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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1982-01-01 · No. 50 (1982-1983) · p. Seite 20

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1982-1983
Issue
No. 50 (1982-1983)
Date
1982-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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Wie Breslau fiel (Fortsetzung von Seite 19) Entgegen allen Erwartungen greifen die Russen Breslau zuerst von Süden und Westen her an, während der Norden, das Odertor-Viertel mit seinen Vororten und die östlichen Vororte von Angriffen und Bombern verhältnismässig verschont blieben. Desto heftiger wütet der Kampf im Süden, wo sich in den reichen Villenvierteln schon um 26. und 27.2. erbitterte Strassenkämpfe abspielen und ein Haus nach dem anderen in Schutt und Asche sinkt. Den Kampf bestreiten neben dem Regiment Mohr, der besten Kampftruppe Breslaus die Volkssturmmänner und die Hitlerjugend. Sie sind aber nicht in der Lage, der Wucht der sowjetischen Angriffswellen lange Stand zu halten, so dass schon Anfang März der Kampfraum bis an die Umgehungsbahn an der Sadowa- und Götzenstrasse erweitert wird und südlich davon eine Art “Niemandsland” entsteht, in dessen Totenstille nur das Knistern der brennenden Dächer, das Klappen der Fensterläden und Türen ln den grausigen Kulissen der von den eigenen, Truppen zum „leichteren Kampf” gesprengten Häuser hörbar ist und kaum noch ein Mensch auftaucht. Deutsche Flieger sind kaum zu sehen. Vom Inneren der Stadt aus feuert deutsche Artillerie nach allen Seiten. Geschütze stehen auf der Hinterbleiche, am Lehmdamm und in langen Reihen am Oderdamm nach dem Schaffgotschgarten zu. Das Gefühl des rettungslosen Ausgeliefertsein, der völligen Wehrlosigkeit gegenüber den russischen Fliegern ist besonders des Nachts gross, wenn die Mähmaschinen, langsam dahintackernde Bomber ihre totbringende Last abwerfen. Nach jedem Bombardement ziehen am frühen Morgen verzweifelte Scharen iibernächtigter, schmutziger oft seit langem nicht gewaschener Breslauer durch die Strassen, Unterkunft für die nächste Nacht in Schulen, Gartenlauben, leeren Amtsgebäuden suchend. Ein unbegreiflicher Akt militärischen Vandalismus und ein unersetzlicher Verlust war die Sprengung des Breslauer Staatsarchivs. Dieser uferlosen, kulturfeindlichen Kriegsführung wäre damals beinahe auch die mächtige Staats- und Universitätsbibliothek zum Opfer gefallen. Mit dem pausenlosen Vorrücken der russischen Front von Süden her erschien auch die Kommandostelle des Festungsgenerals, die Liebichshöhe gefährdet. Als Ausweichstelle waren die Keller der Staatsbibliothek auf der Sandinsel und in zweiter Linie die der Pestalozzischule ausgewählt worden. Seit dem 20. März arbeiteten hunderte Männer, Frauen und Kinder an der Räumung der noch 550.000 Bände beherbergenden Staatsbibliothek. Nur mit Mühe gelang es, der Bibliotheksleitung die Absicht, die Bibliotheksgebäude mit ihrem Inhalt “Deckenschutz” für das Staatsquartier zu sprengen und abzubrennen, zu begegnen und auch den letzten Plan, die Bücher die Oder hinausschwimmen zu' lassen, zu vereiteln, wobei der Mangel an Sprengmunition und die Gefahr, durch das geplante Abbrennen die ganze Sandinsel zu gefährden und eine evtl. Verstopfung der Oderwehre ein grösseres Gewicht hatten, als kulturelle Bedenken. Weniger Rücksicht fand das Privateigentum. Am 27. März ordnete Gauleiter Hanke die Räumung der verlassenen Wohnungen (bis zum I. Stock) durch Arbeitstrupps an. Als Auftakt dazu wurden die kostbaren Möbel des Oberpräsidiums auf die Strasse geworfen und verbrannt. “Frei von jedem Ballast”, wie Gauleiter Hanke schon am 5.3. dem Führer gemeldet hatte, sollten Breslaus Einwohner die Stadt verteidigen. Die Stimmung der gepeinigten Bevölkerung machte sich in 2 Attentaten Luft. Am 30.3. flogen die Parteiortsgruppen Gneisen,au und Elbing nach dem Muster des 20. Juli in die Luft, ohne dass die Täter entdeckt werden konnten. In der Aufregung über die unerhörten Ereignisse brach in den Ostertagen der von den russischen Lautsprechern schon lange angedrohte Grossangriff der Russen auf Breslau, der die Stadt mit Ausnahme des Nordens und der östlichen Vororte fast völlig vernichtete. Nachdem schon am Ostersamstag der Kampflärm an der Süd- und Westfront in einem Masse angeschwollen war, dass die entsetzt horchenden Breslauer jeden Augenblick die russischen Kampfwellen über die Stadt hinwegrollen glaubten, brach am Ostersonntag der “dis irae” Breslau herein. Seit 8 Uhr morgens unaufhörlich bombardiert, brennt fast ganz Breslau. Ein rasender Wind treibt Milliarden von Feuerbündeln und Funken über die Stadt und in einem Inferno von Rauchflammen und Explosionen werden der Neumarkt und die Dominsel bald nur noch traurige Brandkullissen. In Trümmern liegt die Sandkirche, der Dom, dessen Stadtbeherrschende Türme bald nur noch traurige, rauchende