Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1982-1983
- Issue
- No. 50 (1982-1983)
- Date
- 1982-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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fiel: ein Augenzeugenbericht Wie Breslau Diesen Tatsachenbericht ueber die letzten Tag« von BRESLAU im Kriegsjahr 1945 hat mein guter Freund und langjaehriger Hausarzt, Herr Dr Erich LASCWSKI, fueher Breslau, jetzt seit vielen Jahren in Kiryat Motzkin ansaessig, im Archiv seiner Tante, sei. And. Frau Hildegard LEW- KOWITZ, Ehefrau des verstorbenen Rabbiner Prof. Abraham Lewkowitz (Rabbiner Seminar in BRESLAU) spaeter 4 Jahre K.Z. Lager durch. gemacht-aufgefunden. Ganz bescheiden ausgedrueckt, habe ich diese Aufzeichnung fuer das “MITTEILUNGS¬ BLATT” gekuerzt und bearbeitet. Oscar Grau Bis zum Beginn des Jahres 1945 war Schlesien das buen retiro, das befriedete Eiland Deutschlands für tausende von Ausgebombten des Westens, Zufluchtsort auch für die Kinderlandverschickung aus ganz Deutschland Auf allen Dörfern bis an die polnische Grenze sassen Kölner, Achener und die unglücklichen des Ruhrgebietes, einbezogen in den Frieden dieser von Kriegsschäden kaum Betroffenen, mit landwirtschaftlichen Überschüssen gesegneten Provinz. Auch Breslau, die Haupt- und Residenzstadt Schlesiens hatte, als eine der wenigen Grossstädte, die noch nicht in den Radius der englischen und amerikanischen Bomber ..JUEDISCHE TURNERSCHAFT” (Fortsetzung von Seite 18) die Schweiz 6, Südafrika und Frankreich je 3 Vereine, Estland und Lettland je 2, Belgien und Finnland mit je einer Gruppe. Sport und Leibesübungen stellen keine Traumbilder mehr dar. Deshalb ist es gut, erinnert zu werden, welchen Mutes und persönliche Courage es um die Jahrhundertwende bedurfte, jüdische Turngruppen aufzustellen, eine „Jüdische Turnerschaft” zu gründen, und eine “Jüdische Turnzeitung”, in der nach Richard Blum „jedes Wort seinen Druckfehler hatte”, und in deren Spalten man sich den Kopf zerbrach, ob es wohl in anderen Sprachen Kommandoworte gebe,... H. W. GOLDSTEIN, Haifa Liebe Mitglieder und Freunde Heute übergeben wir ihnen wieder unser Mitteilungsblatt — und zwar No. 50. | Wir hoffen dass sie*~ es~mit viel Interesse lesen werden. Technische Schwierigkeiten bringen eine Verzögerung der Herausgabe mit sich, und bitten wir um Ihr Verständnis. Der Mitgliedsbeitrag für 1984 beträgt in Israel 500.— IS., im Ausland US$ 10.—. Wir bitten unsere Mitglieder die Beiträge pünktlich zu überweisen. (Bank Konto 24195 bei der Ameripan-Tsrael Bank, Tel Aviv, Rothshild Blvd. 11 oder direkt an uns: C/O. Erich Lewin 52235 Ramat Gan (Ramat Chen) * 27 Mazadast, , Israel. . fielen, eine beträchtliche Ausweitung seiner Bevölkerung erfahren, sein Einwohnerstand war in den letzten Jahren von 625.000 weit über 800.000 gestiegen. Diese Illusion einer relativen Sicherheit — gestört nur einmal durch einen unerwarteten Fliegerangriif der Russen im Spätherbst des Jahres 1944 — erlitt einen starken Stoss, als nach dem Fall von Stalingrad die Massen der sowjetischen Heere sich nach Westen in Bewegung setzten und schon am Ende des Jahres 1944 in unmittelbarer Nähe der Ostgrenze Deutschlands erschienen. Anfang Januar 45 waren die Russen nur noch 80 km von dem oberschlesischen Industriegebiet entfernt. Im Norden hatte die russische Armee sich Ostpreussen genähert, im Süden erreichte die Armee Malinowski die Grenzen Ungarns. Inmitten dieser gewaltigen Zange lagen in noch trügerischer Ruhe das Warthegebiet und Schlesien. Das Gefühl der Sicherheit hatte allerdings schon eine starke Einbusse erlitten, als seit Monaten umfangreiche Schanzarbeiten an der Ostgrenze der Provinz und im verstärkten Masse um Breslau herum den Einmarsch der Roten Armee und die Möglichkeit von Kampfhandlungen auf schlesischem Boden in Aussicht stellten. Von Mitte Januar ab strömten in überfüllten, bis auf die Dächer besetzten Zügen und zu Fuss auf den vereisten Landstrassen fassungslose, erschöpfte Scharen von Frauen und Kindern aus den Warthelandstädten und aus den östlichen Gefilden über Schlesien dem Westen zu. Unaufhörlich zogen Tracks von Bauern, einst “Heim ins Reich” gelockte Balten, Bessarabien-Deutsche, Ukrainer, die im Osten angesiedelt worden waren, stumm und verzweifelt zur Westgrenze Schlesiens hin. Am 20. Januar erging von der Partei der Befehl zur totalen Räumung der an der Ostgrenze Schlesiens gelegenen Dörfer. Mit zogen einzeln und in kleinen Gruppen die ersten flüchtenden deutschen Soldaten und die eiligst sich ablösende Etappe. In diesen Tagen begann der grosse Auszug der Breslauer. Noch beherbergte die Stadt Hunderttausende. Die bange Frage, ob Breslau zur Festung oder zur “offenen Stadt” erklärt werden würde, beantwortete die Aufforderung des Reichsverteidigungskommissars, Gauleiter Hanke, zur Räumung der Stadt von allen Zivilisten mit Ausnahme der waffenfähigen Männer. Unaufhörlich dröhnen ab 21. Januar die Strassenlautsprecher: Frauen und Kinder verlassen die Stadt zu Fuss in Richtung Opperau-Kanth. Es ist schwerer Winter, die Oder völlig zugefroren. Bei über 20 Grad Kälte ziehen Tausende von jungen und alten Frauen mit Kinderwagen, Schlitten und kleinen Ziehwagen in die Winternacht hinaus, auf verschneiten Landstrassen. Zurückgekehrte gaben grausige Bilder dieses Todesmarsches. Für Hunderte von Kleinkindern war diese Nacht die letzte. In den Strassengräben nach Liegnitz zu liegen am nächsten Tage massenhaft Säuglingsleichen — in Neumarkt wurden allein über 40 erfrorene Säuglinge gezählt —, Koffer, Bettenbündel und Kleidungsstücke garnieren, die Gräben der Chaussee. Viele Frauen haben, um in dem oft einen halben Meter hohen Schnee vorwärts zu kommen, sich sogar ihrer Mäntel entledigt. Aber immer wieder dröhnen die Lautsprecher: “Frauen und Kinder verlassen die Stadt”, und es klingt wie unfassbarer Hohn, wenn die Gauleitung den in den nächsten Tagen flüchtenden Frauen die Mitnahme von Spirituskochern für die Säuglingsmilch empfiehlt. Während die Sirenen in immer kürzer werdenden Abständen die Annäherung sowietischer Flieger ankündigen, fliehen in beispielloser, würdeloser Überstürzung die Behörden der Universität, die Ärzte der Universitätskliniken, die Staatsverwaltungen, die Gerichte. Am 25. Januar marschieren die in den Industrie-Werken von Linke-Hoffmann arbeitenden tansend Russen ab, nachdem kurz vorher die Filiale des K.Z. Lagers Gross Rosen (ebenfalls bei Linke-Hoffmann beschäftigt) abtransportiert worden war. Die “Festung” Breslau rüstet indess fieberhaft zur totalen Verteidigung der Stadt. Eine Vorstellung des Kommenden eröffnet sich der noch übrig gebliebenen Einwohnerschaft, als die Parteifunktionäre die Frauen zum Barrikadenbau beordern Mit umgestürzten Wagen der elektrischen Strassenbahn, Eisenschienen, Steinplatten werden die meisten Strassen abgesperrt; ganze Strassenzüge und besonders die Eckhäuser der Hauptstrassen sollen gesprengt werden. Der Gauleiter will „günstige Kampfräume” schaffen. Damit begegnet er dem Widerstand der Stadtbehörden, aber wie eine Bombe, ein Signal der scharfen Tonart, die in der Festung Breslau herrscht, platzt die Nachricht von der Hinrichtung des Bürgermeisters Spielhagen. Laut Anschlag vom 20.1. hat Gauleiter Hanke um 6 Uhr morgens den zweiten Bürgermeister Breslaus Ministerialrat Dr. Spielhagen vor dem Denkmal Friedrich II standrechtlich erschiessen lassen, weil Spielhagen “ohne Befehl” die Stadt Breslau und seinen Posten verlassen wollte, um sich anderswo eine neue Beschäftigung zu suchen. Wer den Tod in Ehren fürchtet, stirbt ihn in Schande! Dieser getarnte Mord setzte den Schlusstrich unter das jahrelange heftige Zer würfnis zwischen Hanke — der auf Kosten der Stadt verschwenderische Feste gab — und dem sparsamen korrekten Bürgermeister. Während dessen tobt in Breslau der nationalsozialistische Terror. In immer schnellerer Folge arbeitet im Kletschkauer Gefängnis die Hinrichtungsmaschinerie, die Verbrennungsöfen der Anatomie sind seit langem schon nicht mehr imstande, die Leichen der Geköpften zu beseitigen. Am 7. Februar ist — letztes Auf flackern der nationalsozialistischen Herrlichkeit — grosse Auffahrt der Parteispitzen und Behördenleiter vor dem Oberpräsidium, wo Staatssekretär Naumann aus Berlin zum Referat eingetroffen ist: ‘Breslau wird bis aufs Ausserste verteiligt werden." Die Gefasstheit und äusserliche Ruhe der Breslauer Bevölkerung wird durch ein Wirrwarr amtlich-militärischer Anordnungen reichlich beeinträchtigt. So ergeht am Tage der Einschliessung von den Ortsgruppen die Anweisung, mittags 12 Uhr in der Umgebung der Sandinsel alle Fenster zu öffnen, da um diese Zeit die Sandbrücke und die Gneisenaubrücke gesprengt würden, ein völlig widersinniger Befehl, da gerade die Keller auf der Sandinsel mit Lebensmittelreserven der Festungsbesatzung gefüllt wurden. Der Festungsgeneral sitzt mit seinem Stabe in den Kellern der Liebichshöhe. (Fortsetzung auf Seite 20) 10