Wiederkehr. Das lehrt, dass der Heilige, gelobt sei er, mit ihnen aus den Verbannungen wiederkehrt.” Schalom! 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