Stummel sind. Vernichtet wird der grösste Teil der Schweidnitzerstr., fast der gesamte Ring, das Oberpräsidium erhält an diesem u. dem nächsten Tage allein 21 Bombentreffer, es brennt die Hauptpost, das Postscheckamt und von dem Wohnviertel, jenseits der Lessingbrücke bis zur Sternstr. bleibt kaum ein Haus übrig. Es stürzen zusammen die Nebenstrassen des Neumarkts, es brennt das Gemäldemuseum am Tauenzienplatz und von dem Museum für Kunstgewerbe und Altertümer auf der Graupenstr. ist nur noch ein wüster Schutthaufen übrig geblieben. Selbst die Kiefern und Pinien des Botanischen Gartens flammen wie riesige Flacken auf. In den Kampfpausen fliehen Riesenscharen von Breslauern mit den kümmerlichen Resten ihrer Habe dem rettenden Osten und Norden zu. Die ganze Nacht glühen die Häusermassen — feuriges Filigran — gegen den von ungeheuren Erandwolken verwundeten Himmel bis am Osterdienstag ein leiser Regen einsetzt. Und es wird weiter gekämpft. Am 14. April verlegt General Niehoff seine Kommandostelle von der Liebichshöhe, die durch zahlreiche Überläufer den Russen verraten, ein durch ständige Detonation rauchender Vulkan ist, auf die Sandinsel, in die Keller der Stadtbibliothek. Dem Mangel an militärischen Hilfskräften wird durch die Musterung der weiblichen Jugend abgeholfen. Die Mädchen werden zu Batterie-, Nachrichten- und Stabshelferinnen eingekleidet. Aber die Lage der Stadt wird immer hoffnungsloser. Der Traum eines Entsatzes Breslaus von der Tschechoslowakei aus (der berühmte Schlauch, den General Schörner von Westen her mit seinen Panzerdivisionen nach Breslau treiben sollte) zergeht angesichts des katastrophalen Rückzugs der Truppen an der Ostfront und dem rasenden Vorrücken der Amerikaner und Engländer schnell. HEINRICH GOLDSTEIN. MANNHEIM s.A. Einige Tage nach Vollendung seines 90ten Lebenjahres verstarb der oben Genannte in einem Krankenhaus in Mannheim, wo ihn sein Sohn Zwi und seine Schwiegertochter Edith einige Wochen vor seinem Ableben besuchten. Der Buergermeister der Stadt Mannheim, sowie die Persoenlichkeiten der Stadt und der juedischen Gemeinde haben ihn ständig an seinem Krankenbett besucht. Er kehrte vor einigen Jahrzehnten mit seiner Gattin au« Israel nach Mannheim zurueck, stellte sich sofort ehrenamtlich in den Dienst der juedischen Gemeinde, arbeitete mit Umsicht und Fleiss am1 Aufbau der juedischen Gemeinschaft, war ueberall zur Stelle, wo man ihn brauchte, war taeglich im Buero und leitete mit Umsicht und Voraussicht die Belange seiner ■ Mitglieder. Jedes Jahr war er zu den Feiertagen in Israel und auch immer Gast der “Centra” bezw. Beter in der Gemeinde “Ichud Schiwat Zion”. Sein Sohn Zwi, sowie dessen Frau, der Enkel und seine Familie waren eng gmit dem Vater und Grossvater verbunden, zumal er vor einigen Jahren in Mannheim seine Frau verloren hat. Geehrt und beliebt, ein starker Charakter, der genau gewusst hat, was die Forderung der Stunde ist, hatte er besondere Beziehungen zu dem Kantor der Gemeinde, Gerald Rosenfeld, bei dem er jeden Schabbat zu Tisch war. Ein grosses Trauergefolge begleitete ihn auf seinem letzten Wege. Landesrabbiner Dr. Levinsohn sprach anerkennende Worte und Kantor Rosenfeld verstand es mit seiner herrlichen Stimme dem Heimgegangenen die letzte Ehre zu erweisn. Auch wir trauern mit unserem lb. Zwi Goldstein und seiner Familie. Die Zwecklosigkeit und Aussichtslosigkeit einer weiteren Verteidigung Breslaus, das bald nur noch eine einzige Ruine ist, geht zuerst den Bewohnern des Vororts Zimpel auf. Ende April ziehen Gruppen von Frauen vor die Parteilokale und fordern, weisse Fahne schwingend, die Kapitulation Breslaus. Am nächsten Tage holt SS in Lastautos die “Rädelsführerin” ab. Aber der einmal erweckte Widerstand einer stündlich todesbedrohten, zu einem erbärmlichen Katokombendasein verurteilten Bevölkerung war nicht mehr aufzuhalten. Anfang Mai wurde eine Demonstration vorbereitet, diesmal waren es die Bewohner des Domviertels und auch die Vertreter der Geistlichkeit, geführt vom Weihbischof, sprachen bei dem Festungsgeneral vor. Am 5. Mai trafen Unterhändler der Russen ein, die durch Lautsprecher die Kapitulationsbedingungen bekannt machten. Meuterei der Truppen drohte. In der Nacht vom 5. zum 6. Mal musste die Staatswache den Südrand der Sandinsel mit Maschinengewehren gegen evtl. Überfälle auf das Generalquartier bestücken. Am Morgen des 6. Mai erscheinen rote Anschläge an den Mauern, auf denen General Niehoff der Bevölkerung Breslaus bekannt gibt, dass auf Entsatz von Breslau nicht mehr zu hoffen sei und dass mit den Russen zwecks Übergabe der Festung verhandelt werde. Noch am gleichen Tage kommt die erlösende Nachricht, dass am nächsten Tage, mittags 12 Uhr, kapituliert werde, aber schon am &bend stehen die ersten Russen Posten auf den zur Sandinsel führenden Brücken. Breslau Ist gefallen. 20

